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Der Israelit · 1876-10-19 · Heft 42 (19.10.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 42 (19.10.1876)
Date
1876-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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959 Lehrhäuser einzelner berühmter Schriftkundiger. Wie hoch die Juden diese ihre Schulen schätzten, zeigt sich auch darin, daß sie die höchste von Allen als „Kallah", d. h. „die Braut" Gezeichneten. Der beste Schüler Hillel's, Jochanan ben Sakkai, schlich sich in weiser Erkenntniß der Zukunft aus dem noch belagerten Jeruselem heraus zum Vespasian und erwarb von diesem die Erlaubnis zur Anlegung einer Schule in Jabneh (Jamnia). Dies war der Anfang einer langen Reihe von Anstalten, die sich zuletzt über alle Länder ausbreiteten, von denen viele wissenschaftlich berühmt und mehrere die Grundlagen christl. Akademien wurden. In Jabneh wurde schon der Grund zur Ausarbeitung des Talmud (der Mischnah und Agada) gelegt. Es folgten Schulen zu Lydda, Bekiin, dann zu Nisibis und Nahardea; nach dem Bar-Kochba-Aufstande gründeten Akiba's Schüler die Lehranstalt zu Uscha und später entstand die Schule zu Sephhoris. Die Lehrer dieser Schulen heißen die „Tanaim". Durch die politischen Verhältnisse gedrängt, traten dann die Juden in Palästina von der Mitte des 3 Jahrhunderts an mehr zurück; an ihrer Stelle erhoben sich die freier lebenden Juden in Babylon. Die hier lebenden Gelehrten wurden als Erklärer der dunklen Mischnasätze „Armoraim" genannt. Noch blühte um diese Zeit die Scyule zu Liberias, aber wichtiger wurden bald die Lehranstalten vonPumbadita . Machuza , Silhi, Schakan - Zib. Durch Rabbi Huna kam die Schule von Sura in die Höhe, die lange die bedeutendste Nebenbuhlerin von Pambudita blieb, welche letztere unter Rabbah ben Nachmanni ll'OO Schüler zählte. In Sura war es, wo Rabbana Aschi den ganzen Talmud vollständig ausarbeitete. Schriftlich bestanden indessen von demselben bis 550 doch immer nur einzelne Stücke, das Uebrige war nur dem durch beständige Uebung hochentwickelten Gedächtnisse anvertraut. Es waren die nunmehr „Saburäer" genannten Lehrer, von denen R. Giza und R. Simuna endlich entgiltig den ganzen Talmud niederschrieben. Schon früh hatten sich Juden in Arabien angesiedelt und ihre Colonien vergrößerten sich besonders, als auch die persischen Herrscher zu Verfolgern der Juden verwilderten. Ihr Mittelpunkt war Jathrib (das spätere Medina) und sie nahmen den Arabern gegenüber eine ehrenvolle, beinahe *) Man könnte sie noch jetzt so nennen. Die Statistik von Preußen gibt uns für 1875 folgende Zahlen an die Hand. Von je 100 Personen konnten nieder lesen noch schreiben: Männliche. Weibliche. Juden ... 3,9 5,8 Protestanten . 6,6 11,4 Katholiken. . 15,1 21,8 herrschende Stellung ein. Fast jeder Jude konnte schreiben, jeder die heiligen Schriften lesen; daher hießen sie bei den Arabern Ahl' ul kitab*) („das Volk der Schrift"). Durch den Geist der Araber gewann aber auch die Sprache die wissenschaftliche und poetische Bildung der Juden. Ihr Lehrhaus in Jathrib stand in enger Verbindung mit dem zu Tiberias. Das Beste im Qorun stammt von den Juden. Unter der Herrschaft Omar's erhoben sich auch Sura und Pumbadita wieder zu neuem Glanz und die Vorsteher der Schule von Sura erhielten den Titel Gaon („Würdenträger"). Es folgte dann die Bekehrung der Chazaren zum Judenthum und die Errichtung neuer Lehrhäuser auch in diesem Reich. „Nun aber erhob sich das Judenthum im Abendlande. In allen größeren Orten von Spanien, Frankreich und Italien entstanden rasch hinter einander Schulen, Lehrhäuser und Akademien, von denen viele sich bald einen so großen Ruf erwarben , daß sie auch vielfach von Christen und selbst von Geistlichen, denen sonst fast ganz die Gelegenheit zu geistiger Ausbildung fehlte, besucht werden. Gleichzeitig erhoben sich die jüd. Schulen unter der Herrschaft der Araber in Bagdad, Kairuan (in Nordafrika) und Neru (in Chorassan). Schon im 5. Jahrhundert blühten die Schulen von Toledo, Granada, Cordova in Spanien, von Lunel, Beziers, Beaucaire und Narbonne in Frankreich, von Modena, Mantua, Padua, Genua, Neapel, Amalfi, Benevent und Rom in Italien, sowie in unzähligen anderen Städten. Die Gründung der medicinischen Schule in Montpellier geschah durch die Juden und auch bei der Bildung der Salernitanischen Schule waren sie hauptsächlich thätig. Durch das Emporkommen der abendländischen Schulen, die bald den Gaonäischen ebenbürtig und endlich überlegen wurden, erlosch aber auch der letzte Rest einer äußeren Centralisation des Judenthums, das von nun an nur durch seinen reinen Monotheismus , seine heiligen Schriften und sittlichen Gebote zusammengehalten wurde. Der Unterschied zwischen Lehrer und Volk verwischte sich bei der hohen Bildungsstufe, die das letztere errang, fast vollständig; der Lehrer war hinfort nur Lehrer und nichts Anderes und daher bezeichnet man die Periode etnla von dem 10. Jahrhundert an einfach als das Rabbinische Zeitalter. Ich habe hier nur einige Hauptpunkte hervorgehoben , in Wirklichkeit war die Zahl der Lehrhäuser unendlich groß, denn jede einigermaßen bedeutende Stadt hatte ein solches und oft mehrere. Die Zahl der Schüler stieg bei berühmten Lehrern oft auf 2000, die von weit her zusammenströmten. Dabei war es nicht Sitte, für den Unterricht ein ■m ■' fjJt i 5 .1 i t t i r.- i

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