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Der Israelit · 1876-11-01 · Heft 44 (1.11.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 44 (1.11.1876)
Date
1876-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1015 vorzulegen. Herr Trefort hat auch persönlich dieses Versprechen feierlich abgegeben; anstatt aber diesem nachzukommen, that er bekanntlich noch einen Schritt rückwärts, indem er in einem Erlasse erklärte , den Uebertritt. vom katholischen Glauben zum Judenthume, selbst wenn dieser in der österreichischen Reichshälfte erfolgt ist, nie als „gesetzlich" anerkennen zu wollen. Dieser Mangel eines Gesetzes über Religionsfreiheit wird aber nicht blos von den Juden, sondern auch von den Protestanten tief empfunden. In einer Generalversammlung, welche die Protestanten (Augsburger Konfession) dieser Tage unter dem Vorsitze des Herrn v. Sczedeni in Pest gehalten, führte ein Mitglied der Versammlung Klage darüber, daß katholische Geistliche oft schon protestantijche Kinder gewaltsam getauft haben. Daß vor wenigen Monaten der katholische Geistliche in Wag-Szerdahely das Kind einer jüd. Mutter aus Wag - Freistadtl ebenfalls gewaltsam getauft hat, haben wir seinerzeit berichtet. Seitens der Durchführungscommission wurde das Cultus- Ministerium bestürmt, dieser Gewaltthat eines katholischen Dorfgeiftlichen entgegen zu treten. Die Angelegenheit wurde jedoch verschleppt, bis das unglückliche Kind, welches man der jüdischen Mutter nicht herausgeben wollte, gestorben ist. Vor einigen Tagen trat ein hiesiger getaufter Jude zum Judenthume zurück. Ein jüdischer Jüngling wollte feine Tochter heirathen. Der Vater lief zur Fortschrittsgemeinde, daß man die Ehe- Verkündigung seiner Tochter vornehmen lasse. Er wurde jedoch mit seiner Bitte abgewiesen. Nun eilte er zur orthodoxen Gemeinde, wo er ebenfalls zur Antwort erhielt, daß, nachdem Minister Trefort den Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum nicht als gesetzlich anerkennen will, es die Gemeinde nicht wage, die Eheverkündigunq seiner Tochter in der Synagoge vornehmen zulasten. Der bestürzte Vater bat vergebens, daß man sich um jenen engherzigen Miniftererlaß nicht kümmern möge, da die Religionsfreiheit kommen müsse. Er wurde mit seiner Bitte abgewiesen. Der bittende Vater, der eine längere Hinausschiebung des Religionsfreiheits- Gesetzes als eine Unmöglichkeit bezeichnete, scheint vergessen zu haben, daß bei uns in Ungarn leider Alles möglich ist. (Pesth. jüd. Ztg.) Pesth. In Trencsin wollte ein Director die jüd. Zöglinge für den Versöhnungstag nicht vom Schulbesuche dispensiren und mußte das Ministerium erst über Reclamation der Landeskanzlei das Nöthige mittelst Telegraph anordnen. Dagegen ist in Ofen ein jüd. Lehrer Namens S. an der dortigen sogen. Simultanschule angestellt, welcher entgen der Verordnung, daß die jüd. Kinder am Sabbat nicht zu arbeiten brauchen, dem sich entgegenstellen wollte und selbst am Roschhaschana und am Jomkipurim in die Schule ging und wie an jedem Wochentage vortrug. (Ung. Jsr.) Pesth. Der 18jährige Ludwig Goldberger in Preßburg heirathete ein Mädchen in Bajok (Ungarn). Kaum aber war die Mitgift von 180 fl. verzehrt, als der junge Mann plötzlich verschwand und sich in Belenke durch einen Schochet mit einem zweiten Mädchen trauen ließ. Das Geheimniß der ersten Ehe wurde aber daselbst bald entdeckt und Goldberger dem Strafgerichte eingeliefert, welches ihn wegen Polygamie zu 2^2 Jahren Kerker verurtheilte. Der oberste Gerichtshof minderte das Strafmaaß auf 1V2 Jahre ab. (W. Jsr.) Rumänien. Bukarest. Die Adresse der italienischen Juden an ihre Regierung, worin um Nichtannahme der restrictiven Clausel gebeten wird — wonach ein etwa bei uns ansässiger italienischer Bürger mosaischer Confession nicht dieselben Rechte wie der Christ genießen darf — falls sie mit Rumänien eine Handelsconvention abschließen sollte, und die Zusage des Ministers haben abermals zu „Höflichkeitsbeweisen" für die Juden in unserer Presse geführt. Die Herren weisen Italien die Thür und sagen sich von jeder „Verwandtschaft" mit ihm los, falls es den Wunsch der Juden erfüllen wollte. Zu dieser brutalen Sprache mag unsere Presse durch die mir von befreundeter Seite gemachte Mittheilung, daß England. Frankreich und selbst Deutschland dieselbe Restriktion rückfichtlich ihrer Unterthanen adoptirt haben, ermuthigt worden sein. Feuilleton. Prosrtytr«. Don Friedrich Rott. XXIV. „Das sagte er? Gott sei Dank! Gott sei Dank! Dann wäre ja Alles geebnet. Gleich morgen werde ich mit ihm sprechen. Aber zuvor muß ich Dir, Geliebte, noch etwas mittheilen. Komm, setze Dich zu mir und lasse mir Deine Hand. —

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