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Der Israelit · 1876-11-08 · Heft 45 (8.11.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 45 (8.11.1876)
Date
1876-11-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1035 Ich fühle mich um so mehr zur Bertheidigung gegen jene Anklage in Nr. 37 aufgefordert, da man mir sowohl als den übrigen zwei Angestellten der hiesigen Gemeinde die Verträge gekündet — und zwar auf amtlichem Wege —?! und ich mir bis dato noch keine andere Stelle erworben. B. Taub e, Religionslehrer und n'Vty. (Aus obiger Vorstellung geht nur um so eclatanter hervor, wie sehr die religigiösen Zustände der isr. Gemeinde zu Zürich eine Hebung und Verbesserung bedürfen. Nur dieses hat der Herr Correspondent in Nr. 37 constatiren wollen; es lag ihm jedoch fern, gegen die Herren Religionslehrer irgendwelche Anklage zu erheben oder sie für die traurigen Zustände verantwortlich machen zu wollen. * Red.) Feuilleton. Prosclytc». Von Friedrich Rott. XXV. ' „Es ist eine schwere, schwere Bitte.—" „„Um so besser, um so mehr werde ich eilen, sie zu erfüllen. Aber warum zögern Sie? reden Sie, ich bitte, und gelte es eine Million, ich würde sie mit Freuden opfern."" ' „Herr Graf," sprach Leo nach einiger Ueberlegung, „meine Schwester war Jüdin." »„Ich weiß es, ich weiß es, nun? und?"" — „Sterbend ersuchte sie mich, Ihnen zu sagen, daß nach jüdischer Anschauung kein Jude je aufhören könne, Jude zu sein, und hätte er zehnmal seine» Glauben abgeschworen, daß daher in ihrer letzten Stunde auch sie sich als Jüdin betrachtet habe." „„Sei es," entgegnete der Graf, „„ob Jüdin oder Christin, sie war das herrlichste, das edelste Geschöpf — doch Ihre Bitte, Ihre Bitte."" „Herr Graf, nach jüdischer Anschauung richtet sich die Religion der Kinder nach der der Mutter. Ist die Mutier Jüdin, so sind die Kinder Juden — mag auch der Vater einer andern Confession angehören — Hermine war Jüdin — ihr Sohn ist Jude. — Hermine läßt Sie, Herr Graf, rrinnern, daß Sie noch nie eine Bitte ihr verweigert, — sie läßt Sie bitten, Sie beschwören, auch die letzte, freilich die schwerste, zu erfüllen." Er hielt inne. „„Fahren Sie fort""", drängte der Graf. „Hermine läßt Sie bitten, läßt Sie beschwören, Sie möchten den Sohn der Jüdin als Juden erziehen lassen, ihn mir übergeben!" Ein dumpfer, unartikulirter Laut entfuhr den Lippen des Grafen, er taumelte zurück, als habe er einen Schlag empfangen. So gern, so unsäglich gern hätte er die letzte Bitte der Geliebten erfüllt, doch dieses war unmöglich. Mit unregelmäßigen hastigen Schritten durchmaß er das Gemach. „Unmöglich!" murmelte er, „unmöglich!" „„Es ist die letzte Bitte Derjenigen, die Ihrer Liebe ihr Leben, den Frieden ihrer Seele geopfert."" „„Wem sagen Sie das?" rief der Graf heftig vor ihm stehen bleibend, „zu was wollen Sie die Qual meines Innern noch erhöhen?" „Ich habe meiner Schwester, meiner sterbenden Schwester das Wort gegeben, Nichts unversucht zu lassen, Ihre Einwilligung zu erlangen."" „Oh, oh! Hermine, warum hast Du mir das gethan! — einen Wunsch von Dir soll ich unerfüllt lassen! — aber ich kann ihn nicht erfüllen, es ist unmöglich." „„Daß es Ihnen schwer, sehr schwer werden würde, das sehe ich allerdings ein."" „Und die Unmöglichkeit nicht? — Leo," rief er, seine Hand ergreifend, „ich bin Freidenker, in religiöser Beziehung kenne ich keine Vorurtheile, wäre es möglich gewesen, diese theure Entschlafene als Jüdin zu meiner Gattin zu machen, ich hätte den Glaubenswechsel nimmer von ihr begehrt. Aber was Sie verlangen —" ,,„Sie vergessen, daß ich nichts verlange."" „Sie haben recht. Sie haben recht. — O Hermine, Hermine! — Giebt es denn gar keinen Ausweg? Reden Sie, Leo, giebt es keinen? ' „ „Sollte es denn in' der That unmöglich sein?"" „Unmöglich, ganz unmöglich. Ich bin außer meinem Sohn der letzte meines Geschlechts, mein Sohn ist mein Erbe, der einzige Sohn meines Stammes, wollte ich ihn Ihnen übergeben, ihn als Juden erziehen lassen, das Geschlecht der Grafen Staremberg wäre ausgestorben. O, ich bitte, sagen Sie selbst, heißt das nicht Unmögliches verlangen? Wenn Sie wüßten, wenn Sie nur eine Ahnung davon hätten, wie es mich schmerzt, ihre letzte Bitte nicht erfüllen zu können." „„Ich machte bereits meine sterbende Schwester darauf aufmerksam, daß es unendlich schwer halten werde, Ihre Einwilligung zu erhalten, aber sie verpflichtete mich, wenn mein erster Versuch fehlschlagen sollte, ihn von Zeit zu Zeit zu erneuern.

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