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Der Israelit · 1876-11-08 · Heft 45 (8.11.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 45 (8.11.1876)
Date
1876-11-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1034 angestellt. Der Ortsschulrath wollte aber das Seelenheil der Unmündigen einem Juden nicht anvertrauen, erhob deßhalb bei der Ober-Schul- Behörde Einsprache gegen ein solches Sacrilegium und untersagte dem betreffenden Lehrer den Unterricht an der Schule. Dieser beruft sich auf sein Anstellungs-Decret und wendet sich zugleich an den Ober-Schulrath mit der Bitte um Schutz in seiner dienstlichen Stellung. Dieser wird ihm zugesagt mit der Weisung, den Unterricht — die Religions- Fächer selbstverständlich ausgenommen — an den ihm überwiesenen Classen unbedingt zu ertheilen. Man stellt nun dem Ober-Schulrathe Unruhen als unausbleibliche Folgen in Aussicht, wenn die Ernennung des „Juden" als Lehrer an der Schule zu Breiten nicht zurückgenommen werde, und die Ober-Schul-Behörde gab nach, Lehrer L. erhielt den Laufpaß. Einer der Haupt-Wortführer der dortigen National-Liberalen leitete die Agitation gegen den israelitischen Lehrer." Schweiz. Zkvich, 2 >. Oct. In Nr. 37 Ihres geschätzten Blattes findet sich eine Notiz über die religiösen Verhältnisse der hies. isr. Gemeinde welche Jeden, dem an unserer Gemeinde gelegen ist. betrübt in die Zukunft blicken läßt. Diese Notiz bedarf einer Berichtigung, um deren Aufnahme ich Sie höflichst bitte. Wahr ist es, daß die Gemeinde seit der Entfernung des Herrn vr. Löwin ohne Rabbiner ist; aber nicht auch seit damals ohne Vorstand, wie jener Notiz zu entnehmen war. Die Vorstandskrisis trat erst im Monat Mai ds. I. ein und zwar aus dem Grunde, weil man dem gewesenen Vorstande sein Amt verbittert hatte. Bei einer im Januar d. I. abgehaltenen Generalversammlung wurde beschlossen, einen Rabbiner anzustellen und der Vorstand beauftragt, die Stelle auszuschreiben. Nachdem aber dies geschehen und viele Bewerber sich meldeten, hieß es wieder: ,,Wir brauchen und wir wollen keinen Rabbiner!" Es liegt im Uebrigen nicht in meiner Absicht, über die Gemeinde-Verhältnisse zu schreiben. Wohl aber fühle ich mich in eigener Sache aufgefordert, über die Aeußerung: „Unsere Kinder wachsen ohne genügenden Religionsunterricht auf" mich näher auszusprechen. An der hiesigen aus 4 Klaffen bestehenden Religionsschule unterrichten Herr M. G. Dreifuß und Schreiber dieses. Ich darf es in dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung ungescheut sagen, daß man dem betreffenden Lehrerpersonal in keiner Weise den Vorwurf eines ungenügenden Religionsunterrichts machen kann. Wohl aber ist der Religionsunterricht ungenügend, weil ihm von Seiten der Eltern wenig, oder vielmehr gar kein Gewicht beigelegt wird. Man hält den Religionsunterricht für eine ro-o, für eine Nebensache aller Nebensachen. Beweise hierfür liegen an folgenden Thatsachen: 1) Daß der Schulbesuch ein sehr nachlässiger ist, der geringste Anlaß benutzt wird, die Kinder vom Religionsunterricht zu dispensiren. Es werden Gründe als Entschuldigungen angegeben, die man in einer andern Schule sich gewiß nicht erlauben würde. So kommen unter anderm z. B. vor: „Ich habe es vergessen." „Wir hatten Besuch." „Ich war eingeladen." , Ich hatte Tanzstunde u. dgl. m. 2) Daß die Schule von dazu Berufenen nie besucht wird. Seit Anfang d. I. ist die Schule nur ein einziges Mal von einem Gemeindemitglied besucht worden. 3) Es werden der Schule nur wenige Stunden gewidmet und vergevlich wünschten die Lehrer eine größere Anzahl Stunden zu ertheilen. Als Beweis hierfür diene Folgendes: Die Kinder der ersten Klasse hatten bis Ostern d. I. nur 2 Stunden wöchentlich. Nach Ostern ordnete ich für dieselben Kinder, da sie in die 2. Klasse befördert wurden und mehr zu lernen haben, 3 Stunden wöchentlich an. Da wurde ich von Eltern interpellirt, warum jetzt die Kinder eine Stunde mehr haben müßten, zwei Stunden seien noch mehr als genügend. Die Kinder werden sonst so viel in Anspruch genommen u. s. w. Dessen ungeachtet blieb ich doch bei drei Stunden. 4) Ein von Herrn Dreifuß vor 4 Jahren entworfenes, von der Vorsteherschaft sanetionirtes und an alle Mitglieder vertheilies Reglement zur Handhabung der Disciplin, steht heute noch immer auf dem Papier gedruckt zu lesen; aber weder Vorstand noch die Eltern interessirten sich dafür, dasselbe zur Förderung der Schule zu beobachten, ungeachtet der Beschwerden von Seiten der Lehrer. Im Uebrigen glaube ich, daß auch bei größerer Stundenzahl und bei besserem Schulbesuch der Religionsunterricht dennoch nicht genügend sein würde. Denn was nützt aller Unterricht, wenn die Kinder zu Hause nicht darin gefördert werden! Wird je ein Kind es zum geläufigen Lesen bringen können, wenn es nicht mehr als in den paar Schulstunden sich üben würde? Was nützt das Lesenlernen, wenn das Kind zu Hause nicht zum Beten angehalten wird? Wohl ist der hiesige Religionsunterricht ungenügend, aber dieser Uebelstand darf keineswegs den Lehrern, sondern er muß dem Jndifferentismus der ganzen Gemeinde zur Last gelegt werden.

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