Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1876)
- Date
- 1876-11-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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3051 lischen, österreichischen Regierungen hätten auch die Israeliten in keiner Deputirtenkammer zuzulassen brauchen; denn auch in diesen Ländern sind dieselben friedlich gesinnt und treue Unterthanen. Die Juden finden sich zahlreich nur in Konstantinopel und Salonichi. In diesen beiden Städten leben derrn wohl unhr als 300,Ol 0, von denen etwa V20 mehr oder weniger im Wohlstand leben und eine sehr kleine Zahl einengroßen Reichthum besitzen. Es ist nur sehr zu bedauern, dasst die meisten von denen, die Gutes zu thun im Stande sind, die Gleichgiltigsten gegen ihre Brüder sind. In Smyrna, Salonichi, Vota, Adrianopel sind je eine von der „Alliance" gegründete Schulen; in der Hauptstadt eine auf Kosten der Familie Camondo. Abgesehen von diesem generösen Hause ist der Egoismus und Jndifferentismus das große Unglück der orientalischen Israeliten (Sephardim). Drei jüdische Zeitungen in spanischer Sprache mit hebr. Lettern erscheinen dahier, wovon eine in neurer Zeit eingeaangen ist; die zwei anderen haben vielleicht 200 Abonnenten. (Arch. isr.) F e n i I l e t u in Thrrcsa. x. Der Rabbiner zog an einer Glockenschnur; ein Dienstmädchen erschien. „Ist der Herr Meyer im Hause?" fragte der Rabbiner. „„Er ist im Studirzimmer des Herrn,"" antwortete das Mädchen. „Sagen Sie, daß ich ihn bitten lasse, gleich hierher zu kommen." Das Mädchen verließ das Zimmer. „Meyer, Herr Baron," sagte der Rabbiner, „ist der junge Mann, welchen ich bestimmen werde, Ihnen den gewünschten Unterricht zu ertheilen; ich setze voraus, daß Sie wohlhabend sind und im Stande sein werden, dem intelligenten und sehr weit vorgeschrittenen, aber mittellosen Jünglinge ein angemessenes Honorar zu zahlen " Der Baron nickte zustimmend. Der erwartete junge Mann erschien. „Meyer," sagte der Rabbiner, „Sie baten mich unlängst, Sie für einen Hauslehrerposten zu empfehlen; ich habe jetzt eine bessere, lohnendere und angenehmere, aber sehr schwierige Stelle für Sie. Hier, Herr Baron Hohenacker, von Geburt und dem Namen nach Jude, aber sonst ganz unbekannt mit unserer heiligen Religion, wünscht in dieser unterrichtet zu werden. Ich habe Sie dazu ersehen, dem Herrn Baron den gewünschten Unterricht zu ertheilen. Der Herr Baron wird Sie angemessen honoriren. Der Unterricht soll zugleich praktisch und theoretisch ertheilt werden. Zunächst begleiten Sie den Herrn Baron und helfen ihm, eine schöne und passende Wohnung, womöglich in einem jüdischen Hause — es ist das für unfern Zweck besser und angenehmer — zu miethen. Ist das geschehen, so lassen Sie unfern jüdischen Schneider kommen und die Kleider des Herr Baron untersuchen, ob dieselben nicht „Schaatnes" sind." „„Verzeihen Sie, Herr Rabbiner,"" fragte der Baron, „„was bedeutet dieses Wort?"" „Eine Verbindung von Wolle und Leinen; wir dürfen keine Kleider tragen. die aus Wolle und Leinen bestehen." „„Und weßhalb nicht?"" „Darauf gibt es nur eine Antwort: Weil Gott es verboten hat. Es gehört dieses Verbot in die Kategorie derer, deren Begründung wir nicht kennen." Die Thüre ging auf, und ein Mann mit einem in Papier gewickelten Gegenstände trat ein. Es war der Schochet. „Verzeihen Sie, Herr Rabbinersagte er, „wenn ich störe. Aber es pres'irt sehr. Ich habe ein Schaaloh. Wenn es trepho wird, so muß der Metzger schleunigst ein anderes Stück Vieh schlachten lassen für den Sabbat." //„Zeigen Sie her!"" sagte der Rabbiner. Der Schochet wickelte das Papier auf. Darin war eine Ochsen-Niere. Dieselbe war geschwollen. Der Rabbiner nahm ein Messer, schnitt die Niere auf und fand, daß das Geschwulst sich bis in den innern, weißen Theil hinzog. „Es ist trepha," sagte er. Der Schochet entfernte sich. „„Darf ich um eine Erklärung bitten?"" fragte der Baron. „Wir dürfen nur Fleisch von solchen Thieren essen, die, da sie geschlachtet wurden, zuvor noch gesund waren und nicht mit einem organischen, tödtlichen Fehler behaftet gewesen sind. Der Ochs, dessen kranke Niere Sie hier gesehen haben, wäre binnen Jahresfrist an der Nierenkrankheit gestorben. Deßhalb dürfen wir das Fleisch nicht genießen." „„Welch hohe Weisheit offenbart sich in dieser Vorschrift!"" „Derselbe allweise Gott, der uns diese Vorschriften gegeben, hat uns auch verboten, Kleider