Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1876)
- Date
- 1876-10-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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976 der Mann, wie er in der gegenwärtigen Zeit und in Ungarn besonders Noth thut, denn in ihm vereinigt sich alles, was die Vollkommenheit eines jüdischen Seelsorgers bedingt; tiefe Kenntniß, reine Gottesfurcht und die festeste Rechtschaffenheit. Hier zu Lande, wo seit Jahren die luftigen Schwindeleien Boden zu fassen suchen, wo man an heiligster Stätte mit leeren Formen und Phrasen die Zeit auszufüllen sucht, ist es gewiß woh'.thuend und erhebend, wahrzunehmen, daß jüdische Herzen Gelegenheit haben, sich an der lautern Wahrheit des Gotteswortes zu nähren und zu kräftigen, daß man den Lehrer des Gotteswortes für jüdischen Glauben eintreten sieht. — Dr. Breuer gleicht nicht jenen, die menschliche Rücksichten gellen lassen, sondern er faßt seinen Beruf von der rechten Seite auf. ihm ist das Judenthum die Hauptsache und nur jüdischer, echt jüdischer Geist ist in ihm zu finden. Wahrend seiner kurzen Wirksamkeit hatten wir Gelegenheit, ihn sechsmal zu hören, und jede seiner Predigten war ein rhetorisches Meisterwerk, jedes seiner Worte darnach angethan, Geist und Herz zu wecken und anzuregen für jüdisches Thun. — Der Erfolg, er bleibt nicht aus. — Der Enthusiasmus für das redlich gemeinte Wort, die Begeisterung und Liebe für ihn, ein Beifall, wie er seine bescheidenen Wünsche bei weitem übertrifft, die innig gefühlte Hochachtung, die seiner Ehrlichkeit entgegen gebracht wird, die Ueberzeugung vom moralischen Werthe jedes semer noch geäußerten Wünsche, sie werden es ihm ermöglichen m*,nn ids* zu wirken, in einer Weise, wie es ihm, seiner Gemeinde und dem ungefälschten Judenthume zur Ehre und zum Heile gereicht. Seine Verdienste bis nun sind bereits so zahlreich, daß sie in den Rahmen einer Correspondenz unmöglich gefaßt werden können, und will ich mich deshalb auf die Mittheilung des Wesentlichsten und Bedeutungsvollsten beschränken. Wie stiefmütterlich hier der Unterricht im Hebräischen und namentlich im Talmud gehandhabt wurde, darüber ließe sich ungemein viel schreiben, ich will nur constatiren, daß der Elementarschule entwachsene Kinder nicht mehr Gelegenheit hatten, einem hebr. Unterricht beizuwohnen. Mit Beginn des kommenden Schuljahres erhalten wir auf Anregung unseres Herrn Rabbiners eine Schule, speciell für das talmudische und hebräische Fach. Die Gemeinde, die Selbstlosigkeit ihr s geistigen Führers schätzend, hat in erster Linie zu diesem Zwecke 600 fl. pro anno votirt und wird auch zu größern Opfern willig sein. Hoffen wir, daß diese seine Schöpfung und jedes Vorhaben von ihm gelinge, wie es sein redliches Streben verdient. S. S Tkiest. Wir halten es für unsere Pflicht, folgenden in unserer Gemeinde verübten Betrug zur Kenntniß der geehrten Leser zu bringen Kürzlich kamen zwei Männer zu unserem Vice-Rabbiner Herrn Melli, welche sich als Abgesandte der israelitischen Gemeinde zu Theresienstadt vorstellten und angaben, daß ihre Gemeindemitglreder durch eine Überschwemmung sehr viel gelitten hätten. Ihre Beglaubigungsschreiben, welche sie dem Herrn Vice-Rabbiner vorlegten, bestätigten ihre Angaben, und eine amtliche Bescheinigung autori'irte die beiden Unbekannten zu einer Sammlung für die bedrängte Gemeinde. Herr Meli glaubte daher die Petenten empfehlen zu können. Die Sammlung bei unseren Glaubensgenossen, die stets bereit sind, den Bedrängten hilfreich zur Seite zu stehen, hatten den besten Erfolg. Nachdem jedoch die beiden Abgesandte unsere Stadt verlassen hatten, erfuhren die Vorsteher unserer Gemeinde durch einen glücklichen Zufall, daß die Summe der geleisteten und gezeichneten Beiträge in den Listen bedeutend erhöht wurden, offenbar, um andere Wohlthäter zu größeren Gaben zu veranlass-». Sie wandten sich daher direct an die israelitische Gemeinde zu Theresienstadt um wahre Auskunft und erhielten von derselben eine unerwartete Antwort. Die beiden Sammler waren nämlich ganz gemeine Betrüger, die das Vertrauen unserer Glaubensgenossen auf eine schändliche Weise mißbrauchten; denn die Israeliten in Theresienstadt hatten gar keinen Schaden erlitten und Niemanden zu einer unnöthigen Sammlung beauftragt. (Corriere Jsr.) Italien. Rom. Man schreibt dem ,.N. W. T." aus Rom, 30. September: „Vorgestern feierten bekanntlich die Israeliten ihren Versöhnungstag, oder, wie man hier an der Tiber sagt „il grän digiuno" (das große Fasten), bei welcher Gelegenheit es hier auch einen kleinen Aufstand gab. Die Revolution ward durch ein Christenweib aus den niedersten Volksklassen hervorgerufen. Diese Frau, Namens Granieri, trat nämlich vorgestern in Begleitung ihres Enkels in die hiesige Hauptsynagoge, um sich die Feier des Versöhnungstages anzusehen. Beide benahmen sich im Gotteshause höchst unanständig, worauf sie vor die Thüre gesetzt wurden. Sie begaben sich nun in die nahe der Synagoge gelegene Via Catalana, begannen hier von den Fenstern eines Hauses aus das jüdische Gotteshaus mit Steinen zu bombardiren und zer-