Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1876)
- Date
- 1876-12-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1147 Griechenland. Chalvis. Vierundzwanzig Israeliten dieser Stadt haben an „Jew. Chr." ein Schreiben gerichtet, worin auch sie bestätigen, daß sie in jeder Beziehung vollständige politische und religiöse Freiheit unter der griechischen Regierung besitzen. Feuilleton. Thrrrsa. XIV. In das Studirzimmer des Rabbiners von M. trat Baron Hohenacker betrübten Angesichts. „HerrRabbiner," sagteer, „ich habe geglaubt, „ich sei stark; ich bin es nicht. All' meine Festigkeit ist dahin, und ich fühle mich sehr elend." „„Was ist vorgegangen?'" fragte der Rabbiner. „Ein Freund meldet mir aus Wien, daß ein Verwandter Bernsteines, ein junger Mann Namens Bronner mit großem Vermögen aus Amerika zurückgekehrt sei, daß er sich der Familie Bernstein angenommen und daß diese ohne Bedenken seine Wohlthaten acceptirt habe. Man sagt in Wien allgemein, der junge Amerikaner werde Theresa Bernstein heirathen." „„Und diese Nachricht betrübt Sie so sehr?"" „Sehr; schon hatte ich geglaubt, jenes verzehrenden Gefühls Meister geworden zu sein. Jetzt blutet die alte Wunde von Neuem." »»Fassen Sie Much, mein Sohn! Gott wird Ihnen helfen, auch dieses Leid zu überwinden. Ich kenne den jungen Bronner; als Waise hat ihn Herr Bernstein in's Haus genommen; später ist der junge Mann nach Amerika gegangen. Nun vergilt er die Wohlthaten. die er einst selbst empfangen. An Bernstein hat sich im Wortsinne der Ausspruch der heiligen Schrift bewährt: Wirf Dein Brod über das Wasser; nach vielen Tagen wirst Du es wieder finden; das heißt: thue Gates ohne Aussicht auf Entgelt; es kömmt endlich die Heit der Vergeltung. — Abraham Bronner ist ein prächtiger junger Mann; auch jenseits des Oceans ist er, wie ich vernommen habe, ein braver Jude gebliebek; ich glaube, Theresa wird mit ihm glücklich werden."" ohenacker seufzte. as Dienstmädchen trat ein und brachte eine Karte. „Mr. Abraham Bronner," las der Rabbiner. „Wenn man den Wolf nennt, So kommt er gereant. Er soll eintreten!" „„Herr Rabbiner,"" rief Hohenacker, „„ich kann dem Manne jetzt nicht gegenübertreten."" „So begeben Sie sich in das Nebenzimmer!" Kaum war Hohenacker dieser Weisung nachgekommen, als Bronner eintrat. „Willkommen, Mister Bronner," rief ihm der Rabbiner entgegen, „ich habe schon von Ihrer Rückkehr gehört. Sie kommen von Wien? Was macht mein alter Freund Bernstein?" „„Herr Bernstein ist von schwerer Krankheit genesen. Er würde mir gewiß aufgetragen haben, Ihnen seine ehrfurchtsvollen Empfehlungen zu bringen, wenn er gewußt hätte, daß ich hierherreise."" „Ist es wahr, Herr Bronner, darf man gratuliren? Wird Theresa Bernstein Ihre Frau?" Bronner seufzte. „„Wollte Gott,"" sagte er, „„es wäre wahr; aber sie will mich nicht!"" „Was, sie will Sie nicht?" „„Oder vielmehr, ich will sie nicht."" „Sie sprechen in Räthseln." „„Ich habe um ihre Hand angehalten; sie hat auch eingewilligt, aber zugleich gestanden, daß sie einen Andern liebe, einen Baron Hohenacker, der sich gegenwärtig hier aufhalten soll."" „Auch das ist räthselhaft; sie hat ja drn.Baron Hohenacker abgewiesen, als ec um sie warb." »»Ja, Herr Rabbiner,' diese Theresa ist kein gewöhnliches Mädchen; sie sagte zu mir: Ich liebe den Baron mehr als mein Leben, aber In diesem Augenblicke wurde die Thüre des Nebenzimmers aufgerissen, Baron Hohenacker stürzte herein, auf Abraham zu, schlang seine beiden Arme um seinen Hals und rief: „Freund, Bruder, Engel, Himmelsbote!" Dann fing er laut an zu weinen. Abraham machte sich unsanft aus seiner Umarmung los, trat einige Schritte zurück, zog einen Taschenrevolver hervor und hielt ihn dem ihm sich wieder nähernden Baron entgegen: „Noch einen Schritt," rief er, „und Du bist des Todes!" Dann sah er den Rabbiner an und fragte: „Ein Verrückter?" Der Rabbiner lächelte. „„Nehmen Sie Ihre Mordwaffe weg, Herr Amerikaner," sagte er, „es ist der Baron Hohenacker, der Ihre Erzählung im Nebenzimmer mitangehört und den sie dadurch zum glücklichsten Menschen gemacht haben."" „O," sagte Hohenacker, „verzeihen Sie meinen Ungestüm. Aber wiederholen Sie die himmlischen Worte: Theresa liebt mich?"