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Der Israelit · 1876-11-22 · Heft 47 (22.11.1876) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 47 (22.11.1876)
Date
1876-11-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XVII. Jahrgang. Erste Leilage zu Nr. 47 des Israelit. Leitender Artikel. Merarischer- Pcricht. Dellorah. Andachtsstunden für israel. Frauen und Jungfrauen. Eine möglichst vollständige Sammlung von Gebeten und religiösen Betrachtungen bei der öffentlichen sowohl als auch bei der häuslichen Andacht. Von Daniel Pillitz. Budapest, 1876. Verlag von M. E.Löwy's Sohn. Das vorliegende Buch ist die zweite Auflage des bereits seit Jahren vergriffenen „Andachtsstunden für Israeliten" rc. Mit richtigem Takte hat die Verlagshandlung ohne sonstige textuelle Aenderung nur diejenigen Gebetstücke weggelassen, welche ursprünglich für männliche Personen geschrieben wurden. So sehr deutsche Gebete für Frauen schon durch eine langjährige Sitte besonders bei der häuslichen Andacht sich eingebürgert und im höchsten Grade bewährt haben, so wenig geziemt es Männern, ihrem religiösen Bedürfnis in einer anderen als der heiligen Sprache zu genügen. Ihnen ist das Verftändniß der Sprache unserer Gebete eine von Gott gebotene Pflicht; deutsche Gebete, die der Unkenntniß noch als Krücke dienen, eignen sich daher für Männer nicht. — Das durch diese Weglassung erzielte Ersparniß ist der würdigen Ausstattung des Ganzen zu Gute gekommen. Im Gegensatz zu vielen anderenProductionen der einschlägigen Literatur zeichnet sich die„Deborah" durch eine seltene Tiefe und Wahrheit der Empfindungen, durch eine gewählte, der Denkweise eines jüdischen Weibes angemessene Ausdrucksweise aus und ist besonders von einem so unverkümmert echt jüdischen Geiste durchdrungen, daß wir es in der That dem „Hause Jakob's" auf's Wärmste erm pfehlen können. _ A. Firkowitsch und seine Entdeckungen. Ein Grabstein der hebräischen Grabschriften der Krim. Von Dr. Hermann L. Struck. Leipzig, 1876. (I. C. Hinrichs.) Selten ist wohl ein gröberer literarischer Betrug von so großem Umfang verübt worden, als derjenige, mit welchem A. Firkowitsch in seinen im Jahre 1839 zum ersten Male bekannt gewordenen angeblichen Ausgrabungen von alten Grabsteinen und Entdeckungen von Manuscripten, die alle zu Gunsten derKaräer auSsagen sollten, die öffentliche Meinung zu täuschen suchte. Der Betrug war so großartig und raffinirt angelegt, daß man lange nicht an denselben glauben wollte, obwohl die namhaftesten jüdischen Gelehrten sofort nach dem Bekanntwerden der Firkowitschen Entdeckungen ihrem Mißtrauen in mehr oder weniger scharfer Weise unverhohlen Ausdruck gaben. Dem Verf. der vorliegenden Schrift gebührt nun das Verdienst, das von Kennern gegen Firkowitsch vorgebrachte Material gesammelt und durch eigene Forschungen bereichert zu haben, so daß man jetzt mit ziemlicher Sicherheit Wahrheit und Dichtung von einander unterscheiden kann. Man thut übrigens — nach der Ansicht des Verfassers — Firkowitsch Unrecht, wenn man ihn für einen gewöhnlichen Fälscher hält. Ihn trieb, namentlich während der ersten Jahre seiner Entdeckungen, nicht die Sucht nach materiellem Gewinn , ihn trieb vor Allem karäischer Fanatismus. Alle seine Erfindungen sind direct oder indirect gemacht in majorem Karaeorum gloriam. Seine Expedition nach dem Kaukasus war eigentlich eine Missionsreise: unter den dortigen, wohl in manchen Beziehungen abweichende Gebräuche befolgenden Juden hoffte er Karäer zu finden oder Anhänger für die kleine karaäische Secte zu gewinnen. Sogar vor Zwangsmaßregeln scheute er nicht zurück, um seine Absicht zu verwirklichen. Es ist in hohem Grade zu bedauern, daß Firkowitsch die großen Verdienste, die er sich durch das Sammeln vieler werthvoller Handschriften unzweifelhaft erworben, durch seine zahlreichen Fälschungen so sehr in den Schatten gestellt hat. r>. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Tübingen. In der dahier abgehaltenen Orientalistenversammtung stellten die Professoren Kautzsch und Zimmermann aus Basel, sowie Professor Socin aus Tübingen den nachstehenden mit großem Beifall aufgenommenen Antrag: Die Unterzeichneten haben sich vereinigt, um einen deutschen Verein zur Erforschung Palästinas zu gründen, indem sie glauben, dadurch einem wirklichen Bedürfnisse entgegenzukommen.

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