Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1876)
- Date
- 1876-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1095 Menschenliebe; seine Religiosität stellte ihn ganz und voll auf den Boden des traditionellen Judenthums, sein klarer, Heller, durchdringender Verstand schützte ihn vox Mystik und Schwärmerei, seine unendliche Menschenliebe bewahrte ihn vor Intoleranz und Verfolgungssucht. Zu diesen Beschaffenheiten, die seinen Character ausmachten, kamen noch sein großes, ungemein bedeutendes, talmudisches Wissen, seine gediegene Bildung, seine unablässige Thätigkeit, und die Folge von allem dem eine Berühmtheit, die in einen großen Theil der bewohnten Erde gedrungen. Der Redner erinnerte hier an die großen Wohlthaten, welche der Dahingeschiedene in weiter Ferne, namentlich im heiligen Lande, geübt. „Aber", fragte Herr vr. Dünner, „war bas nicht des Heimgegangenen schwache Seite, die ihm vielfach zum Vorwurf gemacht wurde? hat man es nicht oft genug wiederholt, daß es unrecht sei, soviel nach außen hin zu leisten, da doch die eigene Heimath das Aufgebot aller Kräfte erfordere? Man vergißt dabei zwei wesentliche Momente; erstens, daß das Band der Gelehrsamkeit den Dahingeschiedenen mit jenen Fremden eng verknüpfte und zweitens, daß Rabbi Akiba Lehren für Amsterdam und Holland auch in Bezug auf Wohlthätigkeit unendlich viel geleistet. Der Redner hob nur zwei Punkte hervor, das Knaben-Waisenhaus und einen Vorgang. Es war vor zwei Jahren, als ein theures Familien-Glied des Herrn Lehren, seine Nichte, FrauWallachn"z?, im Sterben lag; er selbst war lebensgefährlich erkrankt; da ließ er Herrn vr. Dünner zu sich rufen, der natürlich glaubte, es seien persönliche oder Familien-Angelegenheiten, die das veranlaßten. Allein, Herr Lehren sprach Folgendes: „Ein holländischer Gelehrter, der in mißliche Umstände gerathen, nehme sein Denken in Anspruch; es würde allerdings für denselben gesammelt, aber in nicht ganz ehrenvoller Weise; deshalb bitte er den Rabbiner», die Sache in die Hand zu nehmen, damit der arme holländische Gelehrte nicht beschämt würde. So dachte, so wirkte der große Mann für seineLandesgenossen in Momenten, in welchem anderer Leute Denken durch das eigene Leid gänzlich wäre absorbirt worden. All das Erwähnte machte es möglich, daß dieser eine Mann die Gegensätze in friedlicher Weise zusammenhielt und das Judenthum vor jedem Angriff zu schützen vermochte. Das ist sein unendliches Verdienst, das fortwirkt für die Ewigkeit. Wer so gelebt und gewirkt hat, der kann jsich zur Ruhe legen. Mit dem Wunsche, auch dereinst so zu sterben, schließt der Redner, während Thränen seinen Augen entstürzen. Mit ihm weint die zahlreiche Versammlung. Hierauf nahm Rabbi David Schließ das Wort und verkündete den Wunsch des Heimgegangenen, der Trauerversammlung zu berichten, daß Rabbi Akiba Lehren als Mitglied der Verwaltung des Knaben-Waisenhauses stets mit den übrigen Vorstehern und namentlich mit dem Präsidenten des Vorstandes in voller Uebereinstimmung gewesen. Um das Gesagte zu erklären, bemerken wir, daß die Reorganisation der genannten Stiftung ein Lieblingswerk des Dahingeschiedenen war. Er hatte das Capital zum Bau des Hauses gesammelt — K 0,000 Gulden er war den Waisen ein wahrer Vater. Bor circa 8 Jahren erhielt die Verwaltung eine anonyme Zusendung von 26,000 Gulden, der Geber schrieb dazu, daß er nach seinem Ableben ein Kadisch von Waisenknaben wünsche und daß man dann seinen Namen erfahren würde; man hat ihn jetzt erfahren; der edle Spender hieß: Rabbi Akiba Lehren. Wir fühlen uns gedrungen, dem Vorstehenden noch einige Worte hinzuzufügen. Eine Hauptseite seiner Thätigkeit war die Sorge für die Armen des heiligen Landes. Die ganze Angelegenheit hat vor einem halben Jahrhundert Rabbi Hirsch Lehren ins Leben gerufen, der der erste Präsident des Central-Comitv's (Pekidim und Amarkalim) wurde. Nach dessen Ableben übernahm Rabbi Mei'r Lehren dies wichtige Amt, in welchem ihn nach dem Hinscheiden des Genannten Rabbi Akiba Lehren ersetzte. Schon vor Jahren kaufte Rabbi Akiba Lehren einen Complex Haser (~>sn) in der heiligen Stadt, wo seitdem arme Talmide Chachamim unentgeltlich Wohnung fanden, um 30,000 Gulden; heute würde die Ankaufssumme das Fünffache betragen. All die großen Eigenschaften des theuren Todten zu schildern, ist nicht möglich. Nur Einiges wollen wir noch hervorheben: die große Keduschah — Heiligkeit —, die sein ganzes Wesen durchdrang. Wer ihn beten sah und hörte, der wurde zur Andacht entflammt; ferner die Art und Weise, wie er im Talmud forschte pw p’jn, mit Aufgebot aller Kraft. Tausende von Kindern hat er in den Abrahamsbund eingeführt; arme Waisen hat er in seinem Hause erzogen; selbst ohne Kinder, waren die Söhne, Töchter und Enkel seines Bruders und seiner Schwestern ihm zärtlich geliebte Kinder; mit der größten Aufopferung hat er stets Vormundschaften verwaltet; für Arme und Reiche war er ein Rathgeber und Helfer. Er war ein Ruhm und ein Stolz unseres Zeitalters, und wie die Weisen von Jakob sagten; vv djd D3D0 «L' ,mn «in mm «in min «in pnsnv ni'i n:s mm njs mm, so hat die Israel. Gemeinde zu Amsterdam durch seinen Hingang unendlich viel