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Der Israelit · 1876-11-22 · Heft 47 (22.11.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 47 (22.11.1876)
Date
1876-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1071 bluteS, von Entweihungen der Hostien faselte, um die Wuth des Volkes gegen die Juden nur mörderischer zu machen? Die Antwort wird sich jeder leicht geben können. Und diese Herren sind vermessen genug, ihre eigene Handlungsweise den Juden aufzubürden, in deren Geschichte ihre traurige Wirksamkeit sich blutigroth eingegraben hat. Den Gipfel der Gemeinheit ersteigt der Artikel in dem Satze, daß bei den Raubzügen der Altkatho'iken gegen die katholischen Kirchen dcr Löwenantheil der Beute in die Taschen der Juden falle. Darauf zu erwiedern wäre eine Beleidigung für unsere Leser. Dieser Satz scheint aber wieder die Frucht wehmüthiger Erinnernngen an eine schönere Vergangenheit zu sein, denn man weiß Wohl, in wessen Taschen der Löwenantheil zu jeder Zeit fiel, wenn durch irgend einen Vorwand entschuldig!, es auf das Einziehen jüdischen Vermögens losging, wer sich am meisten bereicherte, wenn Synagogen zu Kirchen umgewandelt wurden, wem der erste deutsche Dichter einen „großen Magen" bezeugte, uns oder unseren Gegnern? Lächerlich genug ist es, wenn im Verlaufe des Artikels von dem Zusammenhalten der Juden gesprochen wird, dessen Ursache nur Geldgier sei, wie in der Judenheit jedem Verbrecher, wenn er nur Jude fei, fortgeholfen wird. Tabei wird ganz insbesondere der Reisende im Kafta' und den bekannten Löckchen gedacht, die mit herabgekommenen Millionären und Börsenschwindlern auf eine Stufe gestellt werben. Man weiß allgemein, daß deren unschuldige Attentate nicht gegen die öffentliche Sicherheit, sondern nur gegen die Börsen mildthätiger Glaubensgenossen gerichtet sind und daß sie in einem Almosen von einigen Groschen das Ziel chrer höchsten Erwartung verwirklicht sehen. So macht dieser edle Kämpe und seine Knappen auf uns den Eindruck eines Don Quixote, der Windmühlen für Riesen ansieht und gegen feindliche Mächte kämpft, die seine Einbildungskraft erschaffen hat. Nur mit dem Unterschiede, daß die Zwecke, die der Ritter von der Manch« verfolgte, Abstellung und Beilegung aller Zwistigkeiten und Herstellung des goldnen Zeitalters weit edler sind als die der schwarzgepanzerten Don Quixots, die mit ihren ungeschickten Lanzenstößen gerade das Entgegengesetzte Hervorrufen wollen. Könnte uns diese Don Quixoterie irgend wie in Harnisch bringen, so würden wir Beweise verlangen für alle diese groben Anschuldigungen und würden die schwarzen Windmühlenritter so lange ehrlose Verläumder nennen, als man uns diese Beweise schuldig bliebe. Einstweilen könnte uns denn das Bewußtsein beruhigen, daß wenn auch nur die Hälfte von dem wahr wäre, was da gegen die Juden vorgebracht wird, die gesammte Judenheit durch sümmtliche europäische Staatsanwälte bereits dingfest gemacht worden wäre. — Da dies aber durchaus nicht der Fall ist, so halten wir uns einstweilen an dem Spruch Rückerts, der — zur Notiznahme für das „Vaterland" und den „Starkenburger Boten" sei es hier in Paranthcse bemerkt — obwohl schon kulturfreundlich, dennoch kein Jude war: Nicht besser kannst Du wahren, als Nicht wehren diesen Tollen So brechen sie gewiß den Hals Am Rand wohin sic wollen. L. R. | Zeitungsnachrichten unt> Correfporidenzerr. I - j Deutschland. j Wiesbaden, im Kislew. Seit einigen! Wochen herrscht in der hiesigen Gemeinde eine! allseitige Erregung der Gemüther, deren Veran-! lassung wohl verdient, in weiteren Kreisen bekannt > zu werden. Schon seit der Publicirung des Ge-! setzes über den Austritt aus den Synaaogenge- | meinden hat die hiesige Religionsgesellschaft die i Eventualität eines gemeinsamen Austritts aus der! hiesigen Cultusgemeinde in reifliche Erwägung; gezogen, der dann, wie ich Ihnen bereits kurz er-! wähnte, sich am 2. November vollzogen bat. Das war nun nicht so einfach, wie man nach den klaren; Paragraphen des Gesetzes etwa glauben sollte. Diese Paragraphen haben nämlich mit den Blumen! in der „Klage der Ceres" bekanntlich die Eigen-! ihümlichkeit gemein, daß sie, halb der Tobten,! halb der Lebenden Gebiet berühren" und diese erste Hälfte war es, welche hier in Wiesbaden einen Austritt geradezu illusorisch zu machen schien. Hier existirt nämlich ein städtischer Communalfriedhof und den Austretenden hätte daher die weitere Benutzung des jüdischen Friedhofs von der Synagogengemeinde untersagt werden können, da der Communalfriedhvf jeden Tobten ohne- Unterschied der Confession beerdigt. Darob herrschte nun ein großer Jubel bei den Pascta's der Synagogengemeinde, da für die Religions-Gesellschaft die Anlegung eines eigenen Friedhofs zur Zeit aus verschiedenen Rücksichten nicht realisirbar war. „Nun habt ihr das Austrittsgesetz", jubelte die tolerante Reform in allen Tonarten, „und müßt doch bei uns bleiben." In anderen Gemeinden hat daS Austrittsgesetz den in ihrer Machtstellung

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