Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1876)
- Date
- 1876-12-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1118 einem Verbände, der sich israelitische Gemeinde nennt und nicht einmal eine Mikwah besitzt!! Es ist kaum zu begreifen, wie unter diesen Umständen Mitglieder der isr. Religionsgesellschaft noch zögern können, ihren Austritt zu erklären, zumal da Rabbiner und Vorstand diesen Austritt verlangen. Brauchen wir erst zu sagen, wer dieser Rabbiner ist, dem hierbei eine solche durchaus ungerechtfertigte Opposition gemacht wird? Waren wir doch selbst zugegen, da vor wenigen Wochen demselben Manne die wohlverdienten Ovationen gebracht, da ihm von allen Seiten, von allen Vereinen, im Namen aller Mitglieder die Versicherungen des höchsten Vertrauens und des innigsten Dankes entgegengebracht worden. Ihr Männer von Frankfurt, hat Euch Euer Rabbiner jemals „einen Raben erlaubt oder eine Taube verboten"? Oder zweifelt Ihr daran, daß er das Rechte und Gute Euch empfehlen wird? Wir meinen, daß es eine Beleidigung für Euch wäre, eine solche Ansicht bei Euch vorauszusetzen Nichtsdestoweniger wollen wir Euch etwas Selbsterlebtes mittheilen. Es war im Jahre 51. Der Herausgeber dieser Blätter studirte damals in Prag. Da verbreitete sich das Gerücht, der Landrabbinervon Mähren gebe die Stelle als Kaiserlich Königlicher Landrabbiner auf, um Rabbiner einer kleinen Gesellschaft in Frankfurt a. M. zu werden. Man traute seinen Ohren nicht. Der Nikolsburger Landraw, der Nachfolger von Rabbi Mordechäi Benet urH Rabbi Nachum Trcbitsch, der Leiter einer großen Jeschibah, der Oberrabbiner über circa 40 Rabbinate, der nicht lange zuvor in den österreichischen Reichstag als Abgeordneter war gewählt worden! Aber es war dennoch so. Sämmtlicke Vorsteher und Rabbinen der isr. Gemeinden Mährens erschienen in Nicolsburg, um Herrn Rabbiner Hirsch zu bitten, seine große, bedeutende und gewichtige Stellung nicht aufzugeben; man wolle alle seine Wünsche und Forderungen im Voraus genehmigen. Herr Rabb. Hirsch erwiderte, daß er sich verpflichtet halte, nach Frankfurt zu gehen, weil ihm dort ein Wirkungskreis geboten werde, wie kein zweiter auf der Welt. Darob brach in ganz Oesterreich ein Sturm des Unwillens gegen den Mann los; man betrachtete seinen Fortgang als eine Beleidigung, als ein Attentat. Man schob ihm die lächerlichsten Motive unter, man konnte es absolut nicht begrei.i fen, wie ein k. k. mährischer Landrabbiner, ein Nicolsburger Naw, Rabbiner einer kleinen Separat-Gemeinde werden wollte. Und wie glänzend hat Herr Rabbiner Hirsch seinen Entschluß gerechtfertigt, wie hat er bewiesen, daß er der rechte Mann am rechten Platze war! Was hat er aus Frankfurt, wo das Judenthum auf den Aussterbe - Etat gesetzt war, gemacht, unte göttlichem Beistände geschaffen! Ja, mit seiner von Gott sichtlich gesegneten Wirksamkeit in Frankfurt a. M. hat in Deutschland eine neue, bessere Aera für das traditionelle Judenthum begonnen. Jetzt ist die Zeit da, daß an dies herrliche Gebäude der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. der Schlußstein gelegt werden soll, die Religionsgesellschaft soll selbstständig, soll unababhängig werden. Euer bewährter Rabbiner, der Schöpfer Eurer vorzüglichen Institutionen, verlangt, daß dieser Schlußstein gelegt werde; der von Euch selbst gewählte Vorstand befindet sich inUebereinstimmung mit Eurem Rabbinen — ja, noch mehr. Euer Rabbiner erklärt Euch klar und deutlich, daß es unter den obwaltenden Umständen "iidn, verboten sei, in der Gemeinde zu verbleiben, und Ihr zögert? Wahrlich, wir begreifen Euch nicht! Sinv das noch dieselben Frankfurter, die mit solcher Aufopferung und Hingebung das traditionelle Judenthum in Frankfurt haben retten helfen? Und nun kömmt noch ein anderes Moment hinzu. Was Ihr den Freunden nicht glauben wollt — glaubt es wenigstens den verkappten Gegnern! Von einem solchen'ist eine Broschüre: „Ausgleich, nicht Austritt," gegen Herrn Rabbiner Hirsch erschienen. Diese Broschüre voller rnro n-D-npsNi müßte Euch doch überzeugen! „In der Hauptfynagoge seien lediglich die Gebete umEinsührunz des Opferdienstes entfernt worden!" Herr Philaletes, so nennt sich der Verfasser der Broschüre, wir danken Ihnen für dieses „lediglich"; wem dieses „lediglich" die Augen nicht öffnet, der leidet am schwarzen Staar, oder noch schlimmer, der will nicht sehen. Wer verkennt wohl ferner die pfäffische Weise, in der Stellen aus dem „Jesch Rochalin" citirt werden! Will man doch die Frankfurter Gemeinde mit ihrem — Rabbiner, ihrer Orgel-Synagoge, ihrem reformirten Gottesdienst, ihrer unjüdischen Realschule, ihrer Mikwahlosigkeit (man verzeihe uns das Wort) mit Gemeinden identificiren, die — vor Jahrhunderten — ganz und voll auf dem Boden des traditionellen Judenthums standen! Wahrlich, nicht Rabbiner Hirsch, nicht der Vorstand der israel. Religionsgesellschaft sind es, die Zwist anstiften zwischen Brüdern, sondern die Opponenten, sie sind die npv^nan ’Pjo. Und selbst, wenn sie meinen, daß sie ein D'dsp db6 npiPno führen, selbst wenn ihre Absicht rein ist und ihre Ansichten ihren Principien entspringen, so dürfen sie nicht npiPnon »pnno sein. Und nun, Ihr jüdischen Männer von Frank-