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Der Israelit · 1876-11-08 · Heft 45 (8.11.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 45 (8.11.1876)
Date
1876-11-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1027 feit und schnöde Aeußerungen des Stolzes oder der Herrschaft. So erwirbt sie sich Liebe, Willigkeit und Gehorsam. Sie ist gütig gegen Alle, die mit der Familie in irgend einer Verbindung stehen. Ihre Liebe und Freundlichkeit versöhnt selbst die Feinde des Hauses, und in Eintracht lebt sie mit den Nachbarn. Sie ist gütig gegen die Armen, die ihre Schwelle betreten. Was sie gibt, spendet sie in liebevoller Freundlichkeit, voll inniger Theilnahme für das harte Geschick der Bedürftigen. Aber sie wartet nicht ''mmer. bis die Armen zu ihr kommen, sie sucht das Elend auf in den Hütten der Armuth, in den Dachkammern großer Städte und wendet den Ueberfluß des Hauses dazu an, zu helfen, wo es nur immer möglich, zu lindern wenigstens, wenn Hilfe außerhalb ihrer Macht steht. So waltet die jüdische Mutter des Hauses, und wenn Gott sie von hinnen ruft, da ist der Schmerz um ihren Verlust groß, und reichlich und immer wieder fließen die Thränen. Aber den Schmerz und die Thränen überdauern die heilsamen Folgen ihres Waltens. Ihre Söhne und Töchter, ihre Enkel und Enkelinnen lassen reichlich die gute Saat aufgehen, die sie gesaet. und die Erinnerung an sie gereicht Allen zum Segen. Die jüdische Gemeinde zu Dremen. Am 13. September fand die Einweihung der neuen Synagoge in Bremen statt. Um dieses Factum richtig zu würdigen, muß man sich vergegenwärtigen, daß vor drei Decennien noch kein. Jude in Bremen wohnen durfte, daß erst das Jahr 1848 den Juden die Bremer Thore öffnete, und daß sich heute eine über 100 Mitglieder zählende Gemeinde daselbst befindet, die nun auch bereits im Besitz eines würdigen Gotteshauses ist. Nach diesen Vorbemerkungen wird man das Interesse begreifen, das sich für jedes einzelne Gemeindemitglied an dieses neu errichtete Gotteshaus knüpft, das aber noch in anderer Hinsicht sich als wahres doidd rva, „Sammelhaus", schon vor seiner Fertigstellung bewährt hat. Schon seit Jahren hat nämlich ein innerhalb der Gemeinde aus verhältnißmäßig sehr unbedeutenden Anlässen entstandener Streit sehr lähmend auf jede gedeihliche Entwickelung des Gemeinwesens eingewirkt. Von Tag zu Tag nahmen diese Zwistigkeiten größere Dimensionen an, bis sie die Gemeinde in zwei ungleiche Theile theilten, die schließlich sogar die Hilfe dev Gerichte in Anspruch nahmen. Dieser ursprünglich aus Differenzen bezüglich der Verwaltung, der Handhabung der Gemeindestatuten u. dgl. entstandene Zwiespalt nahm im Laufe der Zeit eine derartige Gestaltung an, daß die Minorität sich vorzüglich als gesetzestreuen und die Majorität sich vorwiegend aus der Reform geneigten Elementen zusammensetzte. Dieser Umstand konnte nicht verfehlen, die Gegensätze unwillkürlich noch zu verschärfen und so bot die Bremer Gemeinde Jahre hindurch ein Bild trostloser Zerrissenheit, an das man nicht ohne schmerzliche Empfindung denken kann. Es liegt uns fern, heute, da das neue Gotteshaus Alle wieder vereinigt, unerquickliche Reminiscenzen wach zu rufen. Aber, daß das neue „Sammelhaus" nicht selber ein Stein des Anstoßes sei, daß der kaum gewonnene Gemeindefriede nicht wieder gefährdet werde, dafür möchten wir bittend und mahnend unsere Stimme erheben. Denn, falls religiöse Motive den noch immer reichlich vorhandenen Zündstoff aufs Neue zur Gluth fachen würden, falls, um unsere Befürchtungen unverblümt auszusprechen, es wahr sein sollte, daß unser von den Vätern überkommener Gottesdienst reformirt, unser neues Gotteshaus durch unjüdische Firlefanz entweiht werden sollte, so würde in der Gemeinde ein Bruch heraufbeschworen, dessen Konsequenzen heute noch ganz unabsehbar sind. —■ Daß es trotzdem Leute in unserer Gemeinde gibt, die nun einmal Reform ä tout prix wollen, ist leider eine Thatsache, die sich bei der Einweihung der Synagoge im grellsten Lichte zeigte. Angesichts dieses feierlichen Actes einigte sich die Gemeinde wieder, das Einweihungsfest war also gewissermaßen ein Friedens- und Verbrüderungsfest, bei einer solchen Gelegenheit hätte sicher Alles vermieden werden müssen, was ein gutes Einvernehmen auch nur momentan zu trüben geeignet ist, und trotzdem trug die ganze Festlichkeit ein Gepräge, das über die traurigen Intentionen, die für unfern Gottesdienst in Zukunft maßgebend sein sollen, kaum einen Zweifel übrig läßt. Das Festprogramm beginnt mit einem für gemischten Chor, Baß, Solo und Harmonium componirten Eröffnungsgesang und schließt mit einem Lied, zu dessen Charakterisirung wir nur die Worte citiren: Dir frommt ja nicht die äußere Sitte, Wenn nur das Herz zu Dir sich neigt. Wir wollen nicht von dem Hohn sprechen, womit jede einzelne Piece dieses Programms sowie das ganze Ensemble den anwesenden gesetzestreuen Gemeindemitgliedern die ganze Feier vergällen

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