Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1876)
- Date
- 1876-10-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Zweite Leilage;u Ar. 41 -cs Israelit. Leitender Artikel. Nabdmer L»Miis Ottensoßer *y y?. Würzburg, im Tischri. Heute habe ich Ihren geschätzten Lesern keine angenehme Miltheilung zu machen. Am Dienstag mrpt’Di 'j cv schied eine weit und breit rühmlichst bekannte Persönlichkeit aus dem irdischen Leben, der Ortsrabbiner und Vorstand der israel. Lehrer- Vorbereitungsschule zu Höchberg, Herr Lazarus Ottensoßer. Nach nur mehrtägigem Krankenlager hauchte er im 80. Lebensjahre seine reine Seele aus. Die vielen Verdienste, die vorzüglichen Eigenschaften, welche den Verblichenen zierten. gebieten es, daß sein Hinscheiben auch in weiteren Kreisen bekannt werde, und daß dabei nicht unterlassen werde, einen Blick auf die ganze Laufbahn seines irdischen Lebens zu werfen. Ottensoßer war geboren in einer kleinen Land- Gemeinde , zu Kleinbardorf, und genoß eine gute Erziehung. Die Verhältnisse seiner Eltern gestatteten jedoch nicht, ihm eine Ausbildung in den Wissenschaften angedeihen zu lassen. Er fing im 13. Lebensjahre einen Hausirhandel an, jedoch nur ganz kurze Zeit behagte ihm dies, er flehte zu Gott, daß ihm doch ein anderes Loos beschicken werden möge, und sofort wurde sein Gebet erhört. Eine Lehrerstelle in einer kleinen Gemeinde wurde ihm übertragen. Hier fand er Gelegenheit, die wenigen Kenntnisse, die er besessen, mit der größten Gewissenhaftigkeit in dem kleinen Kreise der ihm anvertrauten Schulkinder zu verbreiten. An eine Bereicherung seines Wissens konnte er eben nicht denken, deßhalb strebte er eine Stelle zu finden, wo er neben der Möglichkeit, das Nöthige zu seinem Lebensunterhalt zu erwerben, auch die Gelegenheit finde, seine eigene Ausbildung zu bewerkstelligen. Diese Stelle war Scheinfeld. Dort benützte er feine Mußestunden mit dem größten Eifer, sich in ntsmpn u»min auszubilden und für den Besuch der Hochschule in Fürth sich vorzubereiten. Nachdem er die letztere mehrere Jahre mit bestem Erfolge besucht hatte, wurde er von n'nn >,8"? nnotfn 4no als y"v nach Aub empfohlen, welche Stelle er auch sofort erhielt. Nachdem er dort vier Jahre segensreich gewirkt, wurde O. als Ortsrabbiner nach Höchberg berufen. Hier j lebte er nicht mehr für sich, sondern für die ganze I Welt. ' Der Eifer und die Lust, welche er früher zur; Thora besessen, entfalteten sich hier in der herrlichsten Weise. Fünf Jahre ununterbrochen stand; er Nachts um 2 Uhr vom Bette auf und lernte; '-loa bis Nachts um 10 Uhr; kaum daß er sich die? Zeit zum Essen gönnte. Später ging er täglich bei Wetter und Wind hierher, um den bei unserem hochverehrten Herrn Rabb. B amb erg er zu hören. Nachdem ihm das Hierhergehen zu beschwerlich ward, suchte er junge Leute um sich zu schaaren, mit denen er Tag und Nacht lernte. Er sorgte nicht nur für ihre geistige Nahrung, auch ihren Lebensunterhalt bestritt er mit größten Opfern. Durch sein unablässiges Streben gelang es ihm auch, die jetzt in schönster Blüthe bestehende Vorbereitungsschule für Lehrer zu gründen. Seine herzinnige Art, zu beten, ist sprichwörtlich geworden; er betete sehr inbrünstig und war mit eiserner Gewalt bemüht, jeden Gedanken mano pin von sich zu entfernen. Was er für die Armen gethan, ist nicht zu beschreiben, nicht nur daß er die, die zu ihm kamen, nach Kräften unterstützte, auch nach Auswärts schickte er nach Kräften. Als — damals existirte der „Israelit" noch nicht — im heil. Lande Hungersnoth war, reiste er ununterbrochen umher, um persönlich Gelder zu sammeln, was ihm auch in -schönster Weise gelang. Auch bis zu seinem Hinscheiden war er nt&npn p*n »«aa, und hat er während seiner Thätigke't mehr als fl. 100,000 für unsere dürftigen Glaubensbrüder im heil. Lande nach dort gesandt. Er konnte in der That viel entbehren, denn er kannte für seine Person keine Bedürfnisse. Er verzichtete gern auf jeden irdischen Genuß. Seine Mahlzeit würzte er mit mm nan, und sein Tischgebet war herzerhebend zu vernehmen. Wer es hörte, glaubte, eine Salomonische Mahlzeit sei hier gehalten worden, obgleich nur ein uraltes Brödchen verzehrt worden war, das er in den drei Trauer- Wochen noch in Asche tauchte, die er stets bei fich trug. Während der ganzen Woche gönnte er sich keinen guten Bissen; dagegen heiligte er den Sabbat auch durch gute Speisen und Getränke. So war er mit jeder mso im höchsten Grade pnp->v. Er hat an den crx-iu D'D' allein als;ni fujt* girt. Seine nam war ein Prachtbau.