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Der Israelit · 1876-11-22 · Heft 47 (22.11.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 47 (22.11.1876)
Date
1876-11-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1078 Beinahe alle Nationen haben zum Aufbau einer wissenschaftlichen Landeskunde von Palästina ihre Beiträge geliefert. Erst unserem Jahrhundert war es Vorbehalten, dieses Forschungsgebiet auf die Jöhe eines Faches der Wissenschaft zu erheben. Wenn auch Frankreich, ein Land, welches schon längst in Palästina festeren Grund gefaßt hat, an jener Arbeit einen großen Antheil hat, so gebührt doch unzweifelhaft der Ruhm, die größten Opfer für die Erforschung Palästina's gebracht zu haben, den Engländeru und den Amerikanern. Diesen Leistungen gegenüber scheint das, was die deutschen Forscher auf diesem Gebiete erreicht haben, mit wenigen Ausnahmen in den Hintergrund gedrängt. Es bleibt aber auf unserem Gebiete noch viel zu thun übrig; nach dem Erscheinen der großen Karte der Engländer wird erst recht klar werden, in welchen Punkten die Detailforschung einzusetzen hat. In Jerusalem haben bisher nur an wenigen Stellen systematisch geleitete Ausgrabungen vorgenommen werden können; es steht zu hoffen, daß eine Veränderung der politischen Lage manche Schwierigkeiten, welche der Fortsetzung dieser Aufgabe im Wege stehen, Hinwegräumen wird. Außerhalb Jerusalem ist beinahe noch nirgends der Schutt der Jahrtausende hinweggeräumt worden; in Samaria-Sebaste z. B. wären sicher interessante Resultate durch Ausgrabungen zu gewinnen. Ganz abgesehen davon bleiben aber auch viele Ortslagen und Ruinenstätten übrig, die, weil von der H.'eres-- straße der Touristen seitabliegend, bisher nur unvollkommen beschrieben sind, und nach den Erfahrungen der letzten Jahre kann noch mancher interess nie Fund ohne Nachgrabungen über dem Boden, sowohl im Ostals im Westjordanland gemacht wereen. Wir brauchen hier nicht auseinanderzusetzen, wie wichtig die Erforschung Palästinas nach allen Seiten für das Verständniß der Bibel ist. Dem Interesse der Bibelforscher glauben wir am besten dadurch Vorschub zu leisten, daß wir einen Verein gründen, dess'n Organ eine wissenschaftlich gehaltene Zeitschrift sein würde. Diese würde zunächst in vierteljährigen Heften erscheinen. Wir würden unser Augenmerk richten auf: 1) topographische, 2) naturwissenschaftliche, 3) ethnographisch-Abhandlungen zur Landeskunde. 4) Statistische Nachrichten. 5) Münz- und Inschriftenkunde. 6) Lite-' rarische Berichte. Erbauliches und biblisch-Exegesisches im engeren Sinne sollen ausgeschlossen sein. Jedes Gesellschaftsmitglied soll die Zeitschrift gratis zugeschickt erhalten. Die jährlichen Geldeiträge der Mitglieder sollen, soweit sie nicht von den Kosten der Zeitschrift absorbirt werden, zu einem Fond angesammelt werden, und es soll daher die Höhe des Beitrags blos nach dem Minimum limitirt sein. Sobald der Fond eine gewisse Höhe erreicht hat, würde er zur Lösung einer wissenschaftlichen Aufgabe in Palästina verwendet werden. Wir sind vollauf berechtigt, auf manche wissenschaftliche Arbeiten der.in Palästina lebenden Deutschen, die ja in Jerusalem ein besonderes Museum gegründet haben, zu rechnen. Auch werden wir uns bestreben, das Interesse derTour-sten auf einzelne interessante Punkte zu lenken. Ganz besonders aber hoffen wir, daß unser Unternehmen dazu beitragen möge, manche der so überaus schwierigen topographischen Streitfragen zu lösen. Mit diesem Programm richten wir zunächst ganz besonders an unsere Freunde und Fachgenossen die Bitte, uns bei unserm Unternehmen möglichst zu unterstützen." Cassel. In Nc. 44 der „Jsr. Wochenschr." behauptet Herr Landrabbiner vr Adler am Ende eines längeren Artikels, daß in der hiesigen Gemeinde Niemandem Anlaß zu einer Trennung gegeben ist, indem unsere rituellen Einrichtungen jenen der orthodoxesten Gesellschaften, was die Beobachtung der Ritualgesetze betrifft, in keiner Weise nachstehen. „Wahrheit und Friede!" — so fährt Herr Landrabbiner vr. Adler fort — „waren seit meiner sechsuuddreiß.gjährigen Amtsführung mein Wahlspcuch und sollen es mit Gvltes Hilfe auch unwandelbar für die Dauer meines Lebens bleiben. Meine sämmtlichen hiesigen Gemeindemitglieder und meine sämmtlichen auswärtigen Gemetnden, sowie nicht weniger meine Herrea Collegen aus Bayern und He,gen wissen das und werden mir erforderlichen Falls auch die Bestätigung nicht versagen." Dem gegenüber erklären wir vor Gott und den Menschen, daß diese sämmtlrchen aus die hiesigen Gemeindeverhältnisse bezüglichen Behauptungen von Anfang bis Ende durch und durch auf einer Unwahrheit beruhen, die nur von der Dreistigkeit, mit der sie hier ausgesprochen ist, überboten wird. Seit 1871 hat Herr ^andrabbiner vr. Adler in der hiesigen Synagoge einen Orgel-Gottesdienst eingeführt, einen Theil unserer heiligen Gebete ausgemerz: und deutsche Lieder und Gebete an deren Stelle gesetzt. Seit dieser Zeit hat eine Anzahl gesinnungstüchtiger Männer das entweihte Gotteshaus gemieden und sich unter beträchtlichen Opfern zur Abhaltung des von den Vätern überkommenen Gottesdienstes vereinigt. Noch heute ist der Unterzeichnete, I. Gotdberg, deßhalb genöthigt.

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