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Der Israelit · 1876-12-13 · Heft 50 (13.12.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 50 (13.12.1876)
Date
1876-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1151 Feuilleton. Prosklytcn. Bon Friedrich R o t t. XXX. „Und was schadete?" murmelte Helene bitter, „kein Mensch würde sich grämen, wenn ich zu Grunde ginge." „„Helene,"" rief Mühlheim mit bebender Stimme, „„das hat wehe gethan. Das können Sie mir sagen, mir, dem Sie Alles in der Welt sind?"" Es lag wirklicher Schmerz in seinen Worten. Helene bereute ihre Aeußerung. „Verzeihung, Herr Commerzienrath, Verzeihung; ich wußte ja selbst nicht, was ich sagte; können Sie mir verzeihen, mein lieber guter Herr Vormund? sie neigte sich und zog seine herabhängende Hand an ihre Lippen. Es durchzuckte ihn mit wildem Verlangen, doch er wußte die erwachende Leidenschaft zu zähmen. „Sie sind mein liebes böses Töchterchen, Sie haben mir in Wirklichkeit Schmerz verursacht, aber wie könnte ich Ihnen zürnen? Doch rvvsnovs a HOB moutons! Ihre eigene Aeußerung, liebes Kind, beweist mir die Nothwendigkeit, die Unerläßlichkeit meines Verlangers. Sie müssen Ihren Namen ändern. Sie müssen heirathen. — Nein, ich bitte, hören Sie mich ruhig an", sagte er, als sie ihm abwehrend in die Rede fallen wollte. „Es ist wahr, Sie haben gerade in dieser Beziehung eine schmerzliche, eine äußerst schmerzliche Erfahrung gemacht. Aber, liebes Kind, weil ein einziger Unwürdiger in — ich möchte fast sagen, in einem Anfall von Wahnsinn, sein eigenes Glück verschmäht, darum wollten Sie Ihr junges Leben vertrauern? Nein, nein und tausendmal nein, das kann und darf und werde ich nicht zugeben. Sie sind jung, Sie sind schön, Sie sind geistvoll, sind auch nicht ohne Vermögen, die ganze Herrenwelt der Residenz liegt zu Ihren Füßen. Ich bin zwar im Augenblicke nicht im Stande, mit einem direclen Anträge hervorzutreten, aberwählen Sie, geben Sie mir nur den leisesten Wink, welchem Ihrer Verehrer Sie den Vorzug geben, und —" „„Ich kann nicht,"" flüsterte Helene, „ichkann in Wirklichkeit nicht. Ich habe einmal geliebt—"" „Nein, Helene, nein, Sie haben sich selbst getäuscht; Sie glaubten nur zu lieben, aber einen Unwürdigen konnten Sie nimmer lieben." ,,„2Vollte Gott, Sie hätten Recht."" erwiderte Helene, tiefaufathmend, „„doch sei dem, wie immer, mag ich nun geliebt haben oder es nur geglaubt haben, Thatsache ist, daß ich keinen meiner sog. Verehrer liebe, keinen jemals lieben werde.""! „Wir sprechen auch gar nicht vom Lieben, Kind," erwiederte der Commerzienrath lächelnd,! „wir sprechen vom Heirathen. Nicht allen Menschen! ist es gegeben, Liebe zu empfinden; viele Menschen sind nur dazu da, anderen dieses Gefühl einzuflößen, und ich glaube, Kind, Sie gehören zu dieser Klasse. Aber sich deshalb das Heirathen verschwören zu ^wollen, das wäre, gelinde gesagt, Nonsens. Es ist eine entschieden unwahre Thatsache, daß eine glückliche Ehe nur durch gegenseitige Liebe der Gatten bedingt ist. Gegenseitige Achtung allein ist Bürge für das wahre Glück einer Verbindung. Und ich glaubtz, Sie finden unter der Zahl Ihrer Verehrer eine ganze Reihe achtbarer Männer. Darum folgen Sie Ihrem alten Vormund, Kind, Ihrem besten treuesten Freunde. Nennen Sie mir, oder bezeichnen Sie mir nur durch den leisesten Wink denjenigen, dem Sie den Vorzug geben, und, ich gebe Ihnen mein Wort, gleich morgen führe ich den Erwählten zu Ihren Füßen. Wir machen keinen langen Brautstand, in wenigen Wochen feiern wir Ihre Vermählung und gleich darauf gehen Sie mit dem Gemahl auf Reisen. Und Eie werden sehen, wie rasch da aller Trübsinn schwindet, wie mit dem neuen Namen das Leben neu Ihnen entgegenlacht. Ueberlegen Sie, mein Kind, lassen wir einmal Ihre sämmtlichen Verehrer Revue passiren." Er nannte nach einander die Namen aller derer, die sich allerdings um die Gunst der jungen Erbin beworben. Es war eine ganz stattliche Reihe Namen geachteter Männer; Namen aus der höchsten Aristokratie waren unter ihnen und der Commerzienrath wußte die Vorzüge eines jeden gewandt hervorzuheben; doch Helene schüttelte bei jedem abwehrend das Haupt. Sie konnte allerdings dem Drängen ihres Vormundes eine gewisse Berechtigung nicht absprechen. Es war wahr, sie schämte sich ihres Namens, und mit Freuden hätte sie die Hältfe ihres Vermögens gegeben, hätte sie sich dadurch einen andern einfachen erkaufen können. Und zu reisen, die Welt zu sehen, unter dem mannigfachen Wechsel der äußern Eindrücke, die innere Ruhe wiederzufinden, es war so verlockend, so reizend, der Commerzienrath kannte ihre Wünsche, aber dennoch fühlte sie sich nicht im Stande, seinem Verlangen zu entsprechen. Wohl hatte er ihr auch mehrere Männer genannt, die sich um ihre Gunst bewarben, denen sie ihre volle Achtung nicht versagen konnte, aber einen von ihnen als Gatten zu wählen — es schien ihr unmöglich — so oft sie den Versuch machte, sich einen nur als Gatten *

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