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Der Israelit · 1876-11-22 · Heft 47 (22.11.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 47 (22.11.1876)
Date
1876-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1073 eine neue Phase der Entwickelung getreten ist, die zu einigen rückwärts und vorwärts gerichteten orientirenden Blicken auffordert. Daß derartige Orientirungen nicht nur von lokalem, sondern die ganze deutsche Judenheit umafssendem Interesse sind, versteht sich in einer Zeit, in welchem das Gesetz über den Austritt aus den Synagogengemeinden sich allenthalben fühlbar zu machen beginnt, so von selbst, daß eine Besprechung an dieser Stelle einer weiteren Begründung nicht bedarf. Man braucht nicht ein gesetzestreuer Jude, man braucht nur ein vorurtheilsfreier, die Freiheit der Gewissen und der Individuen achtender Mensch zu sein, um die Freude zu begreifen, mit welcher die endlich erlangte Selbstständigkeit die Mitglieder der Religionsgesellschaft erfüllt. Wenn einmal eine „Geschichte der Reform" der staunenden Nachwelt die Mittel und Mittelchen, die Pyrrhussiege und Niederlagen vorführen wird, mit welcher die Reformapostel unter dem Banner des Fortschritts und der Aufklärung der Toleranz und der Friedfertigkeit einen wahren Kreuzz.rg gegen das überlieferte Judenthum und seine Anhänger eröffneten, der vor manchen offenen und geheimen Gewaltakten nicht zurückschreckte, denunzirte, mit Polizeigewalt Synagogen u. Lehrhäuser schließen und die Betheiligung an dem Gottesdienst ihrer Mache erzwingen ließ — dann würde die Orgelgemeinde Wiesbaden, ihr Vorstand und vor allem Herr Rabbiner Süskind einen der ersten Plätze in diesem Pantheon einnehmen. Die siebenjährige Geschichte der israelitischen Religionsgesellschaft zu Wiesbaden ist ein ununterbrochener siebenjähriger Krieg, gegen einen Fanatismus, der mit einem solch instinctiven Haß jedes jüdische Streben perhorreScirte, daß die Möglichkeit der Existenz einer Religions-Gesellschaft die unter einem unerhörten siebenjährigen Druck die Hoffnung auf die Erlangung ihrer Freiheit nicht verlor, geradezu an ein Wunder grenzt. Wir wollen jedoch heute keine ReminiScenzen an all den Hohn und alle Kränkungen wachrufen, die den Gesetzestreuen Wiesbadens und der Landgemeinden vor und während dieses Septennats mit Beihilfe staatlicher Autorität zugefügt wurden, wie die Religionsgesellschaft den. Religionsunterricht ihrer Kinderder Inspektion des Reformrabbiners unterstellen und sich die schnödeste Anmaßung und Chicanirungen ihrer Zwingherrn gefallen lassen mußte, wir wollen weiter nichts als unsere Freude rechtfertigen u”n.nar nn uo’pi, daß uns Gottes Gnade die Zeit erleben ließ, die uns vom Terrorismus der eigenen Brüder befreite. Mag unsere Unterdrücker frühes oder später das verschuldete Verhängniß erreichen, es kann unS heute gleichgültig fein. Herr Rabbiner Süskind wird seine gelichtete Heerde schon durch biblische Citate zu überzeugen wissen, daß ein solches Abhängigkeitsverhältniß im jüdischen Kreis dem loyo ’iffsn unkten rrj/’utcn djsoi schon von Moses Zeiten her mit idem siebenten Jahr ein Ende zu nehmen Pflegt, und auf mosaischem Standpunkte steht ja auch Herr Rabbiner Süskind so lang er nicht unbequem ist. Wir wollen daher den jHerrn Rabbiner auf seinem Standpunkt ruhig stehen lassen und uns zum Schluß noch an die Religions- Gesellschaft mlt einigen Worten wenden. Ihr und ihren bewährten Führern rufen wir aus tiefbewegter Seele ein 2211 11V2 zu! Das richtige Berständniß der Lage der Dinge und die daraus erwachsene seltene Einmüthigkeit, mit der die ganze Religionsgesellschaft vom Ersten bis zum Letzten ihre Aufgabe begriff und ihr genügte, verdient ganz besondere Anerkennung in einem Augenblick, wo sogar unter den Augen des „Vaters der israelitischen Religionsgesellschaften" diese allgemeine Klärung der Ansichten sich nur schwer und langsam zu vollziehen scheint, der Religionsgesellschaft zu Wiesbaden bleibt somit das hohe Verdienst, die erste Corporation gewesen zu sein, welche die unter hartem Druck erprobte unwandelbare UeberzeugungStreue auch der neuen Gestaltung der Dinge gegenüber bewahrt hat. Daß sie nicht auf halbem Wege stehen, sondern durch unablässigen Ausbau ihrer Institutionen sich fort und fort schöner und großer entwickeln werde, dafür birgt uns der echt jüdische Geist ihrer Mitglieder und besonders ihrer Leiter, die durch dir Ereignisse der jüngsten Wochen eine nicht hoch genug anzuschlagende Hebung und Kräftigung erfahren hat, dafür bürgt uns der fürsorgende Gottesschutz, der bis jetzt über dem jungen Gemeindewesen so sichtbar waltet, daß wir n'jn die zuverstchtige Hoffnung hegen: *01 -pam un?y rm np rrn*? x 'n bm -|Hon uoiy n.— gtattlfttti a. M., 11. Nov. Unser allgemein geachteter Mitbürger, Herr Elias Ullman n, feierte heute als Aktuar der israel. Gemeinde sein 25jähriges Amtsjubiläum. Im Ramm der Gemeinde wurde dem Jubilar von Seiten des Vorstandes ein sehr werthvoller silberner Pokal und von den Mitgliedern der Loge „Zur aufgehenden Morgenröthe" ein prachtvolles silbernes Schreibzeug überreicht. Beide Gegenstände wurden von Herrn August Stern hier gefertigt und geliefert. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wie«. Anfangs dieses Monats starb dahier im Alter von 88 Jahren der Domkaplan Johann 1

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