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Der Israelit · 1876-11-22 · Heft 47 (22.11.1876) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 47 (22.11.1876)
Date
1876-11-22
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1088 Lage, der Regierung die Daten zur Verfügung zu stellen, welche folgendes Resultat ergaben: von den in Böhmen behördlich bestätigten 37 Rabbinern haben nur fünf ein Gehalt, welches einen höhern Betrag als 800 fl. ausmacht, 23 ein Gehalt zwischen 800 fl. und 400 fl. und endlich 9 ein Gehalt unter 400 fl. Die drei in Böhmen bestätigten Religionsweiser beziehen ein Gehalt zwischen 200 fl. und 300 fl., während von den 15 Religionslehrern 7 ein Gehalt von 500 fl., 8 ein solches unter 500 Gulden beziehen. Da die Repräsentanz um die Subventionirungen der jüdischen Seelsorger mit demselben Maßstabe gemessen sehen will, nach welchem die der evangelischen Geistlichkeit bestimmt sind, so wandte sie sich an die evangelische Superintendentur, welche ihr die bezüglichen Aufschlüsse I in bereitwilligster Weise ertheilte. Hiernach werden zwei Kategorien evangelischer Geistlichen unterschieden. Bei der höheren Kategorie war ein Gehalt von 800 fl. als diejenige Grenze bestimmt worden, über welche hinaus kein Anspruch auf staatliche Unterstützung mehr erhoben werden kann, bei der niedern Kategorie wurden 500 fl. als solche Grenze fixirt. Die Repräsentanz hält nun die Rabbiner der ersten Kategorie evangelischer Geistlicher, die Religionslehrer und Weiser der zweiten gleich. Eine auf Veranlassung der Repräsentanz im vorigen Jahre zusammengetretene Rabbinerversammlung hatte sich gegen die Zulassung der Religionslehrer und Weiser ausgesprochen. Daß dies nicht aus Standeshochmuth geschah, dafür bürgt der vortreffliche Charakter der Theilnehmer. Vielmehr erforderte die Parität mit den Seelsorgern anderer Confessionen, daß die Grenze so eng als möglich gezogen werde. Die Repräsentanz pflichtete jedoch dieser Anschauung nicht bei, und vertrat der Regierung gegenüber die Subvention^ Würdigkeit der böhmischen Rabbiner, Religionslehrer und Weiser. Obgleich die Repräsentanz, nachdem sie aus dem Budget für 1876 ersehen hatte, daß auf das Gesuch der böhmischen Rabbiner keine Rücksicht genommen worden war, eine Vorstellung dem hohen Cultusministerium unterbreitet hatte, stndet man auch im Budget für 1877 nicht die geringste Subvention für die petirenden Rabbiner eingestellt, während die Subvention für den. katholischen Clerus bedeutend erhöht wurde. Dieser Umstand gab dem Abgeordneten Fürth aus Strakonitz Veranlassung, in der jüngsten Sitzung des Abgeordnetenhauses noch einmal auf das Wärmste für die böhmischen Rabbiner eiuzutreten und die Angelegenheit zu urgiren. So wären nun alle Schritte eingeleitet, um die Subventionirung der in den höchst bedürftigen böhmischen Kleingemeinden angestellten Rabbiner zu ermöglichen, ob diese aber der Unterstützung werden theilhaft werden, das ist eine Frage, die wir im günstigen Sinne zu beantworten einstweilen noch anstehen. (Neuz.) Italien. Rom. Der Minister des Innern hat, sehr befriedigt von dem günstigen Ausfall, welchen die vor einigen Tagen stattgehabte Prüfung in der jüdischen Unterrichts-Anstalt ergeben hat, sechs Sparkassenbücher im Betrage von 300 Lire dem Vorsitzenden zugehen lassen, welche für die künftige Prämiirung der Fleißigsten bestimmt sein sollen.' (I. Pr.) Frankreich. ^aris. (Monatsbericht sOctoberj der „All. Jsr. Univ.") (Die Israeliten in der Türkei.) H. S. Fernandez meldet, daß ein Israelit, Namens Salomon Hakim, als Secretär in den Staatsrath berufen worden ist. — (Die Israeliten von Marocco.) H. Joseph Halevy, den das C.-Comitä beauftragt hatte, die in den Küstenstädten Maroccos befindlichen Schulen zu inspiciren, ist in's Innere des Landes bis zur Stadt Marocco vorgedrungen und giebt von der Lage der Israeliten dieser Stadt eine traurige Schilderung. Es ist unmöglich, die Erzählung von den Leiden dieser Bevölkerung zu hören, ohne zu Thränen gerührt zu werden; man kann sagen, daß unsere armen Glaubensgenossen nirgends und zu keiner Zeit so schrecklich mißhandelt worden find. Nur ein Augenzeuge kann sich eine Vorstellung machen, welche Grausamkeit die Maßregeln enthalten, die ihnen verbieten, sich außerhalb ihres Mellah (Ghetto) mit dem Fez oder Turban das Haupt zu bedecken und Schuhe an den Füßen zu tragen. Es ist ein erschütternder Anblick, zu sehen, wie sie manchmal massenhaft aus dem Mellah kommen, um ihre Frohndienste zu verrichten, und hierbei mit den Schuhen in der Hand, um sich die Füße nicht zu verwunden, über die Pflastersteine der Straßen springen, während der Kopf, mit einem bloßen Tuche umbunden, der vollen Sonnengluth ausgesetzt ist. Mitten in der Stadt, in einer Art von öffentlichen Schoppen, müssen die armen jüdischen Frauen fast täglich für einen lächerlichen Lohn an den Equipirungsgegenständen der Armee arbeiten und empfinden tief die Schmach, ohne Schleier den Augen der Araber ausgesetzt zu sein in einem Lande, wo es für eine Frau eine Schande ist, nicht verschleiert auszugehen. Das kleinste

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