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Der Israelit · 1876-11-15 · Heft 46 (15.11.1876) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 46 (15.11.1876)
Date
1876-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1048 macht haben? Diese waren ein aus der Gruft gescharrtes Erbe. Unser Erbe hat niemals aufgehört, in Millionen menschlicher Herzen zu pulsiren." Als darauf Jemand bemerkt, daß die Juden häufig nicht unverdient ein schweres Schicksal erduldet, entgegnet Mordechai. „Ich rechtfertige die Wahl, wie jede andere Wahl gerechtfertigt wird," versetzte Mardochai. „Ich bewahre nichts für die jüdische Nation, ich verlange nichts für sie, als das Gute, welches allen Völkern Gutes verheißt. Der Geist unseres religiösen Lebens, das eins ist mit unserem nationalen Leben, ist nicht Haß gegen irgend etwas, außer dem Unrecht. Die Rabbinen haben gesagt, ein Vergehen wider die Menschen sei schlimmer, als ein Vergehen wider Gott. Aber was Wunder, wenn Haß in der Brust von Juden lebt, welche Kinder der Unwissenden und Unterdrückten sind, — was Wunder, da Haß in der Brust der Christen lebt? Unser nationales Leben war einzunehmendes Licht. Laßt das Centralfeuer wieder angezündet werden, und das Licht wird sich weithin erstrecken. Die Erniedrigten und Verhöhnten unserer Race werden lernen, an das heilige Land nicht als an einen Ort frommer Bettelei zu denken, umden Tod in widerwärtigem Müßiggang zu erwarten, sondern als an eine Republik, wo der jüdische Geist sich in einer neuen Ordnung manifestirt, welche auf der alten begründet ist, geläutert, bereichert durch die Erfahrung, welche unsere größten Söhne aus dem Leben der Jahrhunderte gewonnen haben. Wie lange ist es her? — nur zwei Jahrhunderte, seit ein Schiff den Anfang der großen nordamerikanischen Nation über den Öcean trug. Das Volk wuchs wie sich begegnende Wasser — sie waren verschieden an Sitten und Sekten — es kam eine Zeit, vor einem Jahrhundert, wo sie einer Staatsverfassung bedurften, und Helden des Friedens fanden sich unter ihnen. Was hatten sie, um eine Verfassung zu erschaffen, als Erinnerungen Europas, verbessert durch die Vision eines Besseren. Mögen unsere Weisen und Wohlhabenden sich als Helden bewähren! Sie haben die Erinnerungen des Ostens und Westens, und sie haben die volle Vision eines Besseren. Ein neues Persien mit einer gereinigten Religion vergrößerte sich an Weisheit und Kunst. So wird ein neues Judäa, welches das Gleichgewicht zwischen Osten und Westen hält, ein Bund der Versöhnung sein. Will Einer sagen: die prophetische Vision unsrer Race ist hoffnungslos mit Thorheit und Bigotterie vermengt; der Engel des Fortschritts hat keine Botschaft für das Judenthum — es ist eine halb begrabene Stadt, welche die bezahlten Arbeiter ausdecken sollen — die Wasser strömen darüber hin wie über ein verlassenes Feld? Ich sage, das stärkste Princip des Wachsthums liegt in der menschlichen Wahl. Die Söhne Juda's haben zu wählen, auf daß Gott sie wieder auserwähle. Die messianische Zeit ist die Zeit, wo Israel den Willen haben wird, das nationale Banner aufzupflanzen. Der Nil überschwemmte das Land und trat aus seinen Ufern: der Aegypter konnte nicht die Ueberschwemmung wählen, aber er wählte die Arbeit und grub Kanäle für die befruchtenden Wasser, und Aegypten ward das Land des Getreides. Soll der Mensch, dessen Seele in dem königlichen Vorrecht des Urtheils und Entschlusses besteht, seinen Rang verleugnen und sagen: „Ich bin ein Zuschauer, verlangt keine Wahl und keinen Vorsatz von mir"? Das ist die Blasphemie dieser Zeit. Das göttliche Princip unserer Race ist That, Wahl, entschlossene Erinnerung. Laßt uns der Blasphemie widersprechenund dazu behiflich sein, unsere eigene bessere Zukunft und die bessere Zukunft der Welt zu wollen, — nicht auf unseren höheren Beruf verzichten und sagen: „Laßt uns sein, als ob wir nicht unter den Völkern existirten", sondern unser volles Erbe wählen, die Verbrüderung unserer Nation fordern, und sie zu einem neuen Bruderbünde mit den Völkern gestalten! Die Verheißung ist da: sie wird erfüllt werden." Man darf nun nicht meinen, das die Verfasserin etwa eine pietistische Christin sei, die am Ende auf einen Uebergang in das Christenthum spekulirt und etwa, wie die Jrvingianer, eine zweite Erlösung durch den wiedererftandenen christlichen Religionsstifter erhofft — nichts von allem dem; sie urtheilt gan; objectiv; sie will das Judenthum so erhalten wissen, wie es ist, bis daß die Zeit kommt, daß der jüdische Cultus im heiligen Lande wieder hergestellt wird werden, und davon erhofft sie das Heil der Welt. Man könnte nun fragen, warum, bei solchen Ansichten, die Verfasserin nicht selbst Jüdin wird; aber auch für diese Frage liegt die Antwort im Buche: um ein echter, rechter Jude zu sein, muß man, sagt sie, ein jüdisches Herz haben, muß die ganze Vergangenheit Israels angeboren, muß man Jude von Geburt sein. Die Haupthelden des Romans sind Juden, fast lauter edle, musterhafte Gestalten. Es ist im höchsten Grade herzerfreuend, so über Juden und Judenthum urtheilen zu hören. O, wenn doch solche Ideen sich in unfern eigenen Kreisen verbreiten möchten, wenn wir es doch lernen wollten, die großen Schätze zu würdigen, die wir besitzen.

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