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Der Israelit · 1876-12-20 · Heft 51 (20.12.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 51 (20.12.1876)
Date
1876-12-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1177 daß Werners Fernbleiben die Ursache dieses Leidens. Längst hatte sie gewünscht, dem jungen Manne einmal zu begegnen; doch es war ihr nie geglückt, als sie jedoch nun schlaflos auf ihrem Lager sich wälzte und unaufhörlich sann und sann, wie es möglich wäre, ihr geliebtes Fräulein dem ihr drohenden Verderben zu' entreißen, da faßte sie den Entschluß, gleich am folgenden Morgen, noch bevor Helene ihrer Dienste bedürfe, Werner aufzusuchen und ihn aufzufordern, Helenen's Vorhaben, das ihr so entsetzlich schien, um jeden Preis zu vereiteln. Denn daß die jungen Leute einander von ganzem Herzen liebten, davon hielt sie sich fest überzeugt und wähnte, ein leichtes Mißverständniß, das möglicherweise sie zu lösen vermöchte, habe die augenblickliche Entfremdung herbeigeführt. Als habe sie mit diesem Entschlüsse schon den ersten Schritt zur Abwendung des Gefürchteten gethan, schloß sie voll Vertrauen auf den kommenden Tag die Augen und schlief ein. Früh am Morgen war sie jedoch wieder am Platze und während Helene sicher noch schlummerte, eilte sie, ihr Vorhaben auszuführen. Sie hatte während der Wlntermonate häuflg, lange bevor der Tag graute, in Werners Zimmer Licht bemerkt und schloß daraus nnt Recht. daß sie ihn in den Frühstunden am sichersten treffen würde. Es war noch ziemlich dunkel, als sie, in einen großen Shawl gehüllt, über die jetzt so öde Straße schlich, hinüber in die Wohnung des jungen Mannes, den sie zum Retter ihres Fräuleins bestimmt hatte. Schüchtern klopfte sie an Werners Thür und auf sein etwas verwundertes „Herein" trat sie in's Zimmer. Der junge Mann, rn einen eleganten Schlafrock gehüllt, saß am Tische, einen aufgeschtagenen Folianten vor sich. « „Was wünschen Sie?" fragte er erstaunt über das Benehmen des Mädchens, doch diese hatte noch nicht überlegt, was und wie sie's ihm sagen wollte. „„Aber Herr Werner,"" rief sie, „„kennen Sie mich denn nicht? ich bin ja die Susanne von da drüben, Commerzienrath's, die Kammerjungfer von dem gnädigen Fräulein von Mosbach."" Erregt sprang Werner auf. „Und Sie kommen von dem Herrn Commerzienrath oder" — seine Stimme bebte — „von dem Fräulein?" „„Von keinem von beiden."" erwiderte Susanne, „„ich komme von mir allein."" Es entstand eine Pause, das'Mädchen überlegte, wie sie fortfahren sollte; Werners wachsende Erregung benahm ihr das Wort. „Was wünschen Sie von mir?" begann er endlich von Neuem, „warum haben Sie mich aufgesucht?" „„Das werde ich Ihnen gleich sagen, Herr Werner, aber zuvor müssen Sie mir sagen, warum Sie gar nicht mehr zu uns kommen. Hat vielleicht der alte Herr Ihnen gesagt daß das Fräulein Sie nicht leiden kann, daß sie einen Ändern liebt oder sonst so etwas Aehnliches? wenn er so etwas gesagt hat, so sage ich Ihnen, daß es eine Lüge ist. O! wenn Sie wüßten —"" „Was, Susanne, was?" „ „Nein, ich bitte Sie, Herr Werner, sagen Sie mir zuerst, warum Sie nicht mehr zu uns kommen?" " Ein schmerzlicher Seufzer hob die Brust des jungen Mannes. „Das kann ich Ihnen nicht sagen, Susanne." „„Ja, wenn Sie mir nicht sagen wollen, warum Sie nicht mehr kommen, dann, dann, — ich hatte sicher geglaubt, es müßte so 'ne Plauscherei vom alten Herrn sein, das hätten Sie mir gesagt und ich hätte es meinem gnädigen Fräulein gesagt und mein Fräulein hätte Sie dann schon wissen lassen, wie die Sache sich verhält, und so hätte Alles wieder gut werden können."" „Sie sind sehr gut, Susanne, und Ihrer Herrschaft gewiß treu ergeben, aber Sie sind im Jrrthum, der Herr Commerzienrath ist kein Schwätzer und zwischen Fräulein Mosbach und mir waltet kein Mißverständniß." „„Wie soll ein Mensch das verstehen! Herr Werner, wie können Sie nur so — nein, das wird Gott Ihnen nie verzeihen. Denn wenn der Herr Commerzienrath Sie nicht angeplauscht hat, so ist es ganz allein Ihre Schuld und Sie allein haben's auf dem Gewissen."" „Aber was denn, Susanne? um des Himmelswillen, sagen Sie mir, was?" „„Ja. was — was — erst kommen Sie immer und thun so schön und man hätte Wunder glauben sollen, wie verliebt Sie in mein gnädiges Fräulein sind, und dann mit einem Mal — weg sind Sie und lassen sich nicht sehen."" Sie hielt inne, als erwarte sie eine neue Frage seinerseits; doch als er schweigend vor sich niedersah, fuhr sie mehr und mehr xsich erregend fort: „ „Ja, Herr Werner, Sie und Sie ganz allein sind an den Unglück meines lieben schönen Fräuleins schuld, und wenn Sie mich auch nicht danach fragen, erzähle ich's Ihnen doch und das ganz genau. (Fortsetzung folgt.)

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