Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1876)
- Date
- 1876-11-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1054 gewachsene Gemeinde einen eigenen gesinnungstüchtigen Rabbiner engagirte, damit die nv'iiV und die im Bau begriffene irpo, sowie vor allen Dingen der noch so sehr im Argen liegende Religionsunterricht unter eine kundige Controle zu stehen käme. So lange dies jedoch nicht geschehen kann, wäre es dringend geboten, daß die' Gemeinde mit einem der benachbarten Ober-Rabbinate in Verbindung träte, um auf diese Weise dem dringenden Bedürfniß so gut als eben möglich Rechnung zu tragen. — Die Engagierung eines eigenen Rabbiners wäre zwar immerhin kein unerhebliches Opfer für die Gemeinde, aber es giebt kein zu großes pecuniäres Opfer, wenn es sich um die Erhaltung von Gütern wie unsere heilige Religion und den Frieden der Gemeinde handelt. Dem ernsten Willen wird es gelingen '2 no« vn*. An den guten Wi llen der Gemeinde, wie der Einzelnen appelliren diese Worte, möchten sie eine geeignete Berücksichtigung finden — n — Zeitrmgsnachriebten und Korrespondenzen. Deutschland. Aus dem Rabbinatsbezirk Lttttdait, 7. Nov. Wie ich mich und wohl auch viele Leser dieses gesch. Blattes sich erinnern, wurde vor einiger Zeit in den Spalten desselben der Fall besprochen, daß eine Tochter des Rabbiners Dr. Grünebaum zu Landau, mit Einwilligung ihres Vaters, sich mit einem Nichtjuden verehelichte, und daß die intimsten verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Schwiegereltern und Schwiegersohn, welch' letzterer auch in Landau wohnt, obwalten, Besuche und Gegenbesuche, wie man mir sagte, fast täglich stattsinden. Nun erfahre ich, daß dem Herrn Rabbiner ein weiteres Familienglück widerfahren, indem seine Tochter vor einigen Tagen eines Knaben genesen sein soll. Hinsichtlich der Erziehung des Neugeborenen hört man: daß der Herr Rabbiner es durchgesetzt, daß der junge Weltbürger confessionslos erzogen werde. Das nenne ich Consequenz! Es verdient die von Herrn vr. Grünebaum hiebei bewiesene Toleranz gewiß, in weiteren Kreisen bekannt zu werden. Herr Rabbiner.!!, wir gratuliren Ihnen! Berlin. Hiesige Blätter schreiben: In der Familie eines armen Droschkenkutschers war seit lange Sorge und Krankheit eingekehrt. Vor etwa vierzehn Tagen, gerade an einem Tage, wo die größte Noth im Hause war und der Mann seine letzte Hoffnung, ein Viertellos zur preußischen Lotterie, versilbern wollte, erschien an der Thür ein jüdischer Handelsmann mit alten Sachen und fragte, ob was zu verkaufen sei. „Nein." lautete die Antwort, und Jener ward durch den Augenschein belehrt, daß der Mann die Wahrheit sprach. „Schlechte Zeiten, lieber Freund," schloß der Kutscher, „hier geht das Letzte hin." Damit wies er auf sein Loos, an dem er, weil es ein Vierteljahrhundert in seiner Familie gespielt wurde, so fest hielt, daß er es stets mit den größten Opfern eingelöst hatte. „Ein Loos?" fragte der Handelsmann , „Loose kauf' ich auch." Sechzehn Thaler waren eine Stunde später in den Händen des darbenden Familienvaters. Am letzten Sonntag Vormittag klopfte es bei L. — so heißt der Kutscher — an die Thür, und herein tritt der Handelsmann. Er zeigt dem erstaunten Mann eine Jnterimsliste — da steht als am Freitag mit 3000 Mk. gezogen die verkaufte Nummer. Ehe L. antworten kann, legt Jener einen Händertmarkschein auf den Tisch und sagt: „Wissen Sie was, wir wollen's vierlheilen, drei für Sie, eins für mich, man will verdienen. Wenn ich den Gewinn ganz habe, bekommen Sie noch 370 Mark. Adieu, bleiben Sie gesund." Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Von einer wahren Schauerthat wird aus Galgocz berichtet: Am 24. d. M. hatte der dortige Insasse Löwy Felle im Werthe von 600 st. verkauft. Dies war einem Fleischhauergesellen, der in guten Beziehungen zu Löwy stand, bekannt geworden , und er beschloß, sich des Geldes zu bemächtigen. Abends kam er zu Löwy, den er unter irgend einem Vorwände um ein Nachtquartier anging. Trotz des Abrathens seiner Frau gewährte Löwy die Bitte. Um Mitternacht hörte die Frau ein leises Stöhnen; sie ahnte Entsetzliches und schrie auf, doch verstummte sie bald, von mehreren tödtlichen Stichen getroffen. Allein die Schwester Löwy's, welche im Nebenzimmer schlief, hatte die Schreie ihrer Schwägerin gehört; sie zündete Licht an und öffnete die Thür. ' Als sie ihren Bruder und dessen Gattin im Blute schwimmen sah, stürzte sie sich auf den von dem Lichtscheiue geblendeten Mörder; trotzdem es während des Ringens dem Elenden gelang, auch das heldenmüthige Mädchen zu verwunden, ließ dasselbe dennoch den Unmenschen nicht los, sondern schrie mit aller Kraft um Hilfe. Bald näherten sich auch Schritte; noch eine verzweifelte Anstrengung machte der Mörder, um sich der eisernen Umklammerung zu erwehren, dann