Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1876)
- Date
- 1876-10-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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975 nung arbeiten, haben ganz beträchtliche Summen erspart, der tüchtigste 180 fl. 24 kr. Der Präsident, Herr vr. L. A. Frankl* richtete, nachdem die Prüfung mit der Volkshymne geschlossen worden war, freundliche Worte an die Zöglinge und theilte mit, daß das Institut auf der Brüsseler Ausstellung mit der silbernen Medaille ausgezeichnet worden ist. Wien, 12. Oclober. Die Veranlassung der israelitischen Großgemcinde zu Tripolis, die sich im Namen ihrer Glaubens - Angehörigen in der Berberei vom österr. Kaiser die Gnade erbeten hat, einen aus ihrer Mitte hervorragenden Mann zum Kaiserlich österr. unbesoldeten Consul zu ernennen, hat eine große politische Tragweite. Wer die willkürliche Behandlung der verschiedenen Confessionen in diesem Weltteile genau kennt — und die Geschichte der Juden in Marocco, Tunis und Tripolis ist leider voll der empörendsten Grauelthaten — wird wohl sogleich die wahre Absicht dieser Gemeinde erkennen müssen, da die Gewährung einer solchen Bitte für das Geschick und die Zukunft der nordafrikanischen Juden eine große Beruhigung gewähren wird, indem es durch unzweideutige Thätsachen erwiesen ist, daß der Consul einer Großmacht in diesen Staaten auf die Landesbehörden mehr Einfluß zu üben vermag, als all' die bekannten Gewaltacte und alle Vorstellungen gegen dieselben. Wenn nun diejenigen Körperschaften und Vereine in Europa, die sich seit vielen Jahren im Interesse ihrer jüdischen Glaubensangehörigen in Asien und Afrika beschäftigen, ihr Augenmerk dahin richten würden, um es zu ermöglichen, daß in diesem Weltiheil in allen Hauptstädten aus der jüdischen Bevölkerung deutsche, französische und englische Consuln bestellt werden möchten, so glaube ich, daß solche Resultate für die Situation der dortigen Juden weit nützlicher und erfolgreicher sein dürften, als all' die Schritte, welche bisher im Interesse derselben unternommen worden find. Was nun die Bitte der Judengemeinde in Tripolis betrifft, so wurde dieselbe bereits vom Kaiser von Oesterreich mit der großen Signatur versehen und das Ministerium des Aeußern hat somit die Verpflichtung, die hiezu nöthigen Erhebungen ungesäumt zu veranlassen. Ich glaube, daß diese Angelegenheit hochwichtig genug erscheinen dürfte, um die geehrte Redaction zu bestimmen, diesen Gegenstand einer Prüfung werth zu finden und denselben in einem speciellen Artikel eingehend gefälligst zu besprechen, um unsere einflußreichen Glaubensangehörige in Deutschland, Frankreich und England auf solche und ähnliche Schritte nachdrücklichst aufmerksam zu machen. Achtungsvoll Jgn. Deutsch. (Wir haben den vorstehenden trefflichen Auseinandersetzungen des als Vorkämpfer für das Judenthum weitberühmten Kaiser!. Königl. Hofwechslers Hrn. Jgn. D eutsch '"2 kaum etwas hinzu-! zufügen; wir ersuchen sämmtliche jüdische Zeitschrifi ten Deutschlands, Englands, Frankreichs, Amerikas,; Italiens, Rußlands, Hollands ic. von dem Vorj stehenden gefälligst Notiz zu nehmen, damit in j allen Ländern einflußreiche Personen und Corporationen auf diesen so sehr einleuchtenden Vorschlag hingewiesen werden. Red.) Wien. Der Kreisrabbiner Halberstamm, der durch die Folgen seiner bekannten Verurtheilung vom Amte suspendirt werden mußte, wurde durch die Gnade des Kaisers in seine frühere Rabbinatswürde wieder eingesetzt. Pefth. Aus Anlaß des Versöhnungsfeiertages versammelten sich in Pesth vorgestern Abends in einem provisorischen Betlocale des Hauses Nr. 689 in der Jsabellgasse ungefähr 80 Männer und ebensoviel Frauen, um ihre Andacht zu verrichten, i In der Frauen - Abtheilung brannte auf einem! Tische eine große Petroleum-Lampe, welche durch > ein Ungefähr zu Boden stürzte, wobei das nach! allen Richtungen sich ergießende Petroleum in l helle Flammen gerieth. Die Verwirrung war im! Momente eine heillose. Die Frauen kreischten | entsetzt auf, das Gebet wurde sofort unterbrochen, Alles jagte, von panischem Schrecken ergriffen, wirr durcheinander,, die Frauen hinaus, die Männer hinein; viele Frauen sprangen beim Fenster hinaus, wodurch sich mehrere derselben Verletzungen zuzogen, andere muthigere Frauen versuchten das Feuer mit allerlei Kleidungsstücken zu ersticken; als jedoch auch diese in Brand geriethen, wurde das Entsetzen allgemein. Wie die L.-K. meldet, gelang es erst der herbeigeholten Feuerwehr, den Brand zu löschen. Päpa, 13. October. „Die Hoffnungen guter Menschen sind Prophezeiungen." Börne- Seitdem unser verehrter Herr Rabbiner vr. Sal. Breuer im Vorjahre seinen Probevortrag hier gehalten, erkannte der größere Theit der Gemeinde, daß nur er dazu berufen sei, den seit beinahe 20 Jahren unbesetzten Posten eines Rabbiners der hiesigen Cultusgemeinde würdevoll einzunehmen, und die Erfahrung hat diese Zuversicht nicht Lügen gestraft, sie hat sie vielmehr vollkommen bestätigt. Herr vr. Breuer ist ganz