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Der Israelit · 1876-11-15 · Heft 46 (15.11.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 46 (15.11.1876)
Date
1876-11-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1050 alle die Abmachungen in den Handelsverträgen nützen nichts, so lange der § 8 des rumänischen Licenzgesetzes und der Artikel i0 des Landpolizeigesetzes in Wirksamkeit sind und so lange sich eine Regierung am Ruder befindet, welcher eS beliebt, die beiden Paragraphen streng zu handhaben. Auf Grundlage dieser beiden Paragraphen kann Jeder Israelit in Rumänien augenblicklich von Haus und Hof gejagt werden und das Kabinet Bratianu hält sich sogar etwas zu Gute darauf, daß es die fraglichen Bestimmungen mit der rücksichtslosesten Strenge handhabt. Erft jüngst wieder sind 240 jüdische Familien, welche die Dörfer im Distrikte von Vasla bewohnten, aus ihren Häusern vertrieben worden, all' ihr Vermögen hat der Staat consiscirt und bettelnd treiben sich die unglücklichen Leute jetzt im ganzen Lande herum. Das gegen sie eingehaltene Vorgehen ist barbarisch, es ist aber leider in Rumänien gesetzlich. Bukarest. Unlängst machte der Minister des Innern, Veruescu, einen Besuch in Jassy. Die maßgebenden Persönlichkeiten von dort machten ihn auf die großen Fortschritte aufmerksam, welche die zweite Hauptstaot des Landes in den letzten fünf Jahren gemacht. Erzürnt erwiderte ihnen der Minister, sie sollten nur nicht so stolz auf diese Erfolge sein, denn den Nutzen davon zögen ja die Juden; nur diese benützten das neue Asphalt- Straßenpflaster, die Rumänen gebrauchen ihre eigenen Wagen. Der berüchtigte § 8 des Licenzengesetzes und der Artikel X des Landpolizei-Gesetzes werden mit drakonischer Strenge ausgeführt. Etwa zweihundert jüdische Familien wurden in den jüngsten Tagen aus den Dörfern des Vasluer Distrtctes in der Moldau vertrieben, nachdem ihr Vermögen confiscirt worden war. Das Loos dieser armen Menschen ist ein überaus unglückliches; ihres Vermögens beraubt, obdachlos, irren sie heimathlos herum, ohne zu wissen, wo sie vor den Verfolgungen und Quälereien der rothen Demokraten Schutz suchen sollen. Man ahmt auch hierin das russische Beispiel nach, denn dort waren Judenvertreibungen, selbst in Kiew, vor nicht langer Zeit keine seltenen Vorkommnisse. Was das mächtige Czarenreich sich erlaubt, glaubt nun ein solcher Gernegroß wie Rumänien auch thun zu dürfen. England. London. Nach dem Protokolle der Oktobersitzung des Rathes der Anglo-Jewish-Associat. haben die Zweigvereine in Sydney, Melbourne und in der Capstadt gute Fortschritte gemacht und sind in , Jamaica und Adelaide neue entstanden. Mit dem Board of Delegates in Amerika werden Verhandlungen über gemeinschaftliches Wirken gepflogen. Die Gesellschaft, die „Alliance Jsr. Univ." und die „Alliance" zu Wien haben sich an die englische, französische und österreichische Regierung gewendet, daß bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Stellung der Bevölkerung in den türk. Provinzen auch das Interesse der Juden gewahrt und den Unterthanen jeden Glaubens dasselbe Recht gewährt werde. Der englische Minister des Auswärtigen, Lord Derby, hat seine Zustimmung zu diesem Wunsche zu erkennen gegeben. China. Hong-Kong. Eine interessante Ceremonie, die erste derartige in China, fand am 6. August in hiesiger Synagoge statt. Es war die Ausnahme eines Chinesen in's Judenthum, an dem an diesem Tage die Beschneidung von Herrn Reuben Satomon im Beisein eines europäischen Arztes und in Gegenwart der ganzen Gemeinde vvrgenommen wurde. Der junge Mann war in seiner Kindheit einer israel. Familie zum Geschenke gegeben worden, welche ihn bis jetzt erzogen hat. Nunmehr, 18 Jahre alt, hat derselbe fernen festen Entschluß kundgegeben, Jude werden zu wollen. (Jew. Chr.) Türkei. Konstarrtirropel, 16. Okt. Eine ernste Thatsache, welche unsere Glaubensgenossen sehr interessier, ist die Weigerung der Regierung, in den unter der Präsidentschaft des Midhat Pascha neu zu organistrenden Staatsrath Israeliten zuzulassen. Dieser Generalrath, welcher sich in vier Sectionen theilt, besteht aus zwei DrittelnMuhamedaner und einem Drittel Christen; im Ganzen aus 3ü Mitgliedern. Unter dem Großvizirat des verstorbenen Aali Püscha waren rm Chourai-Derlet zwei Mitglieder Juden; unter dem seines Nachfolgers Mahmud Pascha, bekannt durch seinen Haß gegen alle, die nicht Muselmänner waren, war noch einer darin. Es ist m der That erstaunlich, daß unter einer Regierung, die liberal sein will und als solche vor den Augen Europas sich repräsentirt, eine solche Ungerechtigkeit gegen den treuesten Theil der Bevölkerung begangen werden kann. Ein höherer Officier gab auf eine diesbezügliche Frage die Antwort, daß die Israeliten friedlich gesinnt und keine Revolution machen, ihre Vertretung im Staatsrathe daher nicht nöthlg fei. Dieser Grund ist aber lächerlich; die deutschen, französischen, eng-

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