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Der Israelit · 1876-12-20 · Heft 51 (20.12.1876) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 51 (20.12.1876)
Date
1876-12-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1168 Brande Verunglückten hat bei unseren Glaubensgenossen vielfach? Widerhall gefunden, und sind von Seiten verschiedener Gemeinden und Privaten recht namhafte Unterstützungen eingegangen; so hat die Nachbargemeinde Kissingen diesem Zwecke ein Geschenk von 350 Mark sowie eine mm ->2O zugewendet. Durch den eintretenden Winter hat sich jedoch die Lage der hiesigen Einwohner bedeuten) verschlimmert, und werden edle Menschenfreunde aufs Dringendste zur Einsendung von Gaben ersucht. Crefeld. Vergangenen rutpn bw» wurde die Crefelder Gemeinde von einer unter Mitwirken des Herrn Dr. Horowitz von einem Theile der Repräsentanten redigirten und vom Vorstande sanctionirten sog. „Synagogenordnung" überrascht. Wir haben über dieses, Abschaffungen und Neuerungenenthaltende, Machwerk, das fast keinen OrLnungsparagraphen enthält, vielmehr lediglich ixyt Zweck verfolgt, unseren Gottesdienst zu reformiren, bis jetzt geschwiegen, um zuvor abzuwarten, welche Stellung die Gemeindemitglieder zu diesem Acte pastoraler Diplomatie und vorstandlicher Vergewaltigung nehmen werden. Da wir nun leider die Erfahrung gemacht, daß es unserem würdigen Rabbi während seiner achtjährigem Thätigkeit, resp. „Unthätigkeit" gelungen, die' hochgespannten religiösen Saiten unserer Gemeindemitglieder bis zur Alles tödtenden Gleichgültigkeit herabzustimmen, so sehen wir uns verpflichtet, dieses Actenstück öffentlich zu besprechen und unseren jüdischen Mitbürgern zu zeigen, wohin es bereits gekommen und wohin es noch kommen wird, wenn wir diese Uranfänge der Vergewaltigung und des Breslauerthums ruhig über uns ergehen lassen. Die in Rede stehende Verordnung, die nur urilsus volensaufoctroyirt worden, enthält22 Paragraphen, die theils nichtssagende, lächerliche Maßregelungen, theils wirkliche Abschaffungen und Neuerungen enthalten; und deren letzter Paragraph, dem Ganzen die Krone aussetzend, einem Wohllöblichen Vorstand und Rabbi Thür und Thor zu jeder Neuerung öffnet. Eben dieser § 22 ist es aber auch, der uns keinen Augenblick über die Intentionen der Herren am grünen Tisch in Zweifel läßt, und der deutlich besagt, daß dieselben nicht etwa eine Synagogenordnung, vielmehr eine ordentliche Synagogen Unordnung herbei .ukühren bestrebt sind. Jeder Unbefangene muß aus dem Ganzen sofort den Eindruck empfangen, daß es einem Vorstand wie Rabbi legiglich um die fünf Neuerungen und Abschaffungen enthaltenden Paragraphen zu thun gewesen fei. Wir haben zwar gegen den Inhalt der übrigen nichts einzuwenden, denn wenn wir auch in dem einen derselben, in welchem uns dictatorisch vorgeschrieben ist, was für Hüte wir in der Synagoge zu tragen haben, den Preis des Filzes vermissen, so ersehen wir doch zu unserer Genugthuung aus einigem anderen, daß nunmehr in dem Synagogenhof an mv nicht mehr geraucht werden darf' Aber, fragen wir, wozu alle jene nichtssagende, ja zum . großen Ztjeil lächerliche Maßregelungen? Halten sich Vorstand und Rabbi vielleicht für die Generalpächter des Anstandes und der Sitte? Sollten sie wohl glauben, daß wir in der Synagoge der polizeilichen Aufsicht bedürfen? Ersteres sind sie sicher nicht, dieses beweist ihre Synagogeoordnung, letzteres können sie unmöglich glauben, da sie lange genug Gelegenheit hatten, sich vom Gegentheil zu überzeugen. Der eigentliche Zweck der ganzen Ordnungsparagraphen ist auch in der That ein ganz anderer. Die Herren wollen ä toufc prix reformiren, befürchten aber, wenn sie ihre Absicht offen zu erkennen geben, bei dem Publikum auf Schwierigkeiten zu stoßen, man sucht deshalb die Menge zu täuschen und eingehüllt in den Mantel der Sitte und der Anstandes, gibt man ihnen statt der alten jüd. Ordnung, die Breslauer Unordnung, führt thatsä bliche Reformen ein und sucht durch allerlei Manipulationen die Menge gefügig zu machen zur Annahme von Institutionen, die unserer h. Lehre schnurstracks zuwider sind. Daß lediglich solcher beabsichtigt ist, besagt unzweideutig der letzte Paragraph, in welchem es wörtlich heißt: „Etwa noch andere nothwendig werdende Anordnungen betreffs der Synagogenordnung und Cultusangelegenheiten können gemeinsam vom Vorstande und Rabbinen beschlossen werden." Dieser Paragravh sollte doch jedem guten Juden die Augen öffnen und ihm zeigen, daß die jetzigen Neuerungen nur der Anfang zum Ende seien. Sie sind gleichsam ein Probirstein, man will nur sehen, wie viel wir uns gefallen lassen, wie viel wir annehmen; machen wir daher nicht jetzt schon Front, erheben wir nicht jetzt schon lauten Widerspruch gegen jede Reform, so können wir sicher sein, daß nach dieser ersten mit Leckerbissen verabreichten Dosis bittere Pillen bald eine zweite und dritte folgen wird und ich sehe es im Voraus, daß wenn wir nicht Alle, die wir noch ein Herz für das angestammte Judenthum haben, gemeinsame energische Schritte thun gegen das gewaltsame Vorgehen unseres Vorstandes, unser ganzer Gottesdienst in kurzer Zeit ein Reformgottesdienst sein wird, Mlt Wetbersang und Orgelklang. In Betreff der Neuerungen selbst wollen wir nur hervorheben, daß das „Kaddisch" besser gar nicht gesagt werde, als in der

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