Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1876)
- Date
- 1876-12-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1148 „„Aber sie will auch Sie nicht zum Gatten, weil Sie nicht jüdisch leben oder gelebt haben; und sie will Sie auch dann nicht, wenn sie ihretwegen ein frommer Jude geworden sind, oberflächlich und nur zum Scheine."" „Nun denn," sagte der Rabbiner, „so steht nichts mehr im Wege; ich kann es dem Baron bezeugen, daß er ein echter, aufrichtig meinender Jude geworden." „„Ich reise sofort nach Wien,"" rief Hohenacker, „«Herr Rabbiner, reisen Sie mit mir, seien Sie dort mein Fürsprecher. O, ich bitte Sie darum! Keine Berufspflicht kann größer und heiliger sein als die, mir zu helfen, das Glück meines Lebens zu erringen! Und Sie, Herr Bronner, wie kann ich Ihnen genug danken! Wie edel und selbstlos Sie sind!"" „Wieso haben Sie den Aufenthalt des Barons erfahren?" fragte der Rabbiner. „»Ich habe jenes Mährchen in der Zeitung gelesen, daß ein Prinz sich in M. unter dem Namen eines Baron Hohenacker aufhalte und sich hier für den Uebertritt zum Judenthum vorbereite; ich durchschaute die Fabel und reiste hierher, um die Getrennten zu vereinen."" „Ich muß es wiederholen," sagte Hohenacker, „Sie sind mir ein Engel, ein Himmelsbote! Ewig werde ich Ihnen dankbar sein! Es sollte mich ungemein erfreuen, wenn Sie mir irgendwie Gelegenheit geben würden, Ihnen meine Dankbarkeit beweisen zu können. Sie reisen doch mit uns nach Wien?" „„Nein, Herr Baron, ich will nicht Zeuge eines Glückes sein, das ich Ihnen und Theresa zwar von Herzen gönne, das mir aber doch immer ein schmerzliches Gefühl erregen würde. Ich kehre auf einige Zeit nach Amerika zurück."" Unterdeß hatte Theresa keine angenehme Zeit verlebt; sie machte sich die bittersten Vorwürfe, als sie vernahm, daß Bronner ohne Abschied abgereist sei. Sie hätte, meinte sie, eine andere, mehr allmähliche Weise finden müssen, ihm zu sagen, was doch zu sagen die Pflicht erheischte. Auch Herr Bernstein war sehr mißgestimmt; er hätte so gern die Hand der einzigen Tochter in die Hand des edlen Mannes gelegt, den er wie einen Sohn liebte. Vater und Tochter saßen stumm beim Mittags- Mahle , ein Jedes den eigenen, trüben Gedanken nachhangend. Da klopfte es an die Thüre und auf das einladende „Herein" Theresas trat ein ehrwürdig aussehender, älterer Mann in's Zimmer. Bernstein sprang vom Stuhle. „Jst's möglich," rief er, „der Herr Rabbiner von M.! Alter Freund, wie kommen Sie hierher?" Die Männer umarmten sich. Theresa näherte sich ehrfurchtsvoll ihrem ehemaligen Lehrer, um ihm die Hand zu küssen. „Ist das Klein-Tberesa?" fragte der Rabbiner. „Mädchen, was bist Du so groß geworden!" „„Waschen Sie die Hände, Herr Rabbiner,"" bat Bernstein, „„und essen Sie gleich mit uns!"" „Nein, ich spreche wie Elieser, der Knecht Abrahams: ich werde nicht essen, bis ich geredet habe. Auch ich werbe, wenn auch nicht für einen Jizchak, so doch für einen Albert. Klein-Theresa, Du brauchst nicht eine so abweisend-.' Miene anzunehmen. Dein Geheimniß ist verrathen. Du liebst den Baron, und er ist, nicht um Dich zu erringen, sondern aus freier, voller Ueberzeugung ein gesetzestreuer Jude geworden/- Der Rabbiner öffnete die Thüre. „Herr Baron," rief er hinaus, „kommen Sie herein, Ihre Braut erwartet Sie!" Ob Baron Hohenacker hereinkam und ob Theresa sich noch länger weigerte? Und nun, lieber Leser und liebe Leserin, ich muß es Euch überlassen, Euch das Glück der beiden Liebenden aus umalen. Die Hochzeit ist vor wenigen Monaten gefeiert worden, kurz zuvor, ehe der Festspiel-Cyclus in Bayreuth eröffnet wurde. „Soll ich für Dich und mich," fragte Baron Hohenacker seine junge Frau beim Hochzeitsmahle, „Patronats-Scheine erwerben und wollen wir dann nach Bayreuth reisen?" „„Nein,"" antwortete Theresa, „„thue das nicht!"" „Du kannst Wagner sein Judenthum in der Musik nicht vergessen?" „„Nein, nicht deßhalb; aber ich möchte den Festspielen nicht anwohnen, weil ich mich dabei zu langweilen fürchte!"" Ein Bote trat herein und brachte ein Telegramm. Es kam von Philadelphia aus dem Ausstellungs-Gebäude. Abraham Bronner telegraphirte von dort dem jungen Ehepaare und Papa Bernstein seine herzlichem Glückwünsche. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).