Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1876)
- Date
- 1876-10-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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964 Graf Barewski sprang auf den Baron zu und schlug ihm in's Gesicht; ein allgemeiner Tumult entstand; die Freunde trennten die Wüthenden und hielten sie auseinander. „Bube," schrie Hohenacker, „das wirst Du büßen müssen!" Er machte sich von seinen Freunden los und verli ß in großer Erregung das Lokal. Er ging in die Stadt zurück; unterwegs stürmte er an einer einsam des Weges wandelnden Dame vorüber; er beachtete sie nicht; aber sie erkannte ihn; es war Theresa, die, weil sie den letzten Wagen der Pferdebahn versäumt hatte, zu Fuß nach Hause ging. Unterdeß machten die Freunde dem Grafen Barewski die bittersten Vorwürfe über sein pöbelhaftes Benehmen. Dieser, durch den genossenen Wein und das aufregende Spiel berauscht, war durch das Vorgefollene ernüchtert worden. „Ich habe Unrecht gethan," sagte er, „ich will dem Baron Nacheilen, ihn um Verzeihung bitten und ihm sede Genugthuung, die er verlangen kann, gewähren." Er lief eilig davon, denselben Weg, den der Baron gegangen. Auch er stürzte an der langsam dahin wandelnden Theresa vorüber; da, wenige Schritte von ihr, trat eine Gestalt aus dem Dunkel der Bäume hervor. „Wohin so eilig, Graf?" hörte Theresa eine ihr fremde Stimme fragen. „„Ach, sind Sie es, Fürst?"" rief Graf Barewski. Dann ertönte ein Schrei. Graf Barewski stürzte nieder, der Fremde entsprang. Auch Theresa, zu Tode erschrocken, lief eilig davon und kam ganz erschöpft' in ihrer Wohnung an, wo der Vater, bereits ihrethalben in Sorge, sie erwartete. Unterdeß waren die Genossen dem Grafen Barewski gefolgt, um den Sühneversuch desselben zu unterstützen und zu befürworten. Da stießen sie auf einen regungslos daliegenden Körper; sie hoben ihn aus der Blutlache empor und erkannten zu ihrem Schrecken den Grafen Barewski. „Das hat Hohenacker gethan!" rief der Eine. „Er hat seine Drohung" schnell wahr gemacht," sagte der Andere. „Der Körper ist noch warm." sagte ein Dritter, „sehen wir, ob Hilfe noch möglich." Der todte Mann wurde in das Weinhaus zurückgetragen. Hilfe war nicht möglich; das Herz war von einem Dolchstiche durchbohrt. Während einige der jungen Herren einen Wagen herbeiholten, um die Leiche in die Stadt zu transportiren, begaben sich andere von ihnen auf die Polizeidireetion, um die ganze Angelegenbeit wahrheitsgetreu zu berichten und dem schrecklichen Verdachte Ausdruck zu geben, der sich gegen Hohenacker richtete. Dieser hatte sein Lager noch nicbt gesucht. In furchtbarer Aufregung schritt er in seinem Zimmer auf und ab, um zu überlegen, wie er den Grafen Barewski zur Rechenschaft ziehen und bestrafen sollte. Keine Rache schien ihm groß genug für die schimpfliche Behandlung, die ihm zu Theil geworden. Da klopfte es an seine Thüre. „Ha," sagte Hohenacker, „man wird kommen, um mich zur Versöhnung zu stimmen. Ich aber, ich werde unerbittlich sein." Er öffnete. Polizeibeamte traten herein. „Mein Herr Baron," sagte einer von ihnen, „wir sind in die traurige Notwendigkeit versetzt, Sie verhaften zu müssen." „„Aus welchem Grunde?"" fragte der Baron erstaunt. „Man hat den Grafen Barewski ermordet gefunden . . . ." „„Barewski ermordet? Unmöglich, vor kaum zwei Stunden war ich mit ihm zusammen, hatte einen Streit mit ihm . . . „Eben deßhalb sind Sie des Mordes dringend verdächtig. Ich ersuche Sie, Herr Baron, uns auf die Polizeidireetion zu folgen."" „Aber, meine Herren, ich habe . . . ." „„Sie vergessen, Herr Baron, nicht wir sind mit der Untersuchung betraut Folgen Sie uns."" Der Baron sah das Zutreffende dieser Bemerkung ein; er folgte dem Beamten; die Begleiter desselben blieben zurück, um eine Haussuchung vorzunehmen, um nach Blutspuren und dem blutigen Dolche zu forschen. Sie fanden nichts Derartiges. Am andern Morgen durchzog die Schreckenskunde die Kaiserstadt: Graf Barewski ermordet, Baron Hohenacker der muthmaßliche Mörder. Von nichts Anderem wurde gesprochen, auch in Theresa's Dachkammer drang die fürchterliche Mähr. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rourschen Hofbuchhandlung. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).