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Der Israelit · 1876-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1876) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1876)
Date
1876-09-27
Page
– (sequence 19)
Language
German
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923 klare Stirn; seltsam, sie selbst hatte sich der Taufe unterzogen und nun berührte es sie unangenehm, von der Taufe ihres Kindes reden zu hören. Doch sie bezwang sich und Graf Arthur merkte nichts davon. „Wie wird es denn heißen?" fragte sie. „„Es. es,"" lachte Arthur, „„warum sagst Du nicht er?"" „Nun mit Sicherheit kann man es ja doch nicht wissen." „„Wer wird so ungläubig sein! ich rechne mit Zuversicht auf einen Erben und Stammhalter, und worauf ich mit Zuversicht rechne, darin täusche ich mich nie, das sollte mein süßes Weibchen schon wissen. Doch ich vergesse Deine Frage zu beantworten, also der Name unseres Sohnes wird Kuno Arthur Graf von Staremberg lauten." „„Kuno? warum Kuno?"" fragte Hermine. „Es ist der Name meines Oheims, des präsumtiven Gevatters", sagte der Graf, „doch wünschtest Du vielleicht noch einen anderen Namen hinzuzufügen?" „„Ich würde ibn gerne Viktor nennen,"" sagte Hermine erröthend, „ „mein seliger Vater nannte sich so und bei uns ist es Sitte, die Kinder nach ihrem verstorbenen Großvater zu nennen."" „Die Sitte gefällt mir," versetzte Arthur; „doch wenn sie mir auch nicht gefiele, Dein Wunsch ist mir Befehl, das weißt Du doch. Also Kuno Arthur Viktor von Staremberg. Viktor von Staremberg, das klingt auch recht schön." „„Nein, nein,"" rief Hermine, plötzlich schaudernd, „„nicht so, nicht Viktor."" „Nicht Viktor?" fragte Arthur staunend. In demselben Moment trat ein Diener zu ihnen und überreichte seinem Herrn eine so eben eingelangle Depesche. Der Graf erbrach und überflog sie und Leichenblässe überzog sein sonst so blühendes Antlitz. „„Um Gotteswillen Arthur, was ist Dir?"" „Mein Oheim ist mit dem Pferde gestürzt — man zweifelt an seinem Aufkommen — er verlangt nach mir", erwiederte er tonlos. „Großer Gott, was soll ich thun?" und er schlug sich mit der Hand an die Stirn. „„Welche Frage, Arthur, Du mußt abreisen, unverzüglich abreisen, mit dem nächsten Zuge."" „Und Dich sollte ich verlassen, jetzt verlassen, wo zu jeder Stunde —" „ „Wsnn Du willst, so begleite ich Dich; ich bin bereit zu jeder Stunde."" „Unmöglich Kind, die beschwerliche Reise in dieser Jahreszeit, die Aufregung —" „„Aber Du mußt abreisen, Arthur, unverzüglich."" „Ich kann nicht. Geliebte, ich kann nicht; mir ists, als dürfe ich Dich jetzt nicht verlassen." „„Aber, Arthur, es ist Dein Onkel, Dein sterbender Onkel, der nach Dir verlangt. Der Einzige Deiner Verwandten, der sich nicht von Dir gewendet und Du könntest zögern?"" „Du hast recht, Geliebte, wie immer und in Allem;" er preßte sie leidenschaftlich an sich, „aber ich kann Dich nicht verlassen, ietzt nicht." „„Und doch mußt Du es. Komm, laß' uns hineingehen; Jean muß Deine Effecten zur Reise ordnen; in zwei Stunden mußt Du unterwegs sein."" Der Gras sah ein, daß es in der That unmöglich, der an ihn ergangenen Einladung nicht Folge zu leisten; und schleunigst, aber mit schwerem Herzen rüstete er sich zur Abreise. Der Wagen harrte bereits vor dem Schloßthore; Jean stand am geöffneten Schlag und wieder und immer wieder preßte der Graf die Geliebte an das bange, ahnungsschwere Herz. Es war ihm, als sollte er die in Jugendfrische und Schönheit vor ihm Stehende nimmer Wiedersehen. Helene that ihr Mögliches, ihn zu beruhigen; sie erinnerte ihn an die Treue und Anhänglichkeit ihrer Umgebung, versprach täglich zweimal durch den Telegraphen ihm Nachricht von ihrem Befinden zu senden, und endlich riß er sich los. Sobald er sie jedoch verlassen, sobald der davonrollende Wagen ihren Augen entschwunden, brach auch ihre bisher nur mühsam bewahrte Fassung zusammen. Es war das erste Mal seit ihrer Verbindung, daß er sie verlassen. Das zuckende Antlitz in dem feinen Battifttuch bergend, eilte sie zurück in ihr Boudoir; hier aber verließ sie vollends alle Fassung, laut schluchzend warf sie sich auf's Kanapee. Alle die unheimlichen Ahnungen, die sie mit so vieler Mühe bekämpft, standen wieder drohend vor dem angsterfüllten Herzen; denn Derjenige, der sie bisher mit heiterem Spott stets siegreich angegriffen, hatte sich selbst jetzt ihnen ergeben. Eben kam der Wagen zurück, der den Grafen zur Eisenbahnstation geführt, der Kutscher brachte der Gräfin die letzten Grüße des Geliebten. Erst im Wagen war es ihm schwer auf's Herz gefallen, daß er durch seine Muthlosigkeit Herminens Zagen wieder erweckt haben dürfte, er machte sich die bittersten Vorwürfe und suchte durch einige erheiternde Zeilen, die er im Wagen auf eine kleine Schreibtafel niederschrieb, Herminens Muth und Hoffnung wieder zu beleben. Er bat sie, um ihres Kindes willen, recht heiter und vergnügt zu fein

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