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Der Israelit · 1876-10-12 · Heft 41 (12.10.1876) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 41 (12.10.1876)
Date
1876-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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936 „Sagt nicht schon die einfache Klugheit, daß! man bei irgend einem Beginnen die beiden Seiten j des Gegenstandes beachten und das Für und Gej gen abwägen müsse! Warum wollen Sie in der j Frage, die uns beschäftigt, nur die Vortheile der Reform sehen und die verderblichen, verheerenden Folgen vergessen?" „Ei ne Verständig ung i st möglich, w enn man sich einigt über dieGrenze zwischen den feststehenden Gebeten, von welchen weder der innere Gehalt noch die äußere Form geändert werden können, welche ein unveränderliches, unangreifbares Gebiet bleiben müssen, und zwischen denjenigen, welche inFolge derBedürfnisse, der Umstände und der Stufe der Civili' sation der Gläubigen (kläolos), modificirt w erden können." „Wir wollen den in ihren Reformideen Fortgeschrittenen zurufen: Geht weder zu weit, noch zu rasch, selbst auf gesetzlichem Boden. Die Menschen sind nicht von gleicher Stärke, gestattet auch den Schwachen Euch zu folgen." „Zm Schluffe sei es mir gestattet, die aufrichtigsten Wünsche dafür auszusprechen, daß man keine radikalen Reformen in der Gemeinde einfüh^ ren möge; ich fürchte, daß sie den Frieden stören. Ich setze übrigens großes Vertrauen in die Weisheit des Consistoriums. Ich setze es nicht weniger in den guten Sinn und das religiöse Gefühl der Gemeinde. Wenn Sie beide mit Ueberlegung, mit Klugheit in dieser wichtigen Frage handeln, so werden die guten Principien des Judenthums geachtet und der Friede erhalten bleiben. Es ist das Gefäß, welches alle Segnungen umschließt, die Gott Israel und der Menschheit zugedacht hat." Die ganze Bedeutung dieser zur Ermöglichung eine Verständigung zwischen den Gegnern und Anhängern der Reform geschriebenen Schrift gipfelt in den gesperrt gedruckten Sätzen; und hier liegt gerade das Mangelhafte derselben. Der Verfasser hat es unterlassen, an der Hand praktischer Beispiele dies von ihm vorgeschlagene Ausgleichsmittel zu erproben. In der Theorie nimmt sich dies Alles ganz schön und friedlich aus, aber ob es sich auch in citirten Fällen bewähren wird, erlauben wir uns zu bezweifeln. Wenn die Broschüre (Seite 7) Reformen befürwortet, die die Würde des Gottesdienstes zu heben geeignet sind, und für Maßregeln plaidirt zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, so wird das Jedermann anerkennen. Wenn sie aber in demselben Satze für die Abschaffung alter, durch äußere, selbst nicht mehr existirende Veranlassungen in den Cultus aufgenommene Mißbräuche eine Lanze bricht, so sind die gesetzestreuen Brüsseler Elemente, gewitzigt durch Alles das, was wan bereits unter dem Stigma: „Veraltete Mißbräuche," von unseren heiligen Institutionen anderwärts wegreformirt hat, zu fragen berechtigt, was man denn etwa unter diesen Mißbräuchen zu verstehen hat? Die Broschüre (Seite 44) versagt der Reform jede Berechtigung zu einer Verletzung der jüdischen Traditionen, sie wird gegebenen Falls z B. für das Abschlagen der nü'iy am Hoschanah - Rabbah den Handschuh aufnehmen müssen, falls er hingeworfen werden sollte, denn hier handelt es sich um einen d\s*oj jdjd, also um eine jüdische Tradition ältesten Datums Werden die Freunde der Reform ä tont prix, denen die vortreffliche Synagogenordnung des Schulchan- Aruch (Orach Chajim Cap. 90—99) rckcht mehr zeitgemäß genug ist, dieser jüdischen Tradition die Rücksicht zollen wollen, die ihr bloßes Alter verlangen darf? Wir haben gerade dieses Beispiel gewählt, könnten aber irgend eines jener zahlreichen Gebete oder religiösen Observanzen herausgreifen, die anderwärts vom Rothstift der Neologie im Namen der zeitgemäßen Reform als veralteter Mißbrauch gestrichen worden, um die Unmöglichkeit eines Ausgleichs auf Grund der in dieser Broschüre gemachten Vorschläge darzuthun. Sollte jedoch der geistvolle Verfasser in einer weitern Schrift die Möglichkeit der Realisirung seiner Vorschläge an der Hand einzelner Fälle dazulegen versuchen, so werden wir gerne diese Gelegenheit ergreifen, um auf die Brüsseler Reformfrage noch einmal in eingehender Weise zurückzukommen. Zeitungsnachrichten & Correfpoudenzen. Deutschland. Mainz, 2. Oktober. Wie alljährlich, so machte auch diesmal der Herausgeber dieser Blätter beim hohen Gouvernement der Festung Mainz die Anzeige, auf welche Tage die hohen Israel. Festtage fallen und bat um die Befreiung der israel.' Soldaten vom Dienste. Die Bitte wurde, wie immer, gewährt. Da aber ein großer Theil der Soldaten sich zum Manöver im Odenwalde befanden, und diese am 19. Septemver, also am 1. Tage des israel. Neujahrsfestes, in ihre Garnison zurückkehre.-: sollten, so richtete ich an die hohe Kaiserliche Brigade zu Darmstadt das gehorsamste Gesuch, es zu ermöglichen, daß die israel. Soldaten schon am 18. Sept. zurückkehren könnten. Auch diese Bitte wurde bereitwilligst berücksichtigt.

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