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Der Israelit · 1876-12-27 · Heft 52 (27.12.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 52 (27.12.1876)
Date
1876-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1190 England. London. Baron Henry Worms, welcher von der „Alliance Jsr." zum Deputaten ernannt wurde, um die Wünsche der Israeliten Europa's und Amerikas der Conferenz in Konstantinopel in einer Denkschrift zu unterbreiten, wird in kurzer Zeit sich nach der Hauptstadt der Türkei begeben. Rußland. Warschau. Herr Heinrich Kokoschka, ein noch junger Mann, ^ohn des reichen Kaufmannes Michael Ko ko sch ka ausLomsscha, wurde Seitens der russischen Regierung zum Notar von Naschelsk ernannt, eine Stelle, zu der erst wenige unserer Glaubensgenossen in Rußland zugelassen werden. (Wiener Jsr) Türkei. Salonichi. Mehrere Zapites (Policiften) mißhandelten einige österreichische Unterthanen,' die sich in einen Streit gemischt hatten, in welchen die Elfteren mit einem jüdischen Geldwechsler ge- , rathen waren. Ein österreichischer Unterthan Namens Bohor Asser wurde am schwersten verletzt. Das General-Consulat that sofort die nöthigen Schritte, und der Gouverneur, nachdem er den Sachverhalt geprüft, richtete eine entschuldigende Note an das Cvnsulat und leitete die Bestrafung der Schuldigen ein. Auch diesmal wird den Beschädigten eine ziemlich bedeutende Entschädigungslumme zugesprochen. In Salonichi scheinen die Raufhändel in der Luft zu liegen, und diejenigen, welche sich als Acteurs daran beiheiligen und mit eimm blauen Auge davonkommen, werden die so coulantbewilligten Schmerzensgelder als eine willkommene Zubuße in diesen schweren Zeiten betrachten. Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) U. Hast Du schon, verehrter Leser, von der holden Emma vernommen? Unser prosaisches Jahrhundert hat aus der „holden Emma" eine Hvlt- Emme gemacht; es ist dies der Name des Flusses, der Halberftadt durchfließt. In uralten Zeiten soll die holde Emma die Tochter eines mächtigen Königs von Hercynien (Harzer Land) gewesen fein. Sie war die Braut eines edlen Ritters, Namens Bodo. Da kam ein gewaltiger Riese und begehrte die holde Emma zur Gemahlin. Der König von Hercynien fürchtete den Riesen und wagte es nicht, ihm die Hand seiner Tochter zu verweigern. Der Riese hatte zwei Riesenpferde mitgebracht, einen Hengst und eine Stute. Da bestieg Ritter Bodo den Riesenhengst, hob die holde Emma zu sich auf das gewaltige Roß. und fort ging es im sausenden Galopp. Der Diener des Niesen benachrichtigte seinen Herrn, der alsvbald die Riesenstute bestibg, um die Flüchtigen zu verfolgen. Wie der Wind fliegen die schnellen Rosse dahin, und die Liebenden haben einen bedeutenden Vorsprung. Da, plölich ist der Weg abgeschnitten. Vor ihnen dehnt sich ein ungeheurer Abgrund. Tief unten walzt ein Fluß seine schaumenden Wellen, ragen svitze Felsen hervor; ein Sturz in die schreckliche Tiefe ist sicher todtdringend, und das Gebirge gegenüber ist weit, weit entfernt. Schaudernd blicken die Liebenden' in den Abgrund; aber schon vernehmen sie das Schnaufen der Riesenstute, das Hohnlachen des Niesen. Da spricht die holde Emma zu ihrem Bräutigam: „Vorwärts, vorwärts! Lieber sterben als in die Hand des Ungeheuers fallen!" Und Ritter Bodo gibt dem gewaltigen Rosse die Sporen; es setzt an zum Sprunge, es fliegt durch die Lüfte und das kaum Denkbare geschieht: das edle Roß erreicht wohlbehalten das' gegenüberliegende Gebirge. In demselben Augenblicke kömmt der Riese an den Abgrund; er sieht noch den entsetzlichen Svrung; von unsagbarer Wuth verblendet, wagt auch er den Sprung; aber die Riesenstute erreicht nur u it dem einen Vorderfuße den gegenüberliegenden Felsen; sie schlägt den Fuß derart ein, daß der Stein noch heute das Abgedilde des Pferdefußes trägt; aber sie vermag sich nicht emporzuziehen , sie stürzt rückwärts, und Roß und Reiter zerschellen in der Tiefe an den hervorragenden Felszacken. Die Liebenden sind gerettet. Zum Andenken an diese Begebenheiten nannte man den Fluß, der in der Tiese schäumt. „Bode"; ein anderes Flüßchen in der Nähe „holde Emma" oder „Holtcmme", und den Felsen, der das Abbild des Pferdehufs trägt, „die Noßtrappe". Es ist dies der schönste und besuchteste Punkt des an schönen Thälern und Aussich t -bietenden Höhen so reichen Harzgcbirges. An der Holtemme, nicht weit von der Peterstreppe , auf der man von der Unterstadt in die Oberstadt steigt — Halberstadt liegt nämlich an

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