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Der Israelit · 1876-10-19 · Heft 42 (19.10.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 42 (19.10.1876)
Date
1876-10-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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963 Solche Thatsachen bedürfest keines Commenlars. (Die Israeliten in der Türkei.) Das Comite Don Canea meldet dem C^Comitv einen am 23. Aug. c. an zwei dortigen Israeliten, David Cohen, 37 Jahr alt, und Behor Daniel Jfaki, 17 Jahr alt, begangenen Doppelmord. Diese Unglücklichen, von denen der Eine Kleinhändler und der Andere Colporteur, begaben sich von dem Dorfe Babiolo nach Cuffo und wurden unterwegs, in Camatera, von 2 Griechen, den Brüdern Aorghi und Manoli Agrimanaki, überfallen, ausgeplündert und erstochen; der Eine, buchstäblich abgeschlachtet, ist todt, und der Andere, David Cohn, liegt hoffnungslos darnieder; die Mörder sind arretirtund ins Gefängniß gebracht. Die Bevölkerung hofft, daß die Regierung dieses Mal strenge Justiz üben wird; sie hat nicht vergessen, daß im vergangenen Jahre um dieselbe Zeit ein Israelit von Griechen ans dem Dorfe Spilia ermordet wurde, ohne daß die Missethäter ernstlich verfolgt worden sind. (Die Israeliten von Marocco.) Man schreibt dem C.-Comit6, daß der Sultan den maurischen Einwohnern von Alcazar-Kebir eine bedeutende Geldstrafe auferlegen wird, weil sie bei Gelegenheit der am 5. Juni o. im israelitischen Viertel begangenen Mordthaten sich gleichgültig verhalten haben. Feuilleton. Therrsa. VI. Als der Diener des Baron Hohenacker zu seinem Herrn zurückkehrte, sprang ihm dieser entgegen und rief: „Nun, Franz, rasch den Brief!" „„Verzeihen, Herr Baron,"" entgegnete Franz, „„ich habe keinen Brief."" „Hast Du mein Schreiben nicht abgegeben?" ,, „Zu Befehl, Euer Gnaden, ich habe es dem gnädigen Fräulein selbst übergeben; das gnädige Fräulein haben den Brief gelesen und ihn dann Dero Herrn Vater überreicht."" „Und was sagte dieser?" „„Das gnädige Fräulein sollten selbst antworten."" „Und was antwortete Theresa?" „„Das gnädige Fräulein nahmen den Brief, zerrissen ihn und traten ihn mit Füßen und sagten . . . ."" „Geh', Franz, es ist gut." Franz entfernte sich. Der Baron ging hastig im Zimmer auf und ab. „Hab' ich Dich beleidigt, mein Püppchen?" sprach er vor sich hin. „Mag's sein! Du entgehst mir nicht. Wenn erst die Katastrophe hereinbricht, wirst Du schon anderen Sinnes werden. Ich kann warten. Noch kennst Du nicht der Armuth bitteres Loos. Nach Jahresfrist werde ich Dich gefügiger finden. Jetzt gilt es, für's Erste das Mädchen zu vergessen. Zerstreuung wird mir gut thun." Und der Baron suchte alle Arten von Zerstreuung auf. In den höchsten Cirkeln der Kaiserstadt war er ein gern gesehener Gast. Das Aufsehen, welches vor einiger Zeit der Selbstmord des jungen Fürsten Gräfenthal gemacht, hatte bald nachgelassen; die junge Fürstin Rodenstein erschien wieder in der Gesellschaft, aus der sie sich für kurze Zeit zurückgezogen hatte, schöner, verführerischer denn je zuvor. Ein eleganter Cavalier, der junge Graf Barewski, wurde von ihr vor allen Andern derart ausgezeichnet, daß man sich schon von neuen Ausbrüchen der Eifersucht von Seiten des Fürsten Rodenstein zu erzählen wußte. Da fing Baron von Hohenacker an, jene Kreise zu frequentiren. Auch ihn blendete die Erscheinung der schönen Fürstin, und dieser mißfiel der schöne, junge Mann nicht, zum größten Aerger des Grafen Barewski, der keine Gelegenheit versäumte, seinen vermeintlichen Nebenbuhler durch Anspielungen auf dessen Nationalität und Religion zu reifen. In einem einsam im Prater belegenen, von der vornehmen Welt frequentirten Weinhause hatte sich eine Anzahl Cavaliere zusammengefunden. Man hatte ein Hazardspiel arrangirt Graf Barewski hielt die Bank und verlor unaufhörlich. Da übernahm Baron Hohenacker die Bank; ihm lächelte das Glück. „Ob der Jude nicht falsch spielt?" sagte Graf Barewski halblaut zu seinem Nachbar. Hohenacker legte die Karten hin. „Herr Graf Barewski," sagte er, darf ich Sie bitten, die eben gethane Aeußerung zu wiederholen?" „„Warum nicht?"" antwortete dieser, „„man ist daran gewöhnt, daß die Juden betrügen, mögen sie mit alten Kleidern handeln oder sich in die beste Gesellschaft eingeschlichen haben."" „Ich werde Ihnen morgen meinen Secnndanten schicken." „«Ich schlage mich mit keinem Juden."" „So sind Sie ein ehrloser Wicht!"

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