Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1876)
- Date
- 1876-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. M‘* 1. Der Zsraelit. E in Gentrak - Hrgan für das orlhodore Iudenthum. H«rau»grgebrn von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 12. Dctobcr 5637 (1876). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum.— Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband vro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. östcrr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Professor Schleiden über die Juden. — Tie Reformfrage in Brüssel. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Darmstadt. Bamberg. Dresden. Aachen. Hagenau. — Oest-Ung. Monarchie: Pcsth. - Frankreich: Paris. Paris. — England: London. - Afrika: Algier. — Feuilleton: T heresa. Anhatt der ersten Vertage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Delltschland: Darmftadt. Aus Unkerfranken. Posen — Oesterr. - Ung. Monarchie: Aus Baranow. — Triest. — Serbien: Belgrad. — Frankreich: Paris. — Spanien: Madrid. — Rußland. — Türkei: Konstantinopel. — Feuilleton: Proselytcn. Inhalt der zweiten Vertage: Leitender Artikel: Rabbiner Lazarus Ottensoßer b"iut. Zertungsnachrichten uud Correfpondenzen: Würzburg. Frankfurt ä. Dk. — Ocst. - Ungar. Monarchie: Päpa. Papa. — Rumänien: Bukarest. — Deutschland: Mainz. Mainz. — Feuilleton: Das jüdische Krankenhaus in Paris. Leitende Artikel. Professor Schleiden über die Juden. i. Der berühmte Botaniker Professor M. I. Schleiden veröffentlicht in Westermann's Monats- Heften einen Aufsatz über „die Bedeutung der Inden zur Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter", dem wir einige Stellen entnehmen wollen. „Die Inden," schreibt der Genannte, „sind und bleiben das merkwürdigste Volk; man darf sie wohl das auserwählte Volk Gottes nennen. Schon daß sie sich fast zweitausend Jahre lang trotz der schwersten und blutigsten Verfolgungen, die sie von Heiden, Christen und Muhamedanern zu erdulden hatten. als ein Volk und bis zum heutigen Tage ihren ursprünglichen geistigen Charakter treu nicht nur erhalten haben, sondern sich auch fort und fort ausbreiten und sich in günstigerem Verhaltniß als irgend ein anderes Volk vermehren und zwar unter jedem Klima läßt sie als eine der interessantesten Aufgaben für eine ernste und sinnige Betrachtung der Geschichte erscheinen. Sie sind das älteste Volk, das als Träger des reinen Monotheismus dasteht und eben wegen der Reinheit des Gottesglaubens das Sittengesetz und seine Bethätigung im Leben als eigentliche wahre Darlegung des religiösen Glaubens hingestellt und sestgehalten hat. Ganz Europa hat sein Mittelalter gehabt, eine Zeit der Rohheit und des sittlichen Verfalls, wie er trauriger nicht gedacht werden kann, nur die Juden machten davon eine Ausnahme. Trotz Zerstreuung und Unterdrückung, die ihnen oft die einfachsten Menschenrechte, ja selbst die Berechtigung zum Leben raubte, haben sie sich bis zum Ende des Mittelalters ununterbrochen in ihrem geistigen Leben fortentwickelt und den übrigen Völkern die Grundlagen des geistigen Lebens bewahrt und überliefert. Wie geistig edel angelegte Naturen strauchelten sie wohl zuweilen, wenn glückliche Augenblicke ihnen das Leben zu leicht machten, aber jede