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Der Israelit · 1876-10-12 · Heft 41 (12.10.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 41 (12.10.1876)
Date
1876-10-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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934 Widerwärtigkeit, jedes Elend, das ihnen nur halbwegs menschliche Existenz ließ, hat nur d n Erfolg gehabt, sie zu veredeln, sie zu höherer, geistiger und sittlicher Anstrengung zu erheben. Unerschütterliches Vertrauen auf Gott und sittliches Thun gab ihnen die Kraft des Enthusiasmus, mit dem diese kleine Nation fast ein Jahrhundert lang den Kampf gegen das römische Riesenreich führte, das größere Anstrengungen gegen sie aufbieten mußte, als gegen irgend eine andere noch so große Nation. Der Heldenmuth der Juden unter den Mackabäern, ihr Kampf gegen Rom, der mit der Zerstörung Jerusalems unter Titus endigte, der zweijährige Verzweiflungskampf unter Bar Kochba, sowie spater ihre Verteidigung Neapels gegen Belisar, der Pyrenäenpässe gegen die Franken, stellen sie an die Seite der größten Helden, von denen die Geschichte weiß. Sie unterlagen der ungeheuren physischen Uebermacht; die Nation wurde als solche vernichtet , das Volk in alle Welt zerstreut, von China und Indien, durch Afrika und Europa bis zum äußersten Westen der damals bekannten Welt. Aber das Volk blieb ein Volk, unterhielt eine ununterbrochene Verbindung unter allen seinen Gliedern und erkannte immer in der Fortbildung des sittlichen und geistigen Lebens einen Mittelpunkt an, der sie alle untereinander verknüpfte. Wohin der Jude kam, fand er Glaubens- und Gesinnungsgenossen vor, war freundlicher Aufnahme und thätiger Hilfe gewiß." An einer andern Stelle schreibt Herr Professor Schleiden: „Daß die Israeliten von Natur kühne See- Händler waren, beweisen die Ophirfahrten unter Usia im 8. Jahrhundert, sowie die Handelsthätigfeit der Juden im Mittelalter, wo vorzugsweise ihnen der überseeische Verkehr gehörte. Wir dürfen daher wohl nicht daran zweifeln, daß sich unter den Seehandel treibenden Phönikern stets auch Israeliten befanden, und daß in den von den Phönikern angelegten Colonien, also an der nordafrikanifchen Küste, an den italienischen Inseln, bei Marseille, in Spanien u. s. w. sogleich auch sich Israeliten ansammelten. Dadurch fanden sie denn auch leicht Anknüpfungspunkte, wenn sie bei den vielfachen Unterjochungen ihrer Heimath zur Auswanderung veranlaßt waren. So sind sicher schon vor Beginn unserer (der gewöhnlichen) Zeitrechnung jüdische Gemeinden sogar an dem äußersten Westen Europas vorhanden, während wir ja ihre Ansiedelungen in Assyrien, Babylon, Aegypten und Rom mit historischer Gewißheit kennen. Taracona*) hieß *) Heute Tarragoria, eine Stadt in Spanien, in der Provinz Catalomen. schon lange vor dem Eindringen der Sarracenen die Judenstadt. Noch mehr verbreiteten und vergrößerten sich diese jüdischen Colonien nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus, und so wurde die ganze damals bekannte Welt von ihren Niederlassungen umsponnen, die durch die vielen reisenden Kaufleute in einer ununterbrochenen Verbindung blieben und auch alle Produkte ihres Geisteslebens eben so schnell wie ihre Waaren unter sich verbreiteten, während die übrigen Völker nach und nach immer mehr sich isolirten und von den wenigen, letzten, ohnehin sehr dürftig fließenden Quellen geistigen Lebens abgeschlossen wurden. Die Romanen verkümmerten, die Germanen blieben noch lange im Zustande ihrer Wildheit, und so entwickelte sich die finstere Zeit des Mittelalters, welche die Juden nie gekannt haben. Diese blieben vielmehr ununterbrochen mit den Mittelpunkten ihres geistigen Lebens, wo dieselben auch augenblicklich blühen mochten, in Verbindung und wendeten sich dahin um Rath und Aufklärung, wo sie selbst etwa augenblicklich nicht die richtige Entscheidung in einer wichtigen Angelegenheit finden konnten. (Fortsetzung folgt.) Dir Besormsragc in frößtL z. n. Während in Deutschland, dem Mutterlande der sogen. „Reform des Judenthums", nach einem Bestand von wenigen Decennien dieselbe bereits an einer nicht mehr zu vertuschenden Altersschwäche laborirt, während das glänzende Fiasco der Synoden und Rabbinerversammlungen, der gemischten Chöre und Blasebälge, der deutschen Gebete und jüdischen Confirmationen auch den enragirtesten Parteigängern der Reform succesive die Binde von den Äugen löst, während so die dem Judenthum künstlich aufgepfropfte Treibhauspflanze der Reform vom Zeitgeist, der sie gepflanzt, nun auch allmählich entwurzelt und entblättert wird, scheinen einige Saamenstäubchen von der deutschen Muttererde verweht worden zu sein, um auf fremdem Boden ihr Glück zu versuchen. Der Zeitgeist, der unter dem Namen Kronos schon bei den alten Griechen seine eigenen Kinder verspeiste, scheint seinen gesunden Appetit noch nicht verloren zu haben. Während er in Deutschland seine mit so vielem Applomb erzeugten Sprößlinge verzehrt, sorgt er auswärts wieder für neue; ob es ihm gelingen wird? Doch Scherz bei Seite! Die Reform hat an die Brüsseler Synagogenthüre gepocht, und die Gemeinde ist schon seit Monaten in Aufregung, ob und wie man das

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