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Der Israelit · 1876-11-08 · Heft 45 (8.11.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 45 (8.11.1876)
Date
1876-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1026 r»en sie mit Schmerzen und Gefahr das Leben gab, j deren Gesundheit sie mit tausend kleinen Opfern! erkaufte. Wenn alle Andern der Ruhe genießen, wacht sie in nächtlicher Stille für den geliebten Säugling. Sie hütet das Kind am Krankenlager, Horcht auf seine Athemzüge und betet in der Einsamkeit Niemand weiß es, was sie that, Niemand weiß es, was sie litt; nur Gott, dem Allwissenden, Ist es bekannt. Sie ist Hausfrau und hat für Andere zu denken Und ob sie auch erkranke: sie muß für die Gesundheit Anderer wachen; ob sie auch manche Erquickung, manche kleine Freude entbehren muß: -sie sorgt erst, daß ihre Angehörigen ihr Theil empfangen und ihre Freude genießen. Sie ist der Engel des Friedens im Hause, der sichtbare Schutzgeist häuslicher Ordnung und Glückseligkeit. Sie hat den Blick auf das Größte und Kleinste gerichtet und vergißt deren keins. Sie umfaßt Alles mit der ihr eigenen Mutterliebe und Muttersorge Wie edel steht sie da in ihrem einfachen, aber liefwirkenden Beruf! Ein schönes Bild edelmüthiger Selbstverleuguung aus Liebe! Der Mann, der mit seiner Kraft vielleicht die halbe Welt erschütterte, kann nicht inniger und anhaltender beglücken als die gute Hausfrau, auf deren bescheidenes Thun Niemand achtet. Solange Sarah lebte, erzählen die Weisen, wich die gotsgesandte Wolke nicht von ihrer Hütte, erlosch das Licht nicht in ihrer Kammer, wurde der Teig, aus dem das Brvd gebacken werden sollte, gesegnet um ihretwillen. Drei Gottesgebote sind's, welche die jüdische Hausfrau vorzugsweise zu beachten hat: n?n, rru, npp-n, die jüdischen Sitten - und Reinheitsgesetze, das Abscheiden der Challah vom Teige, das Anzünden der Lichter vor dem Beginne des Sabbats. Die gottgesandte Wolke — sie war ein Symbol der Sitten- und Reinh itsgesetze. Die gute, jüdische Hausfrau ist sittig; durch die Holdseligkeit ihres Wandels ist sie den Ihrigen ein nachahmungswürdiges Muster aller schönen Eigenschaften, und ihr religiöser S.nn verbreitet über ihre Handlungen etwas Höheres, etwas Göttliches. Ihren Kindern ist sie das Vorbild der Verehrung Gottes und seiner Vorsehung, im Gotteshause wie in der stillen Schlafkammer — so führt sie sie zu Gott, wie Gott sie ihr einst wieder zuführt. Sie ist keusch, ein Bild der Zucht und Sittsamkeit in Tagen, da thierische Wollust das Angesicht frech über Märkte und Straßen trägt, wo die Mode mehr Gewalt ausübt als Religion und Srttlichk.it. Sie weiß, Reinigkeit des Gemüths ist der köstlichste Schmuck des Weibes; wo er einmal verloren wird, ersetzt ih i aller Glanz der Juwelen und des goldenen Geschmeides nicht. Selbst den Schein meidet sie, welcher einen Schatten auf die Reinheit ihres Herzens werfen könnte. Durch die Strenge ihrer Sittsamkcit erscheint sie ihren Hausgenossen als ein ehrwürdiges, höheres Wesen, durch Worte und Lehren macht sie die lieblichste der Tugenden im Gemüthe ihrer Kinder einheimisch. Der Segen im Teige um Sarah's willen, die Challah, sie ist ein Symbol der Häuslichkeit. Die echte jüdische Mutter des Hauses ist im hohen Grade das, was wir: „häuslich" nennen. Was ihre Häuslichkeit erspart, ist der wahre Gewinn von dem, was der Hausvater erwirbt. Ihr Gedanke hält die Ordnung des Ganzen empor, und Reinlichkeit ist die liebenswürdigste Stellvertreterin oder die anmuthige Gesellin der Pracht. Die Herzen ihrer Dienstboten weiß sie durch Leutseligkeit zu gewinnen und zu führen; ohne mit ihnen zu grollen oderz >: zanken, weiß sie durch die Achtung, welche ne einflößt, Gehorsam zu erzwingen und Nachlässigkeit zu ihrer Pflicht anzuhalten. Das Anzünden der Lichter für den Sabbat, das Licht im Zelte Sarah's — np^-n — ist ein Symbol der Heiterk it, des Frohsinns, der Behaglichkeit und Helle im häuslichen Kreise. Die echte jüdische Hausmutter verleiht dem häuslichen Leben soviel Anmuth, daß nicht der Mann. nicht die Kinder sich hinaussehnen nach fremden Zerstreuungen, sondern am Liebsten in der Umgebung der Ihrigen bleiben. Alles ist der klugen, weisen, gefälligen Hausmutter möglich, die mit Liebe umfaßt, was zu ihr gehört. Sie ist gütig gegen Alle, gütig gegen den Gatten. Sie meidet Alles, was die schöne Freundschaft und gegenseitige Vertraulichkeit unterbrechen könnte, die das Glück des ehelichen Lebens machen. Vor ihm, dem Manne ihrer Liebe, hat sie kein Geheimniß; sie thut nichts, was sie ihm zu verhehlen Ursache hätte und selbst den Fehler, den sie begeht, verbirgt sie ihm nicht. Sie weiß, ein einziges Mal das Vertrauen getäuscht, macht Jahre lang Mißtrauen. Sie ist gütig gegen ihre Kinder. Dem Mutterherzen braucht ja die Liebe nicht empfohlen zu werden gegen diejenigen, die Gott ihm gab. Aber wohl gebraucht sie Vorsicht in dieser Liebe, daß nicht ein Kind verzärtelt oder vorzugsweise begünstigt werde. Sie ist gütig gegen ihre Diener, ohne Heftig-

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