Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-12-20 · Heft 51 (20.12.1876) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 51 (20.12.1876)
Date
1876-12-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447693--13213-2469071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1169 jetzt vorgeschriebenen Weise, und es ist daher die Pflicht eines Jeden, welcher Richtung er auch angehöre, der nur noch einen Funken Pietät für seine verstorbenen Eltern - besitzt, daß er Alles daran setze, die Annullirung der neuen Verordnungen herbeizuführen. Alle andere Anordnungen, insofern sie AbschaffuMen und Neuerungen enthalten, sind nicht weniger erheblich, allein der höhere oder geringere Grad von Erheblichkeit, wenn unsere heiligen Gesetze überhaupt einer Comperation fähig wären, kommt für uns gar nicht in Betracht, das Wesentliche besteht darin, „daß unser Rabbiner „durch Sanctionirung besagter Reformen seine „Mißachtung gegen unser h. Gesetz deutlich und „unverhohlen ausgesprochen, daß er sich über das-* „selbe stellt und die Verheißung gibt, das Gesetz „noch weiter zu beschneiden," sobald nur die erste Wunde vernarbt sein wird. Dcßhalb noch einmal all ihr Creselder, die ihr noch ein Herz für das überlieferte Judenthum habt, erheben wir Protest gegen jede Reformation, schließen wir uns fest unserem einen Vorstandsmitglieds an, der ein echter Jehudi ist, und der von vornherein gegen die Beschlüsse seiner Collegen Einsprache erhoben, so wird es uns unter Gottes Beistand gelingen, noch rechtzeitig der Reform in unserer Gemeinde die Spitze abzubrechen und so hierorts unseren seit Jahrtausenden geheiligten Gottesdienst vor allem Unjüdischen zu bewahren. Herr l)r. Horowitz hat zwar schon längst durch seinen Privatlebenswandel gezeigt, welcher relig. Richtung er angehört, wir wollen jedoch hierüber vorerst schweigen und abwarten, wie Herr vr. Horowitz sich unseren gerechten Ansprüchen gegenüber verhalten wird. Sollten unsere Forderungen, was wir weder hoffen noch wünschen, unberücksichtigt bleiben, so werden wir, wenn auch nicht jetzt,' so doch später dem ganzen Creselder Rabbinats-Sprengel ein Bild zu entwerfen suchen: „Ein Rabbiner, wie er ist, und wie er sein sollte". Glberfeld, 11. Dec. Herr George Marx hier ist in die Direction der Bergisch-Märkischen Bank eingetreten und hat als solcher das Recht, die Firma derselben zu zeichnen. Her George Marx ist streng gesetzestreuer Jude und gibt der Welt das erhebende Beispiel, daß man selbst als Direktor eines der größten deutschen Bankinstitute die Feier des Sabbats ermöglichen kann Da die isr. Gemeinde zu Elberfeld einen Reform-Gottesdienst in ihrer Synagoge unterhält, so hat sich Herr George Marx ein Privat-Minjan eingerichtet. Hamburg. Testaments - Veröffentlichung. In dem gestern veröffentlichten Testamente des verstorbenen Herrn Aron Moses Cohn sind folgende Legate ausgesetzt: 360 M. der isr. Armen-Anstalt, 480 M. der Talmud-Thora-Schule, 240 M der isr. Mädchenschule von 1798. 240 M. dem Paulinen-Stift. 360 M. dem israel. Waisenhaus für Knaben und 300 M. der Kasse der auf dem Kohlhöfen belegenen Synagoge. Aus Ostpreußen, 28. Nov. Dem „Bürger¬ und Bauernfreund" wird aus Marggrabowa Nachstehendes als verbürgte Thatsache mitgetheilt: In der am 7. Sept. c. abgehaltenen Magistrats- und Schuldeputations-Sitzung sollie für die hiesige Mittelschule eine Lehrerin gewählt werden; die Wahl traf eine jüdische junge Dame, weil dieselbe ein gutes Zeugniß aufzuweisen hatte; dagegen erhob aber Herr Pfarrer Kohl Protest (derselbe ist uämlich auch Mitglied der Schuldeputation und gleichzeitig Lvkal-Schul-Jnspektor) und gab in derselben Sitzung Folgendes zu Protokoll: 1) Trotz ihres Examens wird sie als Jüdin die Autorität in der Schule nicht aufrecht erhalten können. 2) Ich würde nur dann für eine Jüdin stimmen, wenn sich keine andere Lehrerin gemeldet hätte. — Da die jüdische Dame hier indeß trotzdem gewählt war, protestirte Herr Kohl gegen die Wahl direct bei der königlichen Regierung zu Gumbinnen; doch wurde die Wahl bestätigt. Habelschwerdt. Am 27. November saß Redakteur Franke wieder auf der Anklagebank und zwar wegen des Artikels in Nr. 35 „Eingesandt". Durch die aus: „Der Talmudjude von Rohling" citirten Stellen sollte ein Vergehen § 166 des Strafgesetzbuches begangen, resp. die jüdische Religions-Gesellschaft beschimpft worden sein. Rabbiner Dr. Joel aus Breslau war als Sachverständiger resp Belastungszeuge vorgeladen und sprach sich in langer Rede über den Talmud und die Rohling'sche Schrift aus. Nach der Vertheidigung des Angeklagten sprach der Staatsanwalt, hielt die Anklage aufrecht und beantragte 1 Monat Gefängniß und der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 1 Monat Gefängniß. (Geb.-Bote.) □ Dresden. Das Königreich Sachsen zählt gegenwärtig 5,360 i'sr. Seelen.' Noch vor wenigen Jabren durften nur in Dresden und Leipzig Juden wohnen. Die Gefammtbevölkerung des Königreichs beträgt nicht ganz 2,800,000 Einwohner. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Wien. Wie weit es bei der jetzigen Generation mit dem Vergessen der jüdischen Gesetze

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.