Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1876)
- Date
- 1876-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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958 wollten wir auch das Undenkbare zugeben, daß ein chaotisches Durcheinanderwirbeln der Elemente trotz der zahllosen Vielheit und Mannigfaltigkeit derselben durch bloßen Zufall zu dem Resultate einer überall herrschenden Ordnung jemals habe führen können — immer bleibt die Ansicht in sich selbst widersprechend. Denn sie setzt voraus, daß den Elementen an sich und ursprünglich eine Beschaffenheit innewohne, nach welcher nothwendiger Weise die haltlosen, unpassenden Combinationen zu Grunde gehen mußten und nur die passenden, in sich übereinstimmenden Verbindungen bestehen konnten. Woher aber diese ursprüngliche Beschaffenheit der Elemente, dieser Unterschied zwischen haltbaren und unhaltbaren Verbindungen derselben? Warum ingen die zufällig entstandenen harmonischen Verindungen nicht ebenso wieder zu Grunde wie die disharmonischen? Warum trat nicht ein regelloser, willkürlicher Wechsel zwischen beiden ein, wie es die Theorie des Zufalls fordert? Ueberall, wo der sogenannte Zufall herrscht, wo also das Eine so gut möglich ist wie das Andere, kann nicht bloß, sondern muß offenbar ein Wechsel zwischen beiden stattfinden. Die harmonischen Verbindungen, die der Zufall herbeigeführt, mußten den disharmonischen, denen sie gefolgt waren, wieder Platz machen; sie konnten nicht fortdauernd bestehen. Denn auch sie lösen sich ja beständig wieder auf; damit werden die Elemente, aus denen sie bestehen , wieder frei und dem Spiele des Zufalls wieder unterworfen, das sie nur zufällig, gelegentlich . vielleicht nach vielen Jahrtausenden, wieder einmal in harmonische Verbindungen zusammenführen kann. Diese Theorie widerspricht mithin sich selbst: denn, indem sie von dauernden, weil harmonischen, Verbindungen spricht, setzt sie voraus, daß die Elemente zur Eingehung solcher gesetzmäßiger, geordneter, harmonischer Vereinigungen und Gliederungen von Anfang an bestimmt, angelegt waren. Wir haben im Vorstehenden über die materialistische und die ihr verwandten (monistische, sensualistische rc.) Weltanschauungen den Stab gebrochen; wir haben nachgewiesen, daß sie in sich widersprechend und daher undenkbar und unmöglich sind. Ebenso falsch aber sind die pantheistischen und die ihr verwandten Theorien. Nach diesen gäbe es nicht einen persönlichen, allmächtigen, allweisen Gott, der die Welt erschaffen, sondern eine Substanz, eine Wesenheit, ein Absolutes, das sie Gott nennen, und woraus die Welt hervorgegangen (Theorie der Emanation). Daß auch diese Theorien undenkbar sind und an einem innern Widerspruche leiden, wollen wir im Folgenden Nachweisen. j Kein bloßer Stoff kann sich selbst bewegen; i nie wird ein Stein z. B. sich aus eigenem Antriebe j in Bewegung setzen; keine bloße Bewegungskraft kann sich selbst eine bestimmte Richtung geben; der i Wind z. B., der aus Norden weht, kann aus sich sebst nicht umkehren und feinen Weg nach Süden | nehmen; es muß daher eine vor- und übernatürliche (metaphysische) Kraft die nothwendige Bedingung und Voraussetzung alles natürlichen Geschehens sein, und diese vor- und übernatürliche Kraft (Gott) ist zugleich die schöpferische Ursache des Daseins der Welt überhaupt. Alle Naturkräfte sind, wie wir gesehen haben, bedingt; Gott aber ist das Bedingende. Wie kann nun in Folge einer Emanation, eines Hervorgehens, aus dem Bedingenden Bedingtes werden? Das Emanirte, Hervorgegangene müßte bedingend bleiben — dann aber wäre es keine Naturkraft mehr, deren Charakteristisches , wie wir gesehen haben, eben das Bedingtsein ist. Es muß also das ursächliche Wesen (Gott) etwas zu Ihm im Gegensätze Stehendes hervorgebracht (geschaffen) haben. Die Naturkräfte sind demnach geschaffen, nicht geworden, und wenn dies von den Naturkräften gilt, so gilt es von der Materie in derselben Weise. rptfiro p«n nw O’Qwn n« onte tna. „Im Anfänge erschuf Gott die Himmel und die Erde." Danken wir dem allgütigen Gott für die Offenbarung, die Er uns hat zu Theil werden lassen. Die höchste Wahrheit, die nur die bevorzugtesten Geister durch unendlich mühevolles Nachdenken zu finden vermögen, diese höchste Wahrheit, die den größten Denkern des Alterthums verborgen geblieben , sie erfährt das jüdische Kindlein, wenn es anfängt zu lernen «na rrtt&na. „im Anfänge erschuf Gott". Professor Schleiden über die Inden. ii. Von großem Interesse ist auch, was Professor Schleiden über die jüdischen Schulen und Hoch- Schulen sagt. Derselbe schreibt: „Das zweite Moment, welches die geistige Entwicklung des Judenthums förderte, waren eben jene Mittelpunkte, nämlich die Schulen, die lange vor Beginn unserer Zeitrechnung durch Simon ben Schatach unter Salome Alexandra (79—70) in allen größeren Städten den jungen Männern vom sechzehnten Jahre an für Schrift- und Rechtskunde (und zwar mit Schulzwang) eröffnet wurden. Schon damals bestanden in Jerusalem und anderen Städten Judäa's, sowie in Aegypten zu Alexandria