Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1876)
- Date
- 1876-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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984 binerconferenz ein Referat zu unterbreiten über eine Reihe von Fragen, deren wichtigsten in Kürze etwa folgendermaßen lauten: I. 1) Wie sind die in unserer Provinz bestehenden Religionsschulen eingerichtet? 2) Welche Mängel haften denselben an? 3) Wie ist diesen Mängeln abzuhelfen a) in pecuniärer, b) in pädagogischer Beziehung? 4) Wie ist eine allgemeine Theilnähme der jüdischen Jugend an dem hebräischen Unterrichte zu erzielen? 1) Welcher Weg empfiehlt sich, um für die jüd. Geistlichen dieselbe amtliche Stellung und gleiche Behandlung mit den Geistlichen anderer Confessionen seitens der Behörden anzustreben? 2) Wie ist eine engere Verbindung zwischen den Amtsgenossen in der Provinz herzustellen? 3) Welches sind die dem Stande angemessenen Bedingungen der Anstellung eines Rabbinen? HI. 1) Simultanschule oder confessionelle Schule. 2) Welche Stellung nimmt der jüd. Religionsunterricht in diesen beiden Arten der Volksschule ein und welche soll er einnehmen? IV. 1) Die Versammlung conftatirt: Ein jüd. Lehrerseminar, welches seine Zöglinge zugleich zu Cantoren ausbildet, ist eine Lebensfrage für die jüd. Gemeinden unserer Provinz. 2) Zwei Referenten werden beauftragt, die bestgeeigneten Mittel und Wege ausfindig zn machen, durch welche die Gründung eines solchen Instituts in der Provinz zu ermöglichen sei. Nach Wahl der bezeichnten Referenten wurde ein Ausschuß ernannt, bestehend aus den Herren DDrr. Horovitz, H olla n der und Lewin, welcher bis zum für das Frühjahr 1877 beabsichtigten Zusammentreten der allgemeinen Versammlung mit der Leitung der Conferenz-Angelegenheiten betraut wird. Der Ausschuß wie die Referenten erbitten und erhoffen die nachdrücklichste Unterstützung seitens der Amtsgenossen wie der jüdischen Gemeindevorsteher der Provinz, besonders in der Mittheilung der unerläßlichen, statistischen Daten. Wie sehr diese Versammlung ein Postulat der öffentlichen Meinung in den jüdischen Kreisen unserer Provinz erfüllt hat, zeigte das freudige Entgegenkommen der Gemeindemitglieder in Gnesen, die sich beeiferten, den fremden Rabbinen zu zeigen, wie hoch sie die Männer ehren, welche endlich aus der unglückseligen Jsolirung hinauszutreten den Muth hatten und über alle Parteistreitigkeiten hinweg sich verbinden zu gemeinsamem Wirken, zur Einheit in der Vielspaltigkeit, diallein dem Aufschwünge des Judenthums eine feste Grundlage verleiht. Die Gemeinde Gnesen hat mit ihrer freundlichen, herzgewinnenden Aufnahme der Gäste den periodischen Provinzial-Rabbiner-Versammlungen ein günstiges Omen mit auf den Weg gegeben. Wir hoffen, daß es sich nicht als trügerisch erweisen werde. Filehne, 18. October. Wenn folgende Mittheilung mehr eine innere Angelegenheit unserer Gemeinde betrifft, so glaube ich, daß dieselbe doch auch insofern allgemeines Interesse beanspruchen dürfte, da durch dieselbe documentirt werden soll, daß dem redlichen und ernsten Streben zur Förderung religiöser und humaner Interesse die Anerkennung nie versagt bleibt, und so könnte dieser Bericht vielleicht dazu beitragen, die geehrten Leser dieses Blattes zu segensvollem Wirken zu ermuthigen und anzuivornen. Dieser Tage hat aus geschäftlichen Rücksichten ein Mann unsere Stadt verlassen, um nach Frankfurt a. d. O. ü!'erzusiedeln, dessen Verlust tief in unserer Gemeinde empfunden wird, in welcher er als Mitglied des Corvorationsvorstandes, als Vorstand des Beth hamidrasch, der Chewrat bikkur cholim, der Chewrah kadischah, des Frauenvereins, der Elementarschule und als Aufsichtsrath des Vorschußvereins in der edelsten und hingehendsten Weise ersprießlich und wacker gewirkt.. Es ist dies der Kaufmann L. Struck. Sohn des seligen Rabbiners R. Michael Struck b"r. Weit über das Weichbild unserer Gemeinde hinaus erstreckte sich sein Wirken, zumal er als oft nach der Ferne berufen wurde. Schon daraus, daß alle hier bestehende Vereine ihn zum Vorstand erwählten, ist das große Vertrauen zu erkennen, welches ihm von allen Seiten entgegengebracht wurde. Und er verstand es, dieses Vertrauen in hohem Maße zu rechtfertigen. Obwohl durch sein Geschäft vielfach in Anspruch genommen, versäumte er es doch nicht, täglich auch D’ny ya-p mnp zu sein und vernachlässigte nie eines der ihm übertragenen Aemter, erfüllte vielmehr die ihm auferlegten Obliegenheiten mit seltener Hingebung und Aufopferung an Zeit und Kraft. Er war unermüdlich mit Rath und That beizustehen, wo nur irgend eine Gelegenheit sich ihm geboten und scheute keine Anstrengung, die Ein-