Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1876)
- Date
- 1876-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1123 Türkei. Aus Bulgarien wird dem „Magid" von einem jüdischen Reisenden gemeldet, daß die Gesinnungen der Bulgaren gegen die unter ihnen wohnenden Juden nichts weniger als freundlich seien. Seiner Ueberzeugung nach würden die Bulgaren, wenn ihre Jnsurrection gelungen wäre, die Juden als ihre ersten Opfer sich auserwählt haben. Palästina. Jerusalem. Dem „Libanon" wird von hier berichtet, daß die Muhamedaner sehr erbittert gegen die Christen und Juden sind. Jeder Muhamedaner, der irgendwie zum Militärdienst tauglich ist, wird zum Soldaten gemacht, eine Maßregel, die die muhamedanische Bevölkerung immer mehr zum Fanatismus hinreißt. Die Rabbinen haben die Israeliten aufgefortert, die größte Ruhe und Vorsichr zu beobachten. Feuilleton. Thtresa. XIII. Abraham stürmte zum Garten hinaus; der schönste Traum seines Lebens war vernichtet. Wohl hatte er sich schon in Amerika mit dem Gedanken getragen, daß Theresa vielleicht für ihn verloren, daß er sie als verlobte Braut oder gar als verheirathete Frau wiederfinden würde -- jetzt aber war er wie aus allen Himmeln gestürzt. Nachdem Abraham wohl eine halbe Stunde lang wie rasend gelaufen war — er wußte selbst nicht wohin — blieb er stehen und preßte beide Hände gegen die glühende Stirn. „Soll ich umkehren?" sprach er zu sich selbst, „und soll ich sie dennoch zum Weibe begehren? Sie ist so gut, so lieb, sie denkt so edel, so groß! Und was ist's am Ende, w?nn Sie jetzt auch einen Andern lieber hat als mich; das wird sich verlieren, und eine Frau wie Theresa kennt ihre Pflicht. Pflicht! Puh, welch' ein kaltes Wort. Liebe!! O, wer Deine Liebe gewinnen könnte, Klein- Theresa! Und der Mann, der diesen Schatz besitzt, auch er ist nicht glücklich — war er doch, wie man mir sagte, dem Tode nahe, weil Theresa ihn abgewiesen hatte. Und sie, ist sie glücklich? Und wenn ich sie an mich kette, wird sie jemals glücklich werden? Ach, es scheint, daß der Mensch nicht bestimmt ist, auf Erden glücklich zu werden. Dort unten wälzt der Donau-Kanal seine blauen Wellen. Wie schön kühl muß es dort sein! Ha, sterben, ausruhen endlich nach des Lebens Unruhe und Qual! Pfui, Abraham, nicht doch, Du bist nicht von Denen, die gleich verzweifeln, wenn etwas nicht gelingt. Gott, mein Gott, wie kam nur solch' ein schrecklicher Gedanke mir in den Sinn! Nein, aushalten, Abraham, stark sein! Theresa, Theresa, was Haft Du mir gethan! O, wie glücklich könnte ich jetzt sein ohne Dein fatales Bekenntniß! Und doch thatest Du Recht, mir nichts zu verhehlen." Abraham begann auf's Neue, mit starken Schritten weiter zu schreiten; da hörte er hinter sich rufen: „Herr von Bronner, ich bitte, Herr von Bronner!" Abraham blieb stehen. Ein kleiner, fast kugelrunder Mann kam des Weges gerannt, so schnell es ihm seine kleinen, .etwas gebogenen Beine und das abgerundete Bäuchlein erlaubten. „Herr von Bronner! Suche ich Sie schon seit zwei Stunden; erst in Ihrem Gasthof; dann beim Herrn von Bernstein; sehe ich Sie noch aus dem Garten rennen; laufe ich Ihnen nach; denk'schon, ich hole Sie nimmer ein; da bleiben Sie stehen; halten einen Monolog, wie Hamlet im Burgtheater! Renne ich, wie es meine kleinen Beine nur können. Wissen Sie, bin ich einmal mit einem Gespann gefahren, da waren zwei Ponny's vorgespannt, zwei niedliche Ponny'cher, die sind gelaufen, wie . . . wie . . ., nun, schnell, sehr schnell. Habe ich gesagt zu dem Kutscher: „E rre Ponny'cher laufen gut!" Hat er gesagt: „Ja, der Wille ist schon gut, aber die Beine sind zu kurz." So geht mir's auch, wenn ich laufe: Der Wille ist schon gut, aber die Beine sind zu kurz. Ha, ha, ha! Wie gefällt Ihnen der Witz, Herr von Bronner?" Der Kleine wischte sich die Schweißperlen von der Stirn. Abraham mußte unwillkürlich lächeln. „Sie lachen, Herr von Bronner? Also mein Witz hat Ihnen gefallen. Das ist gut; jetzt bin ich schon bei Ihnen eingeführt; ein guter Witz ist so gut wie eine Empfehlungskarte. Nun will ich Ihnen auch sagen, wer ich bin. Ich heiße Weiß; Eisek Hersch Weiß; ich bin aber nicht der, was Bücher herausgibt. Das ist bloß ein Namensvetter von mir; heißt geradeso wie ich: Eisek Hersch Weiß; ist aber nichts verwandt mit mir. Nun, Herr von Bronner, rathen Sie einmal, was ich von Ihnen will?" Trotzdem Abraham sich noch soeben in verdüsterter Stimmung befand, mußte er doch lachen. „Wie kann ich wissen, was Sie von mir wollen?" fragte er.