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Der Israelit · 1876-09-27 · Heft 39-40 (27.9.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 39-40 (27.9.1876)
Date
1876-09-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
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922 den, das durch die Bande des Blutes mit ihm verbunden war; doch er bezwang sich. „Ich habe Ihnen bereits gesagt," erwiderte er mit gepreßter unsicherer Stimme, „ich habe Ihnen bereits gesagt, daß es mir nicht möglich ist, die Frau Gräfin zu besuchen." Nochmals bat der Diener, doch umsonst, und sichtlich niedergeschlagen verließ der alte Mann das Haus. Er war seiner Herrschaft von ganzem Herzen zugethan und es schmerzte ihn daher, daß er ihrem so dringend ausgesprochenen Wunsche nicht hatte entsprechen können. Herminens wahrhaft zauberhafte Schönheit, verbunden mit einem milden leutseligen Benehmen gegen ihre Untergebenen, hatten des alten Mannes Herz vom ersten Augenblick an gewonnen. Er begriff vollkommen, warum sich der Graf um ihretwillen mit seiner ganzen hochadeligen Verwandtschaft überworfen hatte. Graf Staremberg hatte es in Wirklichkeit auch nie bereut; er liebte Hermine heute noch mit derselben leidenschaftlichen Gluth wie am ersten Tage ihrer Verbindung. Auch Hermine war glücklich, hatte sie doch Alles, wonach nur ihr Herz begehrte. An der Seite eines Mannes, der sie vergötterte, der sie mit fürstlicher Pracht umgab, der jeden ihrer Wünsche, noch bevor sie ihn ausgesprochen, erfüllte, was konnte ihr fehlen? — Und doch hörte der Graf sie zuweilen im Schlafe ächzen und stöhnen, wilde Träume schienen sie zu ängstigen. — Nach solcher Nacht erschien sie stets bleich und verstört und der Graf verdoppelte seine Zärtlichkeit und feine Aufmerksamkeit gegen sie; denn ihn ahnte wohl, daß der «schritt, den sie aus Liebe zu ihm gethan, ihr Gewissen doch noch zuweilen beunruhigte. Das kümmerte ihn indessen nicht allzusehr, das würde, sagte er, die Zeit wohl heilen. Jahre waren verstrichen; das Glück des jungen Paares hatte auch nicht die leiseste Wolke getrübt; gab es doch nur einen einzigen Wunsch, den das Geschick ihr bisher versagt, und auch dieser Wunsch schien endlich der Erfüllung nahe; nach jahrelangem vergeblichem Hoffen fühlte Hermine sich endlich Mutter. Gras Staremberg war überglücklich, er hätte es selbst nicht für möglich gehalten, daß seine Gefühle für die so heiß Geliebte noch einer Steigerung fähig und doch glaubte er jetzt, sie noch inniger zu lieben; erblickte er in ihr doch bereits die Mutter seines Sohnes, des Erben feines Namens, denn mit seltsamer Zuversicht rechnete er auf die Geburt eines Sohnes. Auch Hermine war zu Zeiten recht von Herzen glücklich; doch wenn der Graf nicht an ihrer Seite, erfaßte sie oft eine unnennbare Augst und mit Zagen sah sie der doch von ihr so heißersehnten Stunde entgegen. Der Arzt, den sie deßhalb zu Rathe zog, gab ihr jedoch die Versicherung, daß ein derartiges Angstgefühl bei Frauen in ihrer Lage durchaus keine Seltenheit; er forderte sie auf, sich zu zerstreuen und mit Ruhe und Zuversicht den Verlauf der Dinge zu erwarten. Es war ja in Wirklichkeit kein Grund zur Beforgniß vorhanden; Hermine-war jung und kräftig, nie im Leben hatte sie eine Krankheit überstanden und gerade dieser Umstand, behauptete der Arzt, mache sie so verzagt und muthlos. Namentlich das letztere Wort betonte er, er kannte das Temperament der jungen Frau; wußte, daß sie sich auf ihren persönlichen Muth viel zu Gute that und indem er sie der Feigheit zieh, hoffte er dieses nervöse Angstgefühl ihr überwinden zu helfen. Und er hatte sich in der That nicht verrechnet. In dem Strudel der Vergnügungen, umgeben von Allem, was die treueste Liebe, die zarteste Aufmerksamkeit zu ersinnen vermag, fand Hermine Muth und Frohsinn wieder. Der Herbst neigte sich zu Ende, schon fing man an ihn Winter zu nennen, doch gab es noch hin und wieder heitere Tage, an denen die Luft rein und milde. Es war in der Mittagsstunde eines solchen Tages, als Graf und Gräfin Staremberg in den jetzt laublosen Gängen des Schloßparkes lustwandelten, in heiterster Unterhaltung vertieft. Graf Arthur sprach eben die Absicht aus, die Geburt seines Sohnes durch Festlichkeiten mancherlei Art zu begehen, das Hauptfest jedoch, zu dem er auch seine sämmtlichen Verwandten laden wollte, sollte erst stattfinden, wenn auch Hermine daran würde Theil nehmen können. Hermine bezweifelte, daß seine Familie sich einfinden würde, da seit seiner Verheirathung sich fast Alle von ihm zurückgezogen. „Mögen sie fern bleiben," lachte der Graf, „um so behaglicher werden wir uns fühlen. Ich sende ihnen meine Einladung ja auch nur, weil der Anstand es erheischt. Aber mein alter Onkel wird sicherlich kommen, der ist ein warmer Verehrer von Dir; wenn er jünger wäre, könnte ich eifersüchtig werden. Als ich "ihn neulich beim Fürsten N. traf, hat er sich mit wirklich herzlicher Theilnahme nach Dir erkundigt und mich versichert, wenn er so glücklich gewesen, Deine Hand zu erlangen, so hätte er sich um diesen Preis mit Freuden mit seiner ganzen Familie überworfen. Habe ich Dir schon mitgetheilt, daß er sich mir als Pathe angetragen hat? er und die Fürstin N. wollen unfern Sohn aus der Taufe heben." Ein leichter Schatten glitt über Herminens

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