Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1876)
- Date
- 1876-11-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1010 sieben Personen verurtheilt: drei erhielten vier Wochen, drei andere drei Wochen und der Buchbinder zwei Wochen Arrest. Die Verurtheilten haben appellirt, und so wird auch diese Angelegenheit wohl bis vor den obersten Gerichtshof gebracht werden. Italien. Venedig. Die Prinzessin Margherita hat bei ihrer Abreise von hier dem Herrn Levi einen prachtvollen Brillantring zum Geschenk gemacht als Anerkennung für das von ihm componirte Lied mit dem Titel „Margherita". In Venedig wurden viele israel. Frauen, als sie am dp zur Synagoge gingen, von Christen angefallen und ihre Kleider beschmutzt. (Jew. Chr.) Frankreich. Paris.' Mit Recht beklagen sich „Arch. Jsr." über die Rabbiner, daß sie nicht rechtzeitig bei der Militärbehörde sich dafür verwandt haben, daß die jüdischen Soldaten und Reservisten in Paris an den isr. Feiertagen vom Dienste befreit wurden. Am verflossenen d*.’ konnten die isr. Soldaten nicht einmal auf eine Stunde den Gottesdienst besuchen. „Arch. Jsr." weisen in dieser Beziehung auf das Beispiel in Deutschland hin, wo fast überall die Soldaten an allen Feiertagen vom Dienste dispensirt werden. Und dazu hat das französische Judenthum noch eine extra ofsicielle Vertretung der Regierung gegenüber; aber das isr. Centralconsistorium scheint so sehr mit anderen Dingen in Anspruch genommen zu sein, daß es an die isr. Soldaten gar nicht denken kann. Bordeaux» Herr Osiris Jffla, der, wie wir früher mitgetheilt haben, der portugiesischen Gemeinde zu Paris, auf eigene Kosten eine Synagoge bauen läßt, hatte nn Jahre 1863 auf dem hiesigen isr. Begräbnißplatz den Raum von zehn Begräbnißstätten erworben, wodurch ihm das Recht geworden, zu bestimmen, wer daselbst begraben werden solle. Nach einem alten Gebrauch in der hiesigen Gemeinde werden alle Mitglieder in der Reihenfolge ihres Todes nebeneinander begraben; doch kann jeder für 1000 Fr. eine Grabstätte neben der eines soeben begrabenen Verwandten, die dann für ihn reservirt bleibt, kaufen. Herr Jffla wollte nun die voni hm erworbenen zehn Begräbnißstätten, in ein großes Gewölbe verwandeln und darüber ein Mausoleum erbauen lassen, in welchem dann die Särge seiner Familienmitglieder beigesetzt werden sollten. Hiegegen machte die isr. Gemeinde Einwand, weil sie die alte Begräbnißordnung nicht geändert wissen wollte. Der Civilgerichtshof, vor dem diese Angelegenheit zur Entscheidung gebracht worden, entschied zu Gunsten der Gemeinde. Bemerkenswerth bei diesem Prozesse war, daß sowohl das öffentliche Ministerium, als auch der Advokat und die beiden Parteien Israeliten waren. Montpellier. Der hiesige Stadtrath hat angeordnet, daß bei allen Metzgern, mit Ausnahme den israelitischen, die Brüneau'sche Schlacht- Maske eingeführt werde und jede andere Methode zur Tödtung tes Viehes verboten sei. (Un. Isr.) Nizza. Ein Herr Mayrargues hatte vor seinem Tode ein „Civilbegräbniß" für sich angeordnet. Dies letztwillige Bestimmung ist aber für uns Juden eine Lächerlichkeit; denn bei uns ist ja keine ofsicielle Vertretung der Geistlichkeit bei solchen Gelegenheiten nöthia, und wie oft kommen nicht Begräbnisse vor, wo kein Rabbiner oder Cantor zugegen ist! Das ist wohl auch die Ursache der von uns nach den „Arch. Jsr." mitgetheilten Streitigkeiten zwischen den Reformern und den Orthodoxen daselbst. England. London, 25. Oct. In der gestrigen Sitzung des „Board of Guardians of the City" wurden die Verhandlungen über den Findling Samuel Fountain vorläufig zu Ende geführt. Obgleich der Oberrabbiner Dr. Adler erklärt hatte, daß bei den obwaltenden Umständen der Knabe nach jüdischen Gesetzen ein jüdisches Kind sei, wurde nach langer Discussion beschlossen, das Kind nicht herauszugeben, es vielmehr so lange in der protestantischen Religion erziehen zu lassen, bis es selbst im Stande ist, in Bezug auf seine Religion eine Entscheidung zu treffen. In Folge dieses Beschlusses wird diese Angelegenheit wahrscheinlich vor das Parlament gebracht werden. London. Zu der vom Eomite der „Sir Moses Montefiore-Stiftung" ausgeschriebenen Stelle eines Agenten für das heil. Land haben sich nicht weniger'als 45 Personen gemeldet. Am 19. Oct. wurde die Wahl getroffen, die auf Hrn. Pinn es aus Rußland gefallen ist. Doch sollen vorläufig, bis die Wirren im türk. Reiche beseitigt sind, keinerlei Unternehmungen veranstaltet werden. (Jew. Chr.)