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Der Israelit · 1876-10-19 · Heft 42 (19.10.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 42 (19.10.1876)
Date
1876-10-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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962 sitz der bürgerlichen Rechte waren und keineswegs als Fremde betrachtet wurden. So nimmt man den seit Jahrhunderten in Rumänien ansässigen Israeliten allmählich alle ihre Existenzmittel; man verbietet ihnen den Aufenthalt auf dem Lande, den Handel mit Tabak und Getränken, die Gewerbe von Wechselagenten und Maklern, den Erwerb und sogar die Pacht von Grundstücken, also den Ackerbau. Was bleibt diesen Unglücklichen zum Leben und zur Erhaltung ibrer Familien? Die herumziehenden Böhmen können kommen und gehen und nach Belieben Handel treiben, die Juden können es nicht. Auf Grund des Ausschank- und ländlichen Polizei-Gesetzes werden sie aus den Dörfern, und auf Grund des Vagabondengesetzes aus den Städten, mit der Kette am Halse und mit Schellen an den Händen, ausgetrieben! Folgende Thatsache trug sich am 31. Juli c. zu: Ein Israelit, Namens Berl Israel Brenholtz, der in dem zur Gemeinde Clipicesci gehörigen Dorse GartineSci die Bäckerei betreibt, begab sich mit einem Wagen voll Brot nach einer benachbarten Ortschaft, Serbesci, um hier seine Waare zu verkaufen; dort angekommen, wird er von einem christlichen Schankwirth und zwei Bauern überfallen, die sich seiner Brode bemächtigen, sie unter das Volk vertheilen und ihm Wagen und Pferde nehmen; die Spitzbuben behaupteten, von dem Unterpräfecten, H. Mironescu, hierzu autorisirt worden zu sein, und als der Jude sich bei diesem Beamten beschwerte, erhielt er von ihm die Antwort: „Weißt Du nicht, daß die Juden nicht in den Dörfern wohnen und Geschäfte machen dürfen?" Von demselben Beamten werden noch andere Austreibungen gemeldet: Ein Israelit, Namens Marcus Salmen, der seit 20 Jahren in dem Dorfe Clipicesci wohnt, wo er Ziegelstreicher ist und mit der Bevölkerung in dem besten Einvernehmen lebt, wird von H. Mironescu mit bewaffneter Macht gezwungen, sein Metier aufzugeben und das Dorf zu verlassen; da die Bauern sich für ihn verwandten, gerieth der H. Unterpräfect in Wuth und sagte zu denselben: „Wollet Ihr zuerst ins Gefängniß geworfen werden? Ich will, daß die Juden aus den Dörfern herausgeworfen werden, und wenn ich die Macht hätte, wollte ich eine Judenmassacre machen und sie wie das Vieh hinschlachten lassen." — Der genannte Ziegelstreicher Salmen, der Bäcker Brenholß und zwei Israeliten, Jacob Grünberg und Mendel Panzer, österreichische Unterthanen, die in Jresci wohnen, haben von H. Mironescu die Verfügung erhalten, bis zum 3. August Mittags ihre Wohnorte zu verlassen, und um die Ausführung dieses Befehls sicher zu stellen, wurden Jedem von ihnen zwei bewaffnete Executoren zugeschickt. Am 3./20, Aug. c. wurde ein rumänischer Israelit, Namens Kiru, der seit 14 Monaten bei einem Christen in Focschan arbeitete, festgenommen, gebunden und als Vagabond nach seinem Geburtsort Bottuschan transportirt. Ueber diese Lage der rumänischen Israeliten äußert sich der Echoulu putnei aus Focschan vom 30. Juli 1876 folgendermaßen: .... Welche Strafe würden wir wohl verdienen, wenn wir dem H. Präfecten wahrheitsgemäß sagten, daß, wenn die Polizei von Focschan auf Grund des ministeriellen Circulars über die Vagabondage sämmtliche Juden ohne Ausnahme, Kaufleute wie Handwerker, arretirt, mißhandelt und knebelt, dies nur geschieht, um von der Gemeinde eine Summe von 40 Pfd. zu erhalten, zu deren Zahlung sich übrigens dieselbe bereits verstanden hat. Wir könnten die Namen mancher israelitischen Personen anführen, die Geld gegeben haben, aber wir heben uns dies für die nächste Nummer auf; für heute wollen wir nur sagen, daß die HH. Chaim Hersch Amus aus Vrance und Marcu Salmen aus Clipicesci von der Ordre des H. Präfecten nicht belästigt worden sind. Welchen Schaden würden wir verursachen können, wenn wir dem H. Präfecten zuerst sagten, daß ein Unterpräfect, der sich nach der Gemeinde .begab und sich dort mit dem Bürgermeister wegen Vertreibung der Juden in Verbindung setzte, von Letzterem abgewiesen, zu ihm sagte: „Ich bin einverstanden mit dem, was Du willst; ich lasse Dir die Juden in der Gemeinde, aber unter der Bedingung, daß Du mir für jede ihrer 7 Familien 10 Pfd. zahlst, also zusammen 70 Pfd., die ich, wohlgemerktj, bei Dir finden muß." Seitdem sind zwei Wochen verstrichen, das Geld ist nicht erlegt, und die Juden setzen ihren Ausschank fort. „Was könnten wir anrichten, wenn wir einen andern Unterpräfecten recommandirten, der viel menschlicher und philantropischer ist und nur 6 Pfd. pro Familie nimmt und hierfür den Juden außerdem Petitionen uod Naturalisationsacte macht (ländliches Bürgerrecht)? Möge der H. Präfect über alle diese Thatsachen die öffentliche Meinung des Bezirks oder den Oberstaatsanwalt des Apellhofes, H. Costache Cernat, befragen, der viele Denunciationen erhalten haben mutz, und er wird sich von der Wahrheit unserer Versicherungen leicht überzeugen.

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