Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1876)
- Date
- 1876-11-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1079 eine eigene Synagoge in seinem Hause zu unterhalten. Im Namen der Wahrheit und des Friedens haben wir s. Z. im Verein mit anderen Gemeindemitgliedern Herrn Landrabbiner Dr. Adler auf's Dringendste gebeten, doch im Hinblick auf die Gefährdung unseres Gemeindefriedens und die Verletzung der uns überlieferten jüdischen Wahrheit von der Einführung dieses unjüdischen Cultus abzustehen. Es war umsonst. Wenn nun heute, durch das Gesetz über den Austritt aus den Synagogengemeinden, Herrn Landrabbiner Dr. Adler die Furcht vor einer von ihm provocirten Trennung nicht so kalt läßt als unsere vereinten Bitten vor fünf Jahren, so erklärt dies zwar hinlänglich den plumpen Versuch einer derartigen Täuschung der öffentlichen Meinung, aber es rechtfertigt ihn nicht und würde ihn nicht einmal bei einem Manne rechtfertigen, der sich eines weniger salbungsvollen Wahlspruchs erfreute. Wenn daher Herr Landrabbiner Dr. Adler rundweg behauptet, daß seine sämmtlichen Gemeindemitglieder und auswärtigen Gemeinden, daß sogar seine Collegen ihm über „Wahrheit und Friede!" ohne Weiteres quittiren, so wird man das nicht allzuwörtlich nehmen dürfen. Wir wenigstens, obwohl Mitglieder der hiesigen Gemeinde, gehören nicht dazu und wissen, daß wir in der hiesigen Gemeinde und in den auswärtigen, sowie unter den Collegen des Herrn Dr. Adler zahlreiche Gesinnungsgenossen haben. Juda Goldberg. Heule Hahn. (Anmerkung der Redaction. Wir drücken den beiden wackeren Männern hiermit unsere freudige Genugthuung für ihr offenes, männliches Auftreten aus, womit sie den wahrheitswidrigen Expectorationen ihres Rabbiners durch ihre überzeugende Darstellung entgegentreten. Wir knüpfen an diesen Ausdruck unserer Freude die Hoffnung, daß die Gesinnungsgenossen dieser Herren, deren Zahl in der That nicht unerheblich ist, diese Gelegenheit benutzen werden, um gemeinschaftlich Schritte zu rhun, in Folge welcher sie endlich dre Bevormundung abschütteln, die nun fast ein Vierteljahrhundert lähmend, ja geradezu vernichtend auf jedes jüdische Leben und Streben im Landrabbinat Cassel einwirkt. Ein Mann. der von „Wahrheit und Friede" trieft, und der dabei solche offenkundige Unwahrheiten über seine eigene Gemeinde öffentlich aussagt, kann gewissenhaften und überzeugungstreuen Jehudim nie und nimmermehr genügen. Man kann, um dies behaupten zu können, die internen Angelegenheiten der Gemeinde Cassel ganz außer Acht lassen. Die rituellen Einrichtungen einer Gemeinde, die unter der Aufsicht eines Rabbiners stehen, der, wie man uns berichtet, selbstgeständig öffentlich psibt PPno ist, der in der Augsburger Synode ein Gebot des lebendigen Gottes - itsd — eine der unwürdigsten und bedauerlichsten Formen des Judenthvms schmähte, die unter einer solchen Controlle stehenden rituellen Einrichtungen genügen nicht nur nicht den orthodoxesten Gesellschaften, sie können keinem Juden genügen, der sich nicht mit offenen Augen über seine theuersten Anliegen täuschen lassen will. Kann ein solcher Rabbiner auf das Vertrauen, welches die Ueberwachung aller Gemeindeinstitutionen in erster Reihe erheischt, irgend einen Anspruch machen, wenn er durch Wort und That so manche der zu überwachenden Gegenstände als werthlos, antiquirt und unwürdig hingestellt hat? Ob ein solcher Rabbiner einen Wahlspruch hat oder keinen, ob er Wahrheit und Friede oder Lüge und Unfriede heißt, das ist im höchsten Grade gleichgiltig. Nicht schöne, diplomatisch gedrehte Worte und Reden, Thaten bedingen den Werth eines Rabbinen. Deßhalb erachten wir es für eine unabweisbare Pflicht sämmtlicher gesetzestreuen Jehudim des Landrabbinats Cassel, sich gegenseitig über Mittel! und Wege zu besprechen, welche es ihnen ermög-! lichen, die Erziehung ihrer Kinder, die Leitung i ihres Gottesdienstes,' die Schließung ihrer Ehen, j die Ueberwachung ihrer r.DTw und mxipc ic der I Hand zu entziehen, unter welcher sie nun schon Jahrzehnte verkümmern, und endlich ihren eigenen Weg zu gehen versuchen. Es wird gelingen, früher oder später, so schwierig auch die Hindernisse erscheinen mögen. Es haben'S Andere unter ungünstigeren Voraussetzungen gewagt, und GottcS Beistand hat ihre Bemühungen mit dem schönsten Erfolge gekrönt. Durch das jüngst publicirte Gesetz „über den Austritt aus den Synagogengemeinden" hat auch der Staat diesen Bestrebungen die gesetzliche Sanction verliehen. Darum rufen wir jedem einzelnen Gesinnungs genossen aus freudigem Herzen ein pew pm! zu. Mögen sie sich mit den Herren Goldberg und Hahn in persönlichen Verkehr setzen und so successive eine neue Aera für die jüdischen Zustände in Hessen anbahnen! paw p*n. Australien. Ballarat. Herr Rabbiner I. M. Goldreich wurde am 13. August als Rabbiner der Ballarater hebräischen Gemeinde eingeführt.