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Der Israelit · 1876-12-27 · Heft 52 (27.12.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 52 (27.12.1876)
Date
1876-12-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1192 wurde ich krank, schwer krank. Die Meinigen behaupteten, ich habe mich versündigt; Gott habe über mich verhängt, daß ich Frankfurter Raw werden solle und ich 'müsse mich dem Willen Gottes fügen. Daraufhin nahm ich den an mich ergangenen Ruf an und wurde wieder gesund. Meine Freunde, es war demnach augenscheinlich Gottes Wille, daß ich Euer Rabbiner werden sollte. Wem es nicht recht ist. der soll es mit Gott ausmachen!" — In derselben Stunde erkrankte der Dajon; man bat den Rabbi, für den Kranken zu beten. „Er soll widerrufen, und er wird wieder gesund werden," sagte der Rabbi. Der Dajon aber weigerte sich zu widerrufen und starb. — Ja, er war ein großer Mann, unser Raw, sein Andenken sei zum Segen! Einst fragte man ihn, wieso Alles, was er unternehme, gelinge. „Ich thue," antwortete er, „was Gott will und deßhalb thut Gott, was ich will." Rabbi Moscheh schwieg; auch die Tischgenofsen schwiegen, voll Staunen über das Gehörte. „Wir müssen auch einen Raw haben," rief Samuel. ..Bleibet hier, Rabbi Moscheh, und werdet unser Raw!" „„Ihr scherzet,"" entgegnete der Angeredete, „„ich sollte fortgehen von Frankfurt? Ihr kennt Frankfurt, unser Frankfurt, nicht! Lieber Schulklopfer in Frankfurt als Raw in Konstantinopel!"" „Und was ist so Besonderes an Eurem Frankfurt?" „„Es ist eine Ir meleoh Chachomim Wesophrim, eine Stadt voll von Weisen und Gelehrten. Und was die Hauptsache ist, wir Frankfurter lieben einander unstützen einander und sind nicht neidisch aufeinander, und freuen uns ein Jeder, wenn's dem Andern gut geht. Und Gemiluß Cheßed (Wohlthätigkeit) ist bei uns heimisch, und kein Frankfurter leidet Noth, solange ein Anderer etwas besitzt."" „Nun, nun, es gibt anderswo auch brave Leute." Rabbi Bärmann unterbrach das Gespräch. Er füllte die Gläser und rief: ..Chamro Wechajim lepumo derabonon!")" Laut klangen die Gläser zusammen. „Und nun wollen wir etwas singen!" rief Rabbi Joel. „Komm her, Lehmann, und singe einen schönen „Zur mischelau achalnu^)." 11) Wein und Leben den Gelehrten. 12) Eine Hymne, dte mit diesen Worten beginnt. Lehmann, der sunge Sohn Rabbi Bärmann'S, der dem Großvater nachhieß, folgte dem Befehle des Vaters seiner Mutter; er besaß eine schöne Stimme und sang das schöne Tischlied, das Gottes Liebe und Güte preist, nach einer allbekannten Melodie; fröhlich stimmte die Tischgesellschaft in den Refrain mit ein; da kam Asarjah, ein junger Verwandter Rabbi Bärwann's, der als Meschr.etz Commis, Diener) im Hause diente, zu dem Hauserrn und sprach; „Ein vornehmer Herr ist im Vorzimmer und wünscht Rabbi Bärmann zu sprechen." Rabbi Bärmann begab sich in das Vorzimmer; ein schöner, stattlicher Herr von vornehmem Aeußern Erwartete ihn dort. „Seid Ihr der Jude Behrendt Lehmann?" fragte der Fremde. „„Zu dienen. Eure Gnaden."" „Meine Name ist Beichlingen, Graf Beichlingen; ich bin der bevollmächtigte Minister meines allergnädigsten Herrn, Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht von Sachsen und habe in Geschäften mit Euch zu reden." Rabbi Bärmann verneigte sich tief. „„Gräfliche Gnaden, Excellenz."" sprach er dann, „„es gmici,t mir zur hohen Ehre, Eure Excellenz in meinem Hause zu empfangen. Allem von Geschäften kann ich jetzt nicht reden; eS ist Sabbat."" „Ist Euer Sabbat noch nicht zu Ende? Schon ist die Sonne untergegangen." „„Der Sabbat dauert, bis die Sterne am Horizont sichtbar werden."" „Das kann so lange nicht mehr währen; ich will es hier abwarten." „„Ich werde Eure Excellenz in mein Empfangszimmer führen."" „Nein, ich hörte singen. Ihr feiert ein Gelage drinnen; ich will an Eurem Feste theilnrhmen. Eure Ceremonien mitansehen. Aber Ihr müßt mir Alles hübsch erklären. Und noch Eins, nennt Euren Genossen meinen Namen nicht." „„Wie Eure Excellenz befehlen."" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen, nebst Titel nnd Inhalts- Berzeichnitz. Verantwortliche Redaetion: Dr. Lehmann. — Bcrlaglder Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottslcben's Buchdruckerei in Mainz (Mainrer Anzeiger).

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