Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-10-25 · Heft 43 (25.10.1876) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 43 (25.10.1876)
Date
1876-10-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447685--13029-2468879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

985 tracht wieder herzustellen, wo sie gestört war. Ganz besonders als Vorstandsmitglied der Gemeinde entwickelte er bei allen wichtigen Angelegenheiten, zumal wo es galt, ein religiöses Interesse zu fördern, eine seltene Energie und Thätigkeit und suchte seinen Einfluß da stets geltend zu machen, wo er es für nöthig und heilsam fand. Erwar sparsam mit dem Corporationsvermögen, geizte aber nicht, wo es zu edleren Zwecken verwendet werden sollte. So hinterließ der nur noch im Geiste bei uns Weilende leuchtende Spuren seines Wirkens, aber auch eine tiefe, schmerzliche Lücke, die in unserer Gemeinde noch lange fühlbar sein dürfte. Denn wenn es auch hier noch nicht an Männern fehlt, die einigermaßen Ersatz für den erlittenen Verlust bieten könnten, so muß doch erst die Zukunft es lehren, ob diese mit ihrer Kraft auch den Willen verbinden, dem Gemeindewesen zu dienen, daß jedoch der Sinn für gemeinnütziges Wirken in unserer Mitte noch nicht erloschen und die Anerkennung des Verdienstes um das Gemeinwohl bei uns noch nicht fehlt, bekundete unsere Gemeinde besonders durch die Abschiedsfeier, welche dieselbe zu Ehren ihres bescheidenen Vorstandsmitgliedes veranstaltete. Ja, es war ein seltenes Fest, welches am vergangenen rottf ’ksis gefeiert wurde. Gegen hundert Personen waren versammelt, um mit dem scheidenden Freunde, wenn auch in wehmüthiger Stlmmung, noch einige fröhliche Stunden zu verleben. Es wurden da nicht nur materielle, sondern auch geistige Genüsse durch Ansprachen und Toaste geboten. Den Reigen eröffnete unser Rabbiner, Herr vr. Stiebel. mit einer Anrede an die Versammlung, in welcher er die Bedeutung des Festes klar zu machen suchte und unter Zugrundelegung der Worte ninan kh nason moa inr»N nachwies, wie das Fest der Gemeinde noch zu weit größerer Ehre gereiche, als dem Scheidenden, welchem Letzteren beim Schlüsse des Vortrages er die Versicherung gab, nach Kräften dafür zu sorgen, daß all' die Institutionen, zu deren Erhaltung er so thatkräftig und erfolgreich mitgewirkt, der Gemeinde auch unversehrt erhalten bleiben. Verherrlicht wurde das Fest durch die Anwesenheit des Schwagers des Gefeierten, Herrn vr. Berliner, Docenten am Rabbinerseminar in Berlin, welcher der an ihn durch das Fest- Comitö ergangenen Einladung folgend, hierher kam und besonders das Festmahl durch recht inhaltsreiche Reden würzte. Es folgten die Toaste auf den Scheidenden, dessen Gattin, die sein edles Streben stets unterstützte, auf die Damm, die bei dem Feste nicht fehlen wollten. Recht vom Herzen kommende Worte sprach auch einer unserer ältesten min hdi^, Herr Gabriel Herzbero. Den ergreifendsten Moment bildete jedoch die inhaltsreiche und logische Rede des Gefeierten selber, der tiefergriffen und unter Thränen hervorhob, wie schwer ihm die Trennung falle „vom Lande seiner Thätigkeit, von seinem Geburtsorte und seinem Familienkreise" und dann legte er den Gesammelten an's Herz, stets für n"a und moy min Sorge tragen zu wollen. Einen Beweis feiner Anhänglichkeit an hiesige Gemeinde lieferte er dadurch, daß er beitragendes Mitglied aller Vereine blieb und versprach, alle D\mnn D’O’ hierher zu kommen, um wie bisher so auch ferner hier seine Function als n^n auszuüben. Möchte der nun in der Ferne Weilende sowohl als alle Mitglieder unserer Gemeinde uud ganz besonders die Vorstandsmitglieder, welche G. s. Dnoch zu den Braven und Wackern in Israel gezählt werden können, in der geschilderten Ovation, welche dem Verdienstvollen gebracht worden, einen Sporn mehr zu frommem, unermüdlichem Streben finden und wie bisher so noch lange in ungetrennter und ungeschwächter Thalkraft heilvoll und segensreich wirken. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. In das Comptoir der Gebrüder Gut mann, Stadt, Kantgasse Nr. 6, kam vorigen Donnerstag ein junger, anständig gekleideter Mann, welcher ein vom 8. d. datirtes Empfehlungsschreiben, das die Unterschrift: „Dr. Frankfurter, Rabbiner in Bielitz," trug, überreichte. Der Procurist der Firma, Heinrich Wittmann, ein gebürtiger Bielitzer, ließ den jungen Mann, der sich als ein Hörer der Rechte gerirte, arretiren, weil er sich sofort die Ueberzengung verschafft hatte, daß das Empfehlungsschreiben falsch und der Ueberreicher ein Schwindler sein müsse. Dr. Frankfurter ist nämlich vor zwei Jahren gestorben. Der Verhaftete, Samuel Kramer mit Namen, wurde dem Polizei- Commissariate in der innern Stadt eingeliefert und dort als ein Mitdlied einer weitverzweigten internationalen Schwindlergesellschaft entlarvt, die auf Grund gefälschter, mit nachgeahmten amtlichen und privaten Stampiglien versehener Empfehlungsbriefe seit Jahren sehr bedeutende Unterstützungen von bekannten Wohlthätern herauslockte. Samuel Kramer, aus Oswiecim in Galizien gebürtig. 20 Jahre alt, absolvirte mehrere Gymnasialclassen. gab jedoch im Anfänge des Jahres 1875 sein Studium auf und betrieb seither Betrügereien auf die erwähnte Art in sehr umfangreicher Weise und sozusagen professionsmäßig. Das Erträgniß war ein glänzendes, und daher kam es auch, daß er ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.