Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1876)
- Date
- 1876-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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schlug. Dann wandte er sich an Herrn Bernstein und sprach: „Herr Bernstein, helfen Sie mir! Legen Sie ein gutes Wort für mich ein bei Ihrer Tochter. Ich will nicht von meinem Vermögen, von meiner Stellung sprechen; ich will nicht davon reden, daß ich Sie und Ihre Fräulein Tochter einer Ihrer unwürdigen und ungewohnten Lage entreiße, ich will nur geltend machen, daß mein Lebensglück in der Hand Ihrer Tochter liegt. Bitte, Herr Bernstein, reden Sie für mich." „„Theresa, mein Kind,"" sagte Bernstein, „„wenn der Herr Baron Dich aufrichtig liebt, so solltest Du wirklich nicht so entschieden seinen Antrag ablehnen. Du könntest Zeit verlangen, Bedingungen stellen . . . ."" „Alles, Alles," rief der Baron, „will ich eingehen, Alles, was Sie verlangen, nur weisen Sie mich nicht ganz zurück!" „„Ich muß bei meiner entschiedenen Weigerung verharren. Was ich damals vielleicht gethan hätte, um meinen Vater vor Schande zu bewahren — heute fallen diese Rücksichten weg. Wenn derHerr Baron mich wirklich geliebt hätte, so würde er mir keinen entehrenden Antrag gestellt haben, er würde. — bei seinen ungeheuren Mitteln — meinen geliebten Vater nicht der Schande preisgegeben haben. Nein, Herr Baron, ich kann nicht Ihre Gattin werden. Ich bin nicht stolz; ich gebe Lectionen um geringen Lohn und ertrage die Unarten von Eltern und Schülerinnen mit Geduld. Aber ich bin stolz aus meine Selbstachtung; ich kann mich nicht wegwersen, ja, wegwersen, Herr Baron, an einen herzlosen Egoisten, nicht für alle Millionen in der Welt, an einen Egoisten, Herr Baron, ohne Charakter, ohne Grundsätze, ohne sittlichen Halt. Verzeihen Sie, Herr Baron, meine harte und offene Sprache; Sie zwingen mich dazu. Auch Ihre heutige Werbung ist nur der Ausfluß Ihrer Selbstsucht. Die gütige Vorsehung hat mich zum Werkzeuge Ihrer Rettung aus kritischer Lage gemacht — dadurch erscheine ich Ihnen begehrenswerth, selbstlos genug, um einen Egoisten gleich Ihnen zu beglücken. Wenn Sie mich früher schon wahrhaft geliebt hätten, warum haben Sie bis heute gewartet, meine Verzeihung für das Entsetzliche, was Sie mir gethan, zu verlangen? Aber Sie speculirten auf unsere Armuth, Sie dachten, die Noth würde mich Ihnen dennoch in die Arme treiben! Nein, Herr Baron, ich kann, ich will nicht Ihre Gattin werden."" „Sie haben mir harte Worte gesagt, Fräulein Bernstein, Worte, wie noch Niemand sie mir zu sagen gewagt hat. Aber Sie haben ein Recht, mir die Wahrheit zu sagen, und ich erkenne es nur zu wohl, daß alle Ihre Worte die reinste Wahrheit enthalten. Sie haben Recht, ich bin Ihrer nicht werth; aber ich appellire an Ihr Erbarmen. Ich liebe Sie nur um so heißer, jemehr Sie mir Gelegenheit geben, Ihren hohen Geist zu bewundern, Ihren Scharfblick zu erkeunen, Ihre edlen Grundsätze anzustaunen. Setzen Sie Ihrem Edelmuthe die Krone auf und geben Sie mir Hoffnung!" Theresa schwieg. „Meine Tochter," sagte Herr Bernstein, „ich bitte Dich. Um meinetwillen weise den Herrn Baron nicht gänzlich ab " „„Ich muß, mein Vater, ich kann nicht anders."" „Ist das Ihr letztes Wort?" „ „Mein entschiedenes, unabänderlichesWort."" Der Baron wankte hinaus. Als Hohenacker sich entfernt hatte, brach Theresa in ein krampfhaftes Weinen aus. Erschreckt sprang Bernstein auf sie zu. „Theresa, meine Tochter, was ist Dir?" fragte er besorgt. Sie lehnte schluchzend das Haupt an die Brust des Valets. „„Mein Vater,"" stammelte sie, „„ich liebe ihn, liebe ihn mehr als mein Leben."" „Und dennoch hast Du ihn abgewiesen?" „„Konnte ich ihn annehmen? Lebt er doch nicht als Jude."" „Du hättest das zur Bedingung stellen können; ich hatte es angedeutet." „ „Und hätte solche eine Umwandlung, mir zu Liebe, einen Werth? Nein, glaube mir, lieber Vater , er hätte sich eine Zeit lang bemüht, mir zu Gefallen zu leben, dann aber wäre er in die alten Gewohnheiten zurückgefallen. Nein, es ist besser so; ich werde auch das überwinden."" „Mein Kind, ich bin stolz darauf, Dein Vater zu sein. Mein Vermögen, meine Stellung in der Welt habe ich verloren; aber Du bist mir geblieben, und Du, meine Tochter, bist mehr werth als alle Schätze der Welt. Gott segne Dich, mein Kind, Gott segne Dich." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)