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Der Israelit · 1876-12-20 · Heft 51 (20.12.1876) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 51 (20.12.1876)
Date
1876-12-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1176 Feuilleton. Prosklytcn. Von Friedrich Nott. XXXI. W^HeleneWar allein, den Kopf in die Hand gestützt, schaute sie sinnend vor sich nieder. „Glücklich ," flüsterte sie, „mich glücklich machen, — ob ihm das gelingen wird? — ob man glücklich werden kann, wenn das Herz gestorben ist?" — Sie schüttelte trübe das anmuthige Haupt, „doch gleichviel , glücklich machen ist noch mehr als glücklich sein, und ihn will ich glücklich machen; er hat es reichlich um mich verdient, schulde ich ihm doch bereits so viel und bald werde ich ihm noch mehr zu verdanken haben, einen reinen, unbescholtenen, ehrenvollen Namen. — Wenn ich nur nicht so viel an den Andern denken müßte, der am Abend mir seine Hand geboten, um am Morgen meine zu verschmähen. — O, diese Augen, diese Augen, diese herrlichen, wunderbaren Augen — wenn ich sie nur zu bannen vermöchte. — Es ist gut, daßderCommerzienrath unsere Vermählung beschleunigen will, denn dann wird es ein Verbrechen sein, an ihn zu denken, das wird es mir leichter machen, ihn zu vergessen." — Die Thür ging auf, die Zofe trat herein, um ihrer Herrin beim Entkleiden behilflich zu sein. „Schon so spät?" fragte Helene. „..Halb zwölf, gnädiges Fräulein,"" versetzte Susanne, indem sie die Thür zu Helenens Schlafzimmer öffnete, in dem die zum Opernbesuch bestimmte Toilette noch ausgebreitet lag. „„Das gnädige Fräulein haben die schöne Oper heute versäumt, der alte Herr war wohl nicht aufgelegt dazu. Hat das Zipperlein ihn vielleicht geplagt?"" fügte sie höhnisch hinzu. „Ich verbitte mir diesen Ton, wenn vom Herrn Commerzienrath die Rede ist," sprach Helene ernst verweisend. „Susanne," fuhr sie nach einigen Minuten fort, während das Mädchen ihre langen Haare zur Nacht ordnete, „ich würde Dich höchst ungern vermissen, denn ich weiß, Du bist mir treu; ich würde Dich jedoch keine Stunde länger in meinem Dienste behalten, wenn Du Dich noch ein einziges Mal in solch' unehrerbietiger Weise über Deinen Herrn äußerst." „„Gnädiges Fräulein,"" stammelte die Zofe, ..„der Herr Commerzienrath ist nicht mein Herr, ich stehe in Ihren Diensten."" „Das bleibt sich gleich," versetzte Helene, „umsomehr," fügte sie erröthend hinzu, „als ich mich" — sie stockte einen Augenblick, fuhr aber gleich darauf rasch fort — „mit dem Herrn Commerzienrath verlobt habe." Der Kamm entfiel den Händen der treuen Dienerin, voll Entsetzen starrte sie auf ihre jugendliche Gebieterin. „„Verlobt,"" stammelte sie, „„mit dem Herrn Commerzienrath verlobt — ach, gnädiges Fräulein, das ist doch wohl nur Scherz."" „Ich bin nicht aufgelegt zum Scherzen und ersuche Dich, meine Nachtioilette zu beendigen," sprach Helene befehlend, doch Susanne war noch immer nicht im Stande, sich zu fassen. „„Gnädiges Fräulein, um Alles in der Welt, sagen Sie, daß ich Sie falsch verstanden habe; eä ist ja nicht möglich, es kann ja Nicht sein, mein junges, schönes Fräulein und der alte Herr — „Und wenn nun der alte Herr mir lieber wäre als alle die jungen Herren?" „„Aber das ist ja nicht möglich."" „Doch ist es so. Ich wüßte doch keinen, den ich ihm vorziehen könnte/' fügte sie schmerzlich hinzu. Aber Susanne konnte sinoch nicht darein finden, sie warf sich ihrer Herrin zu Füßen und beschwor sie unter Thränen, sie möchte doch Mitleiden haben mit sich selbst, mit ihrer Jugend, mit — Herrn Werner, fügte sie leise hinzu Helene erröthete und wandte sich rasch ab; ohne das noch immer knieende Mädchen weiter zu beachten, ordnete sie selbst ihr Haar und begann sich zu entkleiden. Susanne erhob sich und wollte ihr helfen, sie wies sie zurück und befahl ihr, sich zu entfernen. Schweigend, doch mit nassen Augen, schlich das treue Mädchen aus dem Zimmer ihrer sonit so gütigen Gebieterin. Sie konnte es nicht fassen, es war ihr, als müsse sie ihre Herrin mit Gewalt zurückhalten, einen Schritt zu thun, der diese, wie sie fest überzeugt war, unglücklich machen müsse, doch wie konnte sie es hindern? Ehedem die Vertraute ihres Fräuleins, war, seit Werner das Haus des Commerzienraths nicht mehr besuchte, in ihrem Verhältniß zu Helene jede Vertraulichkeit geschwunden. Anfangs hatte sie sich nämlich erlaubt, wiederholt gegen ihre Herrin ihrer Verwunderung Ausdruck zu leihen, den jungen Mann, für den sie im Interesse ihrer Gebieterin eine ganz besondere Vorliebe empfand, nicht mehr zu sehen und Helene, hierdurch auf's Aeußerste verletzt, war ihr darauf schroff begegnet. Doch Susanne hatte ihr Unrecht längst eingesehen und war ihrer Herrin seitdem nur noch inniger ergeben, wenn sie auch nicht wagte, sie um Entschuldigung zu bitten, denn sie sah Helene leiden und ahnte.

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