Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1876)
- Date
- 1876-11-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1087 w feit entgegen und der Verkauf kam zu Stande. Das Consistorium war aber nicht so tolerant, protestirte daher ganz entschieden gegen eine solche Entweihung einer Kirche und wandte sich um Abhilfe gegen diesen Frevel an das Cultusministerium. Vor einigen Tagen kam von demselben der Bescheid, „daß es an bestimmten gesetzlichen Vorschriften fehlt, nach welchen die ...icchenaufsichtsbehörde den Verkauf der dem dortigen Magistrat früher zum Eigenthum überlassenen, ehemaligen Garnisonskirche an die jüdische Gemeinde dortfelbil zu genehmigen oder zu untersagen hätte? und es ist dem Magistrate anheimgestellt worden, die Entscheidung der königl. Landdrostei zu Hannover, als der Communalaufstchisbchörde, nachzusuchen. Die jüdische Gemeinde ist über diesen Bescheid hocherfreut, da sie gar nicht zweifelt, daß nun der Verkauf vor sich gehen wird, nachdem seitens der städtischen CoÜegien derselbe genehmigt ist. Wir glauben aber nicht Ursache zu haben darüber erfreut zu sein, da nach unserer Auffassung nicht i ie Toleranz eine solche Entscheidung hervorgerufen hat, sondern der Jndifferentismus gegen alles Religiöse oder vielleicht gar der Atheismus, der in jetziger Zeit um sich gegriffen hat. Dann bleibt noch dre Frage offen, ob man in einer solchen Synagoge beten darf. Ebenso vermögen wir nicht über eine Entscheidung des Landrabbiners, die ebenfalls die jüdische Gemeinde in Hameln betrifft, unser Urtheil abgeben, ob sie gerechtfertigt sei. Es wurde nämlich von mehreren Mitgliedern der isr. Gemeinde in einer Gemeindeversammlung der Antrag gestellt, man möge zu den Feiertagen noD dj'v, n"i ein größeres Local zur Abhaltung des Gottesdienstes miethen, da der Platz in der alten Synagoge nicht ausreicht, der Antrag ging aber nicht durch. Die Antragsteller führten darüber Beschwerde beim Magistrate und dieser sprach sich dafür aus,' daß der Vorstand zur Anschaffung eines größeren Locals verpflichtet sei. Als man das dem Landrabbiner vorftellte, verweigerte er die Genehmigung zu diesem Schritte, indem er behauptete, aus rituellen Gründen nicht zugeben zu können, die alte Synagoge zu schließen und rieth daher einen Nebengottesdienst in einem zweiten Locale einzurichten. Dies war jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ausführbar, hauptsächlich, weil keiner zu finden war, der den Gottesdienst in dem zweiten Locale abhalten soll. Die Gemeinde blieb also auf die alte Synagoge beschränkt und wer keinen Platz sin derselben fand, war gezwungen, entweder zu Hause zu bleiben oder auf die Feiertage nach einer Synagoge in der Umgegend zu wandern. Aus Mecklenburg. An die Stelle des jüngst ausgeschiedenen Oberrathsmitglieds,Herrn vr. Markus, wurde der streng orthodoxe Commerzienrath Herr Salomon gewählt, Güstrow, im Nov. Ehre dem Ehre gebührt Dem hiesigen Cantor Heymann ward ein Söhnchen geboren. Wegen Mangel und Unzuverlässigkeit hiesiger sr8rvD wurde Herr Hirsch Cohn aus Hamburg zur Vollziehung des heiligen Beschneidungs- Actes bestellt. Als aber Herr Cohn am 8. Tage früh anlangte, wurde das Kind plötzlich so krank, daß der Arzt erklärte, es müsse die Beschneidung bis auf Weiteres aufgeschoben werden. Als nun Herr Heymann dem unverrichteter Sache wieder heimkehrenden Herrn Cohn die Reisekosten erstatten wollte, verweigerte dieser mit einer gewissen religiösen Entrüstung die Annahme derselben. Noch mehr! Herr Cohn erklärte sich bereit, die .uon nb'o nma bei bem nun der Genesung entgegengehenden Kinde ohne Erstattung irgend welcher Kosten zu voll; ehen. Ist das nicht rein □•sbt deo gehandelt? Wahrlich! Zeitungslob ist viel zu gering für solche Handlungen! Wir wünschen, daß der, welcher ist ur |Onj, Herrn Cohn noch lange Jahre die Kraft gebe, diese wichtige mso noch sehr oft sein zu können! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Äöien. In der letzten Sitzung des österreich. Abgeordnetenhauses kam endlich die bereits vor zwei Jahren in Anregung gebrachte Frage der Unterstützung subventionsbedürftiger Rabbiner im Königreiche Böhmen zur Sprache. Der Hergang der Sache war folgender: Vor zwei Jahren hatten über Anregung des Rabbiners Schidloff in Tachau und über kräftiges Einschreiten des vr. Perlitz aus Klattau, welcher zu diesem Zwecke eine Rabbiner- Versammlung einberufen hatte, die israel. Seelsorger Böhmens eine Petition um Unterstützung aus Staatsmitteln an den Reichsrath gerichtet. Dieser trat über Antrag de§ Referenten vr. Rodler die Petition an die Regierung ab, nachdem er sich zu Gunsten derselben erklärt hatte. Gleichwohl wurde im Budget des Ministeriums für Cultus und Unterricht pro 1876 auf die Subventionirung der Rabbiner keine Rücksicht genommen. Freilich hatte inzwischen die Regierung durch die böhmische Statthalterei die Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft auffordern lassen, die statistischen Daten über die Verhältnisse der böhmischen Rabbiner bekannt zu geben. Doch war die Repräsentanz erst im Spätsommer 1875 in der