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Der Israelit · 1876-11-22 · Heft 47 (22.11.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 47 (22.11.1876)
Date
1876-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1074 Emanuel Veith. Der Vater desselben, Namens Wertheimer, war unter dem Namen Reb Wolf Wertheimer in der Dobruschaner Gegend sehr geachtet. Aus Dobruschan bei Deutsch - Reichenau stammt die ganze Familie Wertheimer und ist jetzt noch durch viele Mitglieder derselben vertreten. Veith's Großvater war der erste Jude, der als „Staatsbeamter" in einer Tabakfabrik von der Kaiserin Maria Theresia angestellt wurde und den pompösen Titel eines k. k. „Ober-Walk- Tabaksbeizers" führte. Der Vater Veith's besaß durch lange Zeit den Tabakverlag in Kuttenplan. Der junge Veith erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung und war namentlich im Talmud so gut bewandert, daß er eine Zeit mit dem Gedanken Awging, sich dcm jüdisch-geistlichen Berufe zu widmen. Er wurde iu Wien zum Doctor promovirt; sein Vater erkrankte gleich nachher sehr schwer an einem Halsleiden. Der Cohn rettete ihn durch eine kühne Operation, und als man den jungen Arzt fragte, wo cr den Muth hergenowmen, meinte er: „Es gibt einen Gott, und der konnte mich nicht zum absichtlichen Mörder meines VaterS machen wollen." Unerwartet erhielten die Eltern die Kunde, daß ihr Sohn seine Religion gewechselt und sich dem katholischen Priesterstand geweiht habe. Der Vater ließ sich die „Krie" schneiden; auch saß er volle acht Tage auf dcm Erdboden und trauerte, als wenn der Cohn gestorben wäre. Die Mut.er, die ihren Sohn so innig geliebt, weinte so lange, bis sie völlig erblindete und kurze Zeit darauf aus Gram starb. Nach einigen fahren (1830) besuchte Veith seinen Heimatbsvrt und ließ bei feinem Vater ansragen, ob er ihm verziehen und sein,« Besuch ännehnren werde; er erhielt aber die Antwort, daß sein Vater die Meinung ausgesprochen, keinen Cohn mehr zu besitzen, also auch keinen mehr empfangen zu können. Trotzdem Veith keinen freundlichen Empfang von seinen Glaubensgenossen in seinem Heimathsorte erhielt, verleugnete er später doch nicht ganz und gar den Juden. Er bewies dies, als Anfangs der Vierziger Jahre in Damaskus die Juden- Massacres stattfanden, weil es hieß, ein Christenknabe «sei zu Ostern von den Juden geschlachtet worden. In einer Predigt, die Veith vor einem Auditorium, das aus den höchsten Ständen der Residenz bestand, hielt, sagte er damals unter Anderm: „Ich bin selbst als Jude geboren, und wenn ich wüßte, daß nur noch Eine jüdische Ader in mir ist, so möchte ich dieselbe sogleich Herausschneiden; aber dafür stehe ich ein, daß die Juden zur Osterzeit kein Christenblut brauchen; das ist eine Fabel!* Wie«. Herr Bernhard Frankl dahier wurde zum Polizeicommissär ernannt. Er ist der erste jüdische Polizeicommissär, welcher, ohne den Glauben seiner Väter zu verlassen, so hoch avancirt ist. (W. Jsr.) In Pesth starb Frau L. Deutsch im Alter von 102 Jahren, sie hinterließ 27 Enkel und 18 Urenkel. Spanien. Madrid, 14. Nov. Im Senat wurde Seitens des Ministeriums auf eine Interpellation über Art. 11 der Verfassung erklärt, die Regierung habe beschlossen, die Freiheit in Relig^'onssachen aufrecht zu erbalten und zu schützen, wie dies durch die Verfassung ausgesprochen sei, und werde die Unverletzlichkeit der Gotteshäuser und Kirchhöfe eben so gewissenhaft beobachten, wie dies bei anderen freien Völkern geschehe, England. London. Der Vorstand der israel. Gemeinde zu Corcyra auf der Insel Corfu veröffentlicht in der „Times" ein Schreiben, in welchem er ausdrücklich hervorhebt, daß die Juden in dieser Stadt (nahe an 5000) im vollsten Frieden mit ihren christl. Mitbürgern leben. sie überhaupt der vollständigen bürgerlichen wie religiösen Freiheit sich erfreuen. Der Vorstand genannter Gemeinde sah sich zu dieser Erklärung veranlaßt, weil in manchen englischen Zeitungen falsche Nachrichten über die Lage der Juden in Griechenland verbreitet worden waren. Liverpool. In einer der letzten Sitzungen des hiesigen jüdisch-literarischen Vereins wurde ein Schreiben des früheren englischen Ministers Gladftone verlesen. Dasselbe ist die Antwort auf die Anfrage, ob in den Verfassungen von Serbien, Rumänien und andern christl. Staaten der Türkei ein Artikel befürwortet werden soll, der den Bewohnern dieser Länder (Juden nicht ausgenommen) völlige bürgerliche und religiöse Freiheit einrüumt. Gladstone schrieb: Meine Antwort auf Ihre Anfrage lautet unbedingt: ja; ich fürchte jedoch, daß viele Ihrer Glaubensgenossen und deren Freunde durch ihr gegenwärtiges Verfahren dasjenige verderben werden, was sie und ich wünschen. (W. Jsr.)

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