Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1876)
- Date
- 1876-12-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1186 können unmöglich die israel- Jugend derart mit den Einrichtungen des Gottesdienstes vertraut machen, wie es das Judenthum unbedingt erfordert. Die nächste Folge wird sein, daß die Jugend sich ganz und gar der Synagoge entfremdet; dann wird auch das tägliche Pflichtgebet vernachlässigt werden; die Kinder werden dann nicht einmal mehr das Hebräische lesen lernen, da bekanntlich der Unterricht in der Religionsschule ein ganz erfolgloser ist, wenn er nicht durch die lebendige Praxis im Hause und überhaupt im Leben unterstützt, frisch erhalten und gekräftigt wird. Hierzu kömmt noch etwas Anderes, Schlimmeres. Viele Schüler vom Lande besuchen die höheren Unterrichtsanstallen in den nahegeleg-nen Städten und benutzen zu diesem Zwecke die Eisenbahn-Abonnements. Diese Schüler fahren am Sabbat mit der Eisenbahn und thun in Folge dessen noch viele andere Dinge, die am Sabbat zu thun verboten sind. Daß es mit dem Judeothume solch' einer Jugend bald zu Ende sein wird, braucht nicht erst näher ausgeführt zu werden. Im ganzen Königreich Preußen wird kein jüdisches Kind gezwungen, am Sabbat die Schule zu besuchen. Der Vater oder Vormund gibt einfach die Erklärung ab, daß er sein Kind für die Sabbat- und Feiertage vom Schulbesuche dispensirt wünsche, darauf erhält er zur Antwort, daß seinem Gesuche willfahrt werde, daß aber für ein etwaiges Zurückbleiben des Schülers die Schule die Verantwortlichkeit nicht trage. Das Versäumniß am Sabbat kann nur an den höheren Unterrichtsanstalten von für den Unterricht nachtheiligen Folgen sein; in der Volksschule hat sie gewiß keine Bedeutung. Ist es doch allbekannt, daß bisher immer, trotzdem die jüdischen Kinder am Sabbat die Schule nicht besuchten, sie nicht allein nicht hinter den andern Kindern zurückgeblieben sind, sondern daß sie — durchschnittlich — allen andern voraus waren! Wieso soll das jetzt auf einmal anders geworden sein? Die außerordentliche Wichtigkeit der Sache erheischt ganz energische Maßregeln. Wir erlauben uns, zunächst Masten - Petitionen von Seiten der israel. Bevölkerung in Vorschlag zu bringen. Das hohe Ministerium des Innern, Abtheilun; für Schulangelegenheiten, ist gewißlich von der hohen Bedeutung der Sache für'das hessische Judenthum nicht genugsam unterrichtet; es scheint, daß es die Vorstellung der Rabbinen, die bis jetzt in dieser Angelegenheit petitionirt haben, nicht für dieBertretung der Stimmung der jüdischen Bevölkerung hält; Petitionen von den Gemeinden, den Eltern, in großer Menge eingebracht, dürften sicherlich den gewünschten Erfolg haben. Sollte aber wider alles Erwarten das nicht der Fall sein, so müßte man an den Landtag appelliren und die Sache soweit verfolgen als irgend möglich. Sollte auch das erfolglos sein, so müßte Abhilfe durch Gründung eigener Schulen geschaffen werden. Wie der Zustand jetzt ist, können, dürfen wir ihn nicht belassen. Wir hoffen, daß diese Auseinandersetzungen zu gemeinschaftlichen Schritten in der in Rede stehenden Angelegenheit veranlassen werden. Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen. Deutschland. Würzburg. Nachdem schon so oft die verschiedenen Talmud-Thora-Schulen in diesen gefch. Blättern besprochen wurden, glaubte ich auch einmal einem Berichte über die in dem nahegelegenen Höchberg darin zu begegnen. Es wird wohl keinen der verehrlichen Leser befremden, wenn ich mich für diese Anstalt besonders interessire; ist sie es doch, die in erster Linie das Andenken von iV'ino V't -iixnDx verewigen soll. So konnte ich mir denn auch nicht denken, warum gerade diese Pflanzstätte pn";n hw sicy in Schweigen hüllt — oder sollte gar ihr Wirken die Oeffentlichkeit scheuen müssen? — Diese Frage veranlaßte Einsender dieser, sich ein wenig auf's Spioniren zu verlegen, und so hat er denn erfahren, daß die Leiter derselben , wie in Allem, so auch hierin den Grundsätzen ihres frommen vorerwähnten Gründers V'r treu bleiben, dessen Wahlspruch der gewesen: TB *it- Ob dies aber Anderen möglich ist, darüber sollen uns die folgenden Zeilen Aufschluß geben. Die Talmud - Thora-Schule, resp. Lehrerbildungs - Vorbereitungs - Anstalt zu H. ist wohl die älteste unter den derartigenAnstaltenBayerns. Von ihrer Stellung zum positiven Judenthume braucht nicht erst gesprochen zu werden; der Name ihres Gründers und langjährigen Vorstandes Y'r 11*1.10 und der seines würdigen Nachfolgers, des Herrn Nabb. -Cand. Jacob Ehrenreich *"j, bieten zur Genüge Bürgschaft dafür, daß sie so echt als ox gelten kann unter den Stätten, die sich zur Lebensaufgabe gemacht, PxiL"2 'im pmo zu sein; dafür legen wohl auch ihre meisten der nach Hunderten zählenden 'nmin beredtes Zeugniß ab. Aber nun werden gar viele, wohl die meisten verehrten Leser dieses gesch. Blattes meinen: „Ja, das ist bekannt, daß dieser Anstalt der Name Tal-