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Der Israelit · 1876-12-13 · Heft 50 (13.12.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 50 (13.12.1876)
Date
1876-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1142 heute nicht an die Aegypter, Assyrer, Babylonier erinnern, sondern nur an die mächtigen Syrer, die zur Zeit der Hasmonäer uns die Religion der Väter rauben wollten. Aber die Besten und Edelsten entschlüpften ihnen, flohen in die Berge, verbargen sich in Höhlen, bis es ihnen möglich wurde, wieder frei hervorzutreten und für die höchsten Heiligthümer frei und offen zu kämpfen. Und nun gar erst während der langandauernden Diaspora! Schwach und ohnmächtig waren unsere Voreltern, Jahrhundertelang der schrecklichsten Barbarei, den wüthendsten Verfolgungen ausgesetzt. Welche unsagbare Elafticität gehörte dazu, um immer und immer wieder zu entschlüpfen, um das Leben zu retten, um die Religion der Vater zu erhalten! Selbst in unserer Zeit, in der die köstlichste Errungenschaft der Menschheit, die Gewissensfreiheit, uns unverkümmert ist, bedürfen wir mehr als jemals dieser Elafticität. Alle edlen und werthvollen Güter pflegen von den Menschen mißbraucht zu werden, am meisten aber das köstliche Gut der Freiheit. Die meisten Menschen vermeinen, Ungebundenheit , Willkür, Gesetzlosigkeit sei Freiheit, während doch die wahre Freiheit nur innerhalb des Gesetzes gesucht und gefunden werden kann. Die mißverstandene Freiheit ist der größte Feind alles Guten; sie richtet die Staaten zu Grunde und vernichtet Religion und Sittlichkeit; auch das Judenthum leidet unter den herrschenden Ideen, welche vielfach die größte Unfreiheit in sich schließen. „Ueber den Garten erbrauste der Sturm, „Da stürzte der Eichbaum; »Aber der blühende Busch „Streute Jasminen umher Niemals hat Israel dem Eichbaum geglichen, der manchem Windeswehen trotzt, bts ihn der Sturm knickt. Niemals war Israel ein großes, eroberndes, weltbeherrschendes Volk. Gleich dem JaSmin- Busche war und ist Israel klein, unscheinbar; aber der Dust der Blüthen, die es in Religion und Sittlichkeit hervorgebracht, erfüllet die Welt. Stürme können Israel nicht entwurzeln; es beugt sich den Stürmen und erhebt sich wieder, wann der Sturm vorübergezogen. Die Elasticität unseres Volkes wird auch die Stürme der Gegenwart überdauern. Als wir vor 17 Jahren die Herausgabe dieser Zeitschrift begonnen haben, lagen die Verhältnisse schlimmer als heute. Das orthodoxe Judenthum war noch nicht zum Selbstbewußtsein gelangt; eö war nur daran gewöhnt, von den Wortführern der Reform verhöhnt und verspottet zu werden. Da zog es sich zurück auf engere Kreise; heute kann es sprechen: '3'iN nnot? Nli ^nli o 4i iddiin Unsere Feinde haben nicht triumphirt. Wohin sind sie gerathen, diese, eine neue Aera verheißenden Abfallsbestrebungen, die sich „Reform" nannten? Sie sind todt, sie sind ein überwundener Standpunkt;, sie haben den Jndifferentismus, die Religionslosigkeit zur Welt gebracht und sind dann gestorben. Aber das orthodoxe Judenthum steht kräftig und uttgeschwächt da. Und wenn noch so viel verdorrte Blätter abfallen und vom Sturme verweht werden, der Stamm des Judenthums bleibt kräftig und bringt wieder und wieder Blätter, Blüthen und Früchte hervor. Das echte, wahre, unverfälschte und unverkürzte Judenthum uns und unfern Kindern erhalten helfen,- haben sich diese Blätter seit ihrem Entstehen zur Aufgabe gemacht. In welcher Weise wir unserer hohen Aufgabe nachgekommen, das wissen unsere geehrten Leser. Der Aügütige in Seiner Gnade — Ihm sei ewig Dank'und Preis — hat uns schon manchen schönen Erfolg erleben lassen; möge unser Mühen stets und immer ein gedeihliches sein! Auch daß die Zahl der Leser unserer Zeitschrift von Quartal zu Quartal im steten Wachsen begriffen, ist uns ein Beweis, daß unsere Bemühungen Anerkennung finden. Wir werden nicht aufhören, mit der größten Mühe und Sorgfalt für die hohen Grundsätze unseres Glaubens und alle Consequenzen derselben einzustehen; wir sind zur Verteidigung der Unserigen und zum Kampfe gegen die inneren wie die äußeren Feinde stets bereit. Zugleich aber auch ist es unser eifriges Bestreben, den Inhalt unserer Zeitschrift stets gediegener und werthvoller zu gestalten, die Wahrheit in schönem, gefälligen Gewände zu verkünden und so das Gute und Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. So mögen denn auch im neuen Jahrgange die alten Freunde uns sämmtlich erhalten bleiben, und ein großer Kreis eifriger Leser und Förderer sich auf's Neue zugesellen, damit die Söhne und Töchter unseres Volkes immer mehr erstarken in der Begeisterung für Gott und Seine Lehre, in der Treue für Sein heiliges Gesetz: 111« vllp!? HlN 'l D1T Nil 113D "pDP JJ/ol „Damit Dich, o Gott, preise die Seele und nicht schweige; Herr, mein Gott, ewig will ich Dir danken!"

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