Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1876)
- Date
- 1876-12-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1170 ) gekommen ist, dafür liefert folgende Erzählung des „Wiener Israelit" ein drastisches Beispiel. Eine zum Judenthum übergetretene Christin heirathete kürzlich einen jungen Mann, der von einer echt jüdischen Familie abstammt. Als der junge Mann an dem ersten Freitag Abend nach seiner Verheirathung nach Hause kam, fand er das Zimmer hell erleuchtet, den Tisch gedeckt. Schabbos-Brode und Wein zum Kiddusch bereit und seine Frau festlich gekleidet. Auf die Frage, was dies Alles bedeute, erwiederte die Frau: „es ist ja Schabbos". Der junge Mann erinnerte sich nun der schönen Jahre der Kindheit, als er noch im Hause der geliebten Eltern den heiligen Sabbat froh verbrachte und war durch diese Reminiscenzen aus einem schönen Leben bis zu Thränen gerührt. Ob er indessen in Folge der Rührung nicht mehr bbnu ist, wird uns nicht gesagt'; Wir wollen es hoffen. Türkei. Salonrchi Einem an die „Pol. Corr." gelangten Schreiben aus Salonichi, 16. November, entnehmen wir folgende Daten: Vorgestern dränge drei Mohametaner in Verfolgung eines einheimischen Israeliten in das Haus des öst rr. Unterlhans Abraham Fernandez, mißhandelten diesen, zertrümmerten verschiedene Fensterscheiben und entfernten sich hieraus. Eine Stunde später verließ Abraham Fernandez sein Haus und wurde p ötzlich auf der Straße von denselben Männern wieder überfallen und so zugerichtet, daß er außer Vielen Contusionen einen doppelten Knochenbruch am Vorderarme erlitt. Der hiesige österreichischungarische General-Consul Ritter v. Chiari schritt unverzüglich bei dem General-Gouverneur Eschref Pascha ein, verlangte die unverweilte Verhaftung der Uebelthäter, ihre strenge Bestrafung, Entschädigung für den Verletzten und eine angemessene Gcnugthuung für die Verletzung des österreichischungarischen Domicils. Eschkef Pascha kam diesem Verlangen sofort nach, ließ die Uebelthäter verhaften und in strenge Untersuchung ziehen und entsendete den Chef seines Correspondenz-Bureaus, Dimitraki Efendi, zu Ritter v. Chiari, um ihm sein Bedauern über diesen Vorfall auszudrücken und zugleich eine Entschuldigungsnote überreichen zu lassen, in welcher er anzeigt, daß er die Angelegenheit dcm Tribunal Tcmiz zur Untersuchung und Aburthcilung der Schuldigen überwiesen habe. Von demselben wurden die Uebelthäter zu zweijährigem Gefängniß verurtheilt und die Lokalregierung mußte dem Beschädigten 5000 Piaster zahlen. Palästina. Jerusalem. Vor einigd Jahren wurde die hiesige Miisionsdruckerei aiH Befehl der Regierung geschlossen, und es wurde den Bekehrungsgesellschaflen namentlich verboten, Plakate und Lillelle, welche Schmähungen gegen das Judenthum enthalten, a f den Straßen der Stadt anzuheften, wie sie das früher zum Aerger unserer Glaubensgenossen gethan hatten. Hatte man doch dst genug solche Blätter, in denen die größten Verunglimpfungen der Lehre und der Satzungen der Juden ausgesprochen waren, diesen an die eigenen Häuser geklebt. Seit ein paar Tagen sah man nun wieder Plakate der bezeichneten Art auf den Straßen. Um. das erst erwähnte Verbot zu umgehen, war als Druckort der Preßerzeug-- nisse Damaskus angegeben. Man begann auch wieder, die Schriften an die Häuser einzelner, in der Straße der Missionsanstalt wohnhafter Juden anzukleben, es kam dadurch zu Ruhestörungen und Schlägereien. Auf erhaltene Anzeige wendete sich nun der Chacham Baschi mit einer Bitte und Beschwerde an den Pascha, und dieser ließ alsbald den englischen Consul Hierselbst ersuchen, daß er den unter seinem Schutze stehenden Missionären ein Verfahren untersage, welches den Frieden unter den Einwohnern stören müsse und den Anordnungen der Negierung zuwiderlaufe. Daraufhin ist Derartiges nicht wieder vorgekommen. (Chabazeleth.) Feuilleton. Dkl Köuiglichr Resident. (Eine historische Erzählung.*) ___ I. \L Am 18. März des Jahres 1669 sammelte sich eine große Menschenmenge in der Göddenstraße in Halber st adt vor der Synagoge an. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß das Gotteshaus der Juden zerstört werden solle. Vormittags, 11 Uhr, erschien der Oberst von Burgsdorf mit fünfzig Musketieren und besetzte den Platz. Dann folgte der Notar Daniel Großheim mit einer Menge Maurer und Zimmerleute. Der Notar zog ein Nescript hervor und fing an laut zu lesen: Tie Hauvtquclle für die vorliegende Erzählung ist das vortreffliche Buch: „Geschichte der isr. Gemeinde Halberstadt, von dem sel. Rabbiner I)r. B. H. Auerbach".