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Der Israelit · 1876-10-12 · Heft 41 (12.10.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 41 (12.10.1876)
Date
1876-10-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
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950 Wollte ich Alles hier aufzahlen, so würden Folianten nicht hinreichen. Die allgemeine Verehrung, die mjnn pnsn genossen hatte, zeigte sich auch bei seinem Leichenbegängniß. Eine Reihe von Wagen rollten von hier der Höchberger Landstraße zu, und nicht nur von hier, aus der ganzen Umgegend strömten die Leute herbei. Im Sterbehause sprach zuerst der erste Lehrer der Anstalt, Herr RabbinatS-Candidat Ehrenreick. Er leitete seine Rede ein mit den Worten der Weisen: „Palmen schüttelten das Haupt über einen Zadik Katl»mor. Wir wollen die Nächte dem Tag gleich machen über einen, der Nächte zu Tag machte im Dienste des Herrn." Dann folgte eine gediegene Schilderung des ganzen Lebenswandels des Verblichenen und zum Schluffe eine herrliche Erklärung des Verses ns:t> man ym, die der Redner im Namen des Verblichenen nachsagte. Ferner sprach der zweite Lehrer, ein Schüler des Verblichenen, Herr Nathan Eschwege, in schwungvoller Rede; anknüpfend an den Vers der Sidra: Dnx , schilderte er sein Wirken im Allgemeinen und insbesondere für die Jugendbildung , und schloß er mit dem Wunsche, daß seine um ihn versammelten zahlreichen Schüler in Wort und That dem Verblichenen nachahmen mögen. Nach diesem bewegte sich der unabsehbare Zug zum Begräbnißplatze. Hier angekommen, besprach mit tiefgerührter Stimme in der begeistertsten Weise unser hochverehrter Herr Districts'Rabbiner S. B. Bamberger den Hintritt des Betrauerten durch drei Worte der heil. Schrift. Nachdem derselbe nämlich die Unmöglichkeit, bei einem solchen Ereignisse eine ausführliche Rede zu entwickeln, aus einem Verse aus dem Buche Job 's 'ji nm :>"y deducirt, sprach er die kräftigen Worte: map 1E21T P’ottfn. Der verehrte Redner setzte in meisterhafter Weise die großen Eigenschaften des Dahingegangenen, die bestanden in n"v mmy min, auseinander und jeder der Anwesenden fühlte, wie treffend dieser Text gewählt war, und die Thränen flössen gleich Wasserbächen. Nach Beendigung dieser Rede wurde die n-rnp vorgenommen, und ist hierbei besonders zu erwähnen, daß der Verblichene bereits vor mehreren Jahren sich eine ganze Kiste rwnpn pN nsy hatte kommen lassen, womit der ganze fnw auSgefüllt wurde. Um nun ma mm d^dd zu sein, die vorläufige Notiz, daß die Anstalt, welche ohnehin unter Aufsicht des Herrn Diftrictsrabbiner Bamberger steht, genau auf derselben Basis wie bisher, also in streng orthodoxem Sinne fortgefühlt wird, und bürgt uns schon der Namen des Herrn Rabbinats- Candidaten Ehrenreich, dem die Leitung der Anstalt übertragen ist, sowie des darin mitwirkenden Lehrers Herrn Eschwege dafür, daß dar Ziel auch fernerhin sein soll: p# yn dj/ Imin ns». Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, im Sept. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redacteur, hiemit von dem Tode eines Mannes zu berichten, der auch in Ihrem geschätzten Blatte Erwähnung verdient. Herr Baron Joel Jacob v. Hirsch segnete am vergangenen Mittwoch, den 6. Sept., im Alter von 87 Jahren nach kurzem Leiden das Zeitliche. Nicht seine finanzielle Stellung, nicht das Ansehen, das er in der haute volee genoß, sind es, die uns sein Gedächtniß feiern lassen, sondern die vielen Tugenden, seine Religiösität, die er sich bei seiner Lebensstellung zu wahren wußte. Verstand er's ja, an den drei Säulen unserer Religion .min □mDn n^aji mnji festzuhalten, sie zu pflegen und sein Leben nach ihnen zu gestalten. Noch in der guten alten Zeit, wo Religion und Sitte als das Erste und Letzte galt, geboren und erzogen, machte auch er sich's zur Aufgabe, seine Kinder mit unserem hl. Gesetze vertraut zu machen und hielt zu diesem Zwecke stets seine Hauslehrer, die vor Allem auf dem Gebiete der Gesetzeskunde einen Namen haben mußten. Wie sehr er selbst die heil. Thora schätzte und liebte, das bewies seine Bereitwilligkeit zur Unterstützung Thorabeflissener und Thoragelehrter und seine Hochachtung, die er für unseren Herrn Rabbiner hegte. Dem Gottesdienste bereitete er eine Stätte im eigenen Hause, indem er eine vollständig eingerichtete Synagoge unterhielt, die er je nach Gesundheitsumständen besuchte; immer aber verrichtete er sein Gebet mit größter Pünktlichkeit, ohne sich vor Andersgläubigen zu schämen, oder sich irgend darin stören zu' lassen. Auch sonst lebte er streng nach den Gesetzen Gottes, Sabbat und Feiertage wurden echt jüdisch von ihm gefeiert und die mit ihnen besonders verbundenen Gebote beobachtet; Speisegesetze wurden weder im Hause, noch auf der Reise, selbst unter den größten Schwierigkeiten, verletzt. Er scheute sich nicht Jude zu sein; Haus und Leben mußten vielmehr dies Gepräge tragen und wahrlich, er ward darum nicht weniger von Königen und Fürsten, von Beamten und Bürgern geachtet und geehrt und in deren Gesellschaft gezogen. Er lebte und starb mit vollem Herzen als Jude. Und das Gebiet der Menschenliebe und der Wohlthätigkeit, es wurde

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